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zum Video Von Märchen und Alpträumen – Kunstvideos von Djurberg und Berg in der Frankfurter Schirn

Tiere, Monster, Fabelwesen. Sonderbare, manchmal bedrohliche Räume und Fantasiewelten. Die Kunst von Nathalie Djurberg und Hans Berg ist ein ganz eigener Kosmos – aus Plastilin, Ton, Textil und Kunsthaar. Die beiden inszenieren aufwändige Stop-Motion-Videos – Djurberg macht die Figuren, Berg die Musik. Es geht um die großen Themen der Kunst: Gewalt, Liebe, Tod.

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"A journey through mud and confusion with small glimpes of air"
bis 26. Mai 2019
Schirn Kunsthalle Frankfurt

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Eintreten in eine eigene Welt. Sich in Gestalten verlieren. Das Kabinett der Künstler Djurberg und Berg. Liebenswert bestialisch und monströs sympathisch. Wie das Innere der Kartoffel, wo das Tier in uns lauert. "Ich denke, die Auswahl besteht aus unseren Lieblingsstücken", befindet Hans Berg. Seelenschau aus 14 gemeinsamen Jahren. "Wie eine Reise durch Schlamm und Verwirrung mit ein bisschen Luft dazwischen", erklärt Nathalie Djurberg.

Eine geheimnisvolle Kunst, hier in der Frankfurter Schirn. Wald, böser Wolf, verlorenes Mädchen. Märchenmotive, herrlich anders. Verbote, Urängste, Urträume. Triebe und Regeln. Was unser Innerstes treibt, entstanden im Trick-Verfahren, Bild für Bild.

Das Dachstübchen des Seins

Nathalie Djurbergs Vorstellungen nehmen Gestalt an: "Es ist ja schwer der Tatsache zu entkommen, dass wir alle Körper haben. Vielleicht arbeite ich deshalb so gerne physisch, weil ich so viel Zeit in meinem Kopf verbringe. Aber es ist sind unsere Körper, über die wir uns dann in der Welt manifestieren. Und so kann ich dann auch am besten eine Botschaft vermitteln: durch meinen Körper oder dadurch, einen Körper zu zeigen", sagt sie.

Die Psyche als Trip. Wenn der Körper das Haus des Seins ist, dann sind wir hier in seinem Dachstübchen – in den Korridoren unseres Hirns. Bild und Ton entstehen gleichzeitig, beeinflussen sich gegenseitig: "Der Film hat einen speziellen Rhythmus, ich versuche dem zu folgen. Die Kamera steht nie still, bewegt sich ständig. Meine Musik nimmt das auf, treibt die Bilder an, immer voran, immer weiter", so Berg.

Und Djurberg fügt hinzu: "Für mich sind all diese Charaktere ein und dieselbe Person. Dieser hier ist nicht so glücklich – ich mache mich gerade ein bisschen lustig über ihn, aber tatsächlich entwickle ich einen Charakter nur, wenn ich einen Bezug zu ihm und seinen Gefühlen habe. Sonst verliere ich sofort das Interesse."

In der Kunst kann man die Regeln brechen

Oberflächengeilheit, der Antrieb unserer kapitalistischen Gesellschaft. Diese eigentümliche Welt, die hier entsteht, schafft so etwas wie Freiheit davon. Vielleicht das eigentliche Wesen der Kunst: "Nach einiger Zeit habe ich bemerkt: Kunst ist tatsächlich der einzige Bereich in der Gesellschaft, der wirklich offen und frei ist, hier kann man alle Regeln ignorieren. Es ist schwer einen Bereich zu finden, wo man sogar aufgefordert ist, die Regeln zu brechen", so Djuberg.

Und so werden in diesen Werken unsere inneren Fratzen grotesk real. Wunderbar, diese sinnlich schönen Hässlichkeiten. Hier kann man sich an den eigenen Abgründen laben – ganz große Kunst!

Bericht: Thorsten Mack

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 07.03.2019, 22:45 Uhr