Frau lächelt
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Auf diese Künstlerin hat die deutsche Popwelt gewartet: eigensinnig, mutig, avantgardistisch und doch irgendwie leise und introvertiert. Mine, die mit bürgerlichem Namen Jasmin Stocker heißt, tanzt aus der Reihe.

Die 33-jährige Sängerin und Songwriterin liefert Songs mit Tiefe und Sinn, wortgewandt und auf dem Punkt. Dazu einem Soundmix, den sie als deutschen Pop mit Einflüssen aus Hip-Hop, Jazz, Folk aber auch elektronischer Musik bezeichnet.

Aufgewachsen ist Mine in einem Dorf in der Nähe von Stuttgart. Als Kind hat sie bereits an Gesangswettbewerben teilgenommen und eine Leidenschaft für Instrumente entwickelt, die ihr bis heute erhalten geblieben ist. Exotische Instrumente wie Autoharp, Phillicorda und Omnicord nennt Mine ihr Eigen und setzt sie gerne in ihren Produktionen ein. Alles nur Leidenschaft und Talent? Weit gefehlt, Mine besitzt eine universitäre Ausbildung. Mit Anfang 20 startet sie ihr Studium im Fach Jazzgesang in Mainz und absolviert danach ein Masterstudium an der Popakademie Baden-Württemberg in Producing und Composing. So klassisch und konform sich ihre Ausbildung auch liest, so unkonventionell ist das, was Mine produziert. Im Oktober 2014 veröffentlicht sie ihr gleichnamiges Debütalbum. Der Künstlername Mine: ein Spitzname aus ihrer Kindheit. 2016 erscheint ihr zweites Album "Das Ziel ist im Weg", auf dem unter anderem Rapper Fatoni und Sänger Dagobert einen Gastauftritt haben. Im gleichen Jahr erhält sie den Preis für Popkultur in der Kategorie „Lieblingssolokünstlerin“. Mine reüssiert alleine und immer wieder auch an der Seite von anderen Künstlern wie den Orsons oder Samy Deluxe. Eine vernetzte Künstlerin: 2017 kommt das gemeinsame Album "Alle Liebe Nachträglich" mit Fatoni auf den Markt. Das Album: Ein musikalisches Statement in puncto zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch die Bank von der Presse gelobt wurde.

Letztes Jahr hat sich Mine aufgemacht, Soloalbum Nummer drei anzugehen. "Der Schreibprozess war dieses Mal sehr kompakt", erinnert sie sich - und an ihre Bedenken, dass "die Songs sich zu sehr ähneln, wenn ich sie innerhalb von kürzester Zeit schreibe". Eine unberechtigte Angst, denn rasch  erschafft Mine zwei Handvoll Songs, die sich textlich und musikalisch von einander abheben. Immer neu, immer anders. Das aktuelle Album "Klebstoff", das gerade erschienen ist, klingt poppiger, vielleicht auch zugänglicher als die Vorgänger, es ist aber auch das persönlichste Album von Mine. Den Titel "Klebstoff" trägt es nicht ohne Grund. Das Wort sei ein phonetisches Meisterwerk: "Ich bin ja ein großer Fan der deutschen Sprache und mag gerne, dass sie so kryptisch in den Betonungen ist. "Klebstoff" klingt hart, aber gleichzeitig trotzdem weich und passt genau zu seiner Bedeutung. Ich finde das Bild interessant, dass jeder von uns mit Klebstoff umhüllt durch das Leben geht und alle Dinge, mit denen man in Kontakt kommt – positiv oder negativ - an einem kleben bleiben. Auch, wenn man das gar nicht will." Genau von solchen Dingen erzählt das Album. In 11 Stücken kommt man der Musikerin ganz nah, bleibt kleben an Mine. Wer noch näher dran sein möchte, kann sie auf ihrer Deutschlandtour erleben, unter anderem in Wiesbaden am 4. Mai.

Bericht: Wero Lisakowski

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 25.04.2019, 22:45 Uhr