Es war einmal vor langer Zeit… Da wurden nur die Frauen zu lebenslangen monogamen Beziehungen gezwungen, wirtschaftlich vom Mann abhängig gemacht, aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannt, schlussendlich an Haus und Herd gebunden. Es kam, wie es kommen musste: Die Geburtenrate nahm zu, die Kinderbetreuung wurde zur Mutter-Sache erklärt und damit weibliche Wahlfreiheit und Gleichstellung eingestampft. Staat und Kirche sorgen für den Rest, der Frau ihren untergebutterten Platz zuzuschreiben... Es reicht! Wir können auch anders.

Porträt Lara Ermer

"hauptsache kultur" spricht mit der Rapperin Alyssa, Lina Burghausen, Mitbegründerin von 365XX – einem Rap-Label nur für Frauen, Catrine Val, einer Kasseler Künstlerin, der Biologin Meike Stoverock, dem Evolutionsbiologen Carel van Schaik, Laura Winter von "Catcalls Kassel" und der Poetryslammerin Lara Ermer.

Female! Rap! Rules! – Wenn die Beats weiblich sind

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Frau lächelt in Kamera
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Deutschrap als Genre, das heißt immer noch Männer, Männer, Männer… Apache 207, Bausa und Capital Bra auf sämtlichen Playlisten. Frauen, die auf Deutsch rappen, finden sich da seltener. Dabei mangelt es dem Hip-Hop nicht an weiblichen Vertreterinnen. "Der dümmste Kommentar, den ich einmal bekommen habe, warum Frauen im Hip-Hop angeblich nichts verloren haben, ist, dass es genetisch bedingt ist, dass Frauen nicht rappen können", sagt Lina Burghausen, Mitbegründerin von 365XX – einem Rap-Label nur für Frauen. Im letzten Jahr konnten vor allem weibliche MCs mit Klicks und Followern beeindrucken. Künstlerinnen wie Nura, Juju, Schwester Ewa oder Haiyti mischen die Deutschrap-Szene gerade auf. Die Zeit für eine neue Rapkultur ist gekommen. The future is female!

Frau lächelt in Kamera

"hauptsache kultur" trifft die Labelgründerin Lina Burghausen und die Rapperin Alyssa aus Frankfurt. Wir wollen wissen: Wie klingen die Beats der neuen Frauen?
Bericht: Wero Jägersberg

Ihr seid angezählt – Wie Catrine Val die Kunst zur Revolte macht

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Frau schiebt Truck
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Was bedeutet es, Frau zu sein in einer Welt, die immer noch von Männern bestimmt wird? Catrine Val will zeigen, dass sie als Künstlerin auch Frau sein kann. Denn das ist immer noch nicht selbstverständlich. Mutter von drei Kindern und Künstlerin? Das muss sie sich bis heute fragen lassen. Welcher Künstler musste dazu schon mal Stellung nehmen? Wohl keiner. Und so ist Catrine Val also eine feministische Künstlerin geworden. Sie arbeitet in ihren Foto-, Film- und Performance-Projekten mit Frauen auf der ganzen Welt zusammen und das von Kassel aus. Ihr eigener Kampf um Anerkennung als Frau steht für Catrine Val im Mittelpunkt ihrer Kunst, die lässig, skurril und zerbrechlich zeigt, wo es noch immer hakt, in der angezählten Kultur der Männer.
Bericht: Carola Wittrock

Die männliche Dominanz – Mehr Schwachsinn als man denkt

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Mann sitz vor Ausstellungsobjekt mit einem Paar Neandertaler
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Die Ungleichheit der Geschlechter: Wie ist sie entstanden und wie kriegen wir sie wieder los? Ausgerechnet zwei Männer haben dazu geforscht: Der Evolutionsbiologe Carel van Schaik und der Historiker Kai Michel. Das Ergebnis ist schon jetzt ein Standardwerk. In "Die Wahrheit über Eva" zeigen sie das ganze Missverständnis: Eva, die erste Frau – die Frau an sich – sei dem Manne nicht ebenbürtig… Welch fatale Fehleinschätzung.

Porträt

Auch die Biologin Meike Stoverock geht in ihrem Buch "Female Choice" den Weg der Evolution. Ihre Kernthese: Die Frau ist biologisch nicht unterlegen, nicht das "schwache Geschlecht", sondern eigentlich überlegen. Denn die sexuelle Selektion liege naturgemäß bei der Frau: Die Frau wählte ursprünglich als Sexualpartner nur den Fittesten, deswegen mussten viele Männer stets um eine Frau konkurrieren.
"hauptsache kultur" spricht mit Meike Stoverock und Carel van Schaik über den Weg zurück zum Geschlechterverhältnis der Gleichheit.
Bericht: Natascha Pflaumbaum

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Buchtipps

Carel van Schaik / Kai Michel " Die Wahrheit über Eva: Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern", Rowohlt 2020

Meike Stoverock "Female Choice: Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation", Tropen 2021

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Sexismus ankreiden! - Catcalls im ganzen Land

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Schrift auf Trottoir
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Es ist soo öde… Pfiffe, Machogeschwätz, Beleidigungen. Sexismus auf offener Straße. Jede Frau kennt das, erträgt es irgendwie, fühlt sich alleine damit. Mittlerweile gibt es eine Bewegung von Frauen, die diese sexistischen Sprüche öffentlich macht. Sie kreiden an. Bewaffnet mit bunter Kreide suchen sie die Tatorte auf, schreiben auf die Straße, was die Opfer sich hier anhören mussten. Und stellen die Fotos dann ins Netz.

Porträt

Eine weltweite Bewegung, die es auch in Kassel gibt. Laura Winter hat sie dort ins Leben gerufen. Und bekommt seitdem täglich Zusendungen von betroffenen Frauen.
"hauptsache kultur" hat sie in Kassel getroffen und sie beim Ankreiden begleitet.
Bericht: Carola Wittrock

Die P – "Wenn ich komme, machst du Platz!"

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 Schon ihre Debütsingle ist eine Ansage. Als Die P 2015 mit "Mach Platz" an den Start geht, macht sie klar, sie ist gekommen ist, um ihren rechtmäßigen Platz auf dem HipHop-Olymp einzunehmen. Und dafür bringt sie genau das richtige Rüstzeug mit: große Klappe, raue Schale und eine gewisse Attitüde.
Nachnamen und Alter hält sie geheim, aufgewachsen ist sie in Bonn und hat dort laut eigner Aussage eine prägende Zeit vor allem unter Jungs verbracht. Als Teenie sieht sie den Film "8 Mile" im Kino: die Initialzündung. Sie geht nach Hause, schreibt ihre ersten Rapstrophen und fordert fortan als MC Double P den halben Schulhof zu Rapbattles heraus. Ihre Cousine meldet sie kurzerhand zu einem richtigen Battleturnier an, wo sie es bis ins Viertelfinale schafft. Nach der Battleerfahrung kommt irgendwann das Studio: Und 2017 ihre Debüt-EP "Bonnität". "Mir war beim Schreiben der EP schon klar: Dieses Projekt muss mit der Tür ins Haus fallen. Die Leute sollen gefälligst zuhören." Für Die P bedeutet Hip-Hop, Klartext zu reden, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. "Vor allem als Frau hab' ich etwas zu sagen" – rappt sie in einem ihrer Debütsingle. Grundsätzlich lehnt die es aber ab, für sich als Frau im Rapbusiness eine Sonderbehandlung zu reklamieren. Auch Genderfragen bleiben bei ihr außen vor. Da mag es überraschend klingen, dass gerade diese Rapperin als erste Künstlerin beim Female Rap-Label 365XX unter Vertrag gekommen ist, das Lina Burghausen Anfang 2020 gemeinsam mit [PIAS] Germany gegründet hat und das sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Diversität in der Musikbranche zu erhöhen.

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CD-Tipp

Die P "3,14", Label: Pias Germany/365xx (Rough Trade), erscheint am 19. März 2021

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Moderation: Selma Üsük
Redaktion: Christian Sprenger, Dorothee Ott

Unsere nächste Sendung ist am Donnerstag, 11.03.2021, 22:30 Uhr!

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Sendung: hr-fernsehen, "Hauptsache Kultur", 04.03.2021, 22:30 Uhr