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zum Video Schauspieler, Theatermacher und Tausendsassa - Michael Quast wird 60 und seine "fliegende Volksbü...

Schon als Kind brachte er die Leute zum Lachen. Und er schrieb auch schon in der Volksschule sein erstes Bühnenstück: Michael Quast, gebürtiger Heidelberger, Schauspieler, Kabarettist, Autor, Regisseur und Produzent, Sprecher und Moderator und Direktor der Frankfurter "Fliegenden Volksbühne", frei nach Quast: sein "mobiles Theatereinsatzkommando".  

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Nächste Vorstellungen der "Fliegenden Volksbühne":

"Im Weißen Rössl à trois"
15.02.2019, Stadthalle Kelkheim

"Kribbel Krabbel – die bedrohte Welt der Insekten"
27.+ 28.02.19, Badehaus 2, Sprudelhof Bad Nauheim

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"Beim Volkstheater geht es darum, dass die Leute direkt angesprochen werden und es muss voll sein und sie müssen verstehen, was ich mache. Im besten Fall in einer guten Komödie, da treten Figuren auf und es ist sofort klar, was los ist und dann geht‘s los."

Michael Quast, unterwegs zu seinem nächsten "Theatereinsatzkommando"! So nennt er auch seine "Fliegende Volksbühne". Heute Abend ist sie im Bürgerhaus in Schwalbach gelandet. Bevor’s los geht, wird alles genauestens vorbereitet. "Das ist ja das Schwierige an komischen... an Komik, dass die technisch so hohe Anforderungen hat. Da geht’s um Sekunden. Timing – wenn das nicht stimmt, ist die Pointe im Arsch. Deswegen muss es sitzen. Also, das muss... Deswegen bin ich da so pingelig, weil es sonst nicht funktionier., so Quast.

Modernes Volkstheater

Die "Fliegende Volksbühne" von Quast hat kein festes Zuhause. Jeder Auftritt findet auf einer anderen hessischen Bühne statt und sie kommt mit wenig Personal aus. Heute Abend schlüpft Quast - mit seiner Kollegin - in zehn Rollen. Für eine Parodie auf das bekannte Singspiel "Im weißen Rössl" von 1930. "Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür."

Quast will ein modernes Volkstheater machen, eines das jeden anspricht. Und er hat dafür auch immer wieder neue Ideen: "Ich stelle mir vor, dass man wirklich Themen aufgreift, die jetzt heute in der Luft liegen. Also, dass man sich, dass man Stoffe auf die Bühne bringt, die die Leute beschäftigen, die unten sitzen. Die jeder kennt, aus seinem Alltag und dass es ein Riesenspaß ist. Also, man kann sich auch mit sehr ernsten und bitteren Themen beschäftigen auf eine humorvolle Art und Weise", sagt er.

Offensive Komik ist ein wesentliches Element beim "Quastschen Volkstheater". Gags und Dialoge studiert er mit seinen Schauspielkollegen in einem Proberaum in Frankfurt ein.

Gesamtkörpereinsatz

Dass er witzig sein kann, bemerkt er ganz früh. Michael Quast wird 1959 in Heidelberg geboren. Schon in der Grundschule bringt er andere zum Lachen. Er will Schauspieler werden und schmeißt das Abitur. "Meine Mutter fragte in ihrer Verzweiflung, weil ich mit niemandem mehr gesprochen und so, und sie war verzweifelt und fragte den Heidelberger Intendanten damals, Horst Statkus: Was soll ich denn machen? Da hat er gesagt: Na ja, es gibt Schauspielschulen. Ahh, Es gibt Schauspielschulen, wo? In Stuttgart!", erinnert sich Quast.

Michael Quast muss dort eine Aufnahmeprüfung machen und besteht. Er wird Schauspieler und tritt auch bald mit Solprogrammen auf, als Kabarettist. Stimme, Mimik, Geräusche – der gesamte Körper ist im Einsatz. Das macht Quast aus und das macht ihn auch schnell erfolgreich. "Es fährt ein Schiff über die Weltmeere! Ahoi!"

Von Molière bis Stoltze

Seit 30 Jahren ist er nun schon in Frankfurt. Und hier entdeckt er auch seine Liebe für’s Hessische: Er nimmt klassische Theaterstücke und lässt die Schauspieler "babbeln". Geboren ist "Barock am Main". Jeden Sommer führt er mit seiner Volksbühne vor allem die Stücke des Komödien-Vaters Molière "uff Hessisch" auf mit Riesenerfolg!

Auch mit den Versen des Frankfurter Mundartdichters Friedrich Stoltze geht er gern auf die Bühne. Schnell ist dabei vergessen, dass Quast ja eigentlich Heidelberger ist. "Ja, das ist mir dann schon manchmal ein bisschen peinlich, wenn die Leute sagen, ich wäre hier so der große Mundartbewahrer oder so, weil ich ja kein Nativespeaker bin. Und wer ein gutes Ohr hat, der hört das auch, dass ich kein Frankfurter bin. Ich benutze es ja quasi als literarische Sprache, es ist nicht mein Heimatdialekt", sagt er.

Rettung für Liesl Christs Volkstheater

Wegen seiner Erfolge soll er sogar zum Retter des Frankfurter Volkstheaters werden: 2008 wird Michael Quast gefragt, ob er die künstlerische Leitung des "Volkstheater Frankfurt Liesl Christ" übernehmen möchte. Das Traditionshaus steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Quast soll es mit neuen Ideen retten. Doch er stößt dort auf Widerstand. Und sagt ab.

"Dann sagte ich, das darf doch nicht verloren sein. Ja, diese ganzen Ideen, die da entstanden sind. Ich hatte da wirklich Feuer gefangen. Und die Kontakte, die ich geknüpft hatte. Also, haben wir unseren eigenen Laden gegründet. So wurde die Fliegende Volksbühne gegründet – als Auffangbecken für die ganze Energie, die schon in die Idee 'Volkstheater für Frankfurt' geflossen ist", so Quast.

Neuer Plan: Sesshaftigkeit

Direkt neben dem Goethehaus soll seine "fliegende Volksbühne" endlich sesshaft werden. Noch wird renoviert. Im alten Cantatesaal, der ehemaligen Spielstätte des "Volkstheater Frankfurt Liesl Christ". Zwischenzeitlich durfte Quast hier mit seiner Truppe auftreten. Dann wurden sie wieder "fliegen" geschickt – wegen der Rundumerneuerung . Kommt der fast 60-Jährige jetzt, kurz vor seinem Ziel denn zur Ruhe?

"Wir können es etwas ruhiger angehen. Wobei ich merke schon bei der Vorbereitung, wir haben so viele Ideen, möchten so viele Sachen machen. Das wird schon wieder viel. Aber ich habe ja auch Mitarbeiter gefunden, das muss ich sagen, die mir viel abgeben und wo ich auch lerne, viel abzugeben. "

Die Triangel wird der Chef wohl weiterhin selbst präparieren. Aber es wird noch viel Zeit vergehen, bis Michael Quast sagt: "Meine Damen und Herren, habt’s mich gern!"

Bericht: Christiane Schwalm

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 14.02.2019, 22:45 Uhr