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zum Video Neu entdeckte Farbdias geben Einblicke in das noch unzerstörte Frankfurt

Das Interesse an Frankfurts historischem Stadtbild hat enorm zugenommen, nicht zuletzt aufgrund des aktuellen Wiederaufbaus der früheren Altstadt. Doch wie sah Frankfurt eigentlich vor dem zweiten Weltkrieg in Farbe aus? Denn damals gab es ja fast nur Schwarz-Weiß-Fotografie?

Tobias Picard, Archivar am Institut für Stadtgeschichte hat vor einigen Jahren einen besonderen Schatz entdeckt: eine große Menge an Farbdias aus den 1930er und 1940er Jahren; - mit die ersten Farbaufnahmen von Frankfurt überhaupt. Die schönsten Motive sammelte er für ein Buch, das nun in einer Neuauflage erschienen ist.

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Buchtipp

Buch: "Frankfurt am Main. Farbdias 1936 bis 1943"
Tobias Picard
Sutton Verlag GmbH 2018

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Ein gigantisches Projekt entsteht gerade in Frankfurt: Neubauten und 15 historische Häuser, so wie sie vor dem zweiten Weltkrieg ausgesehen haben bilden eine "neue" historische Altstadt. Ohne Tobias Picard und das Institut für Stadtgeschichte wären so manche Rekonstruktionen nicht möglich gewesen. Denn: Das Frankfurter Archiv besitzt neben anderen Quellen einen besonderen Schatz: hunderte alter Farbdias, mit die ersten Aufnahmen, die die farbige Gestaltung der Stadt kurz vor dem Krieg zeigen. "Man dachte eine ganze lange Zeit, die Altstadt wäre schmutzig grau gewesen. Ganz so war es kurz vor ihrer Zerstörung nicht mehr. Sie hatte an manchen Stellen farbige Gestalt bekommen, nicht knallbunt, eher in gedeckten, pastellartigen Tönen, ein leichtes Gelb, ein helles Blau, ein ganz zarter Rotstich, Ockertöne, so in diese Richtung", soTobias Picard.

Mit Hilfe der Farbdias sieht man nun zum ersten Mal wie es hier tatsächlich aussah. Viele Fassaden bekamen auf Dauer eine rußige Patina wegen der Holz- und Kohleheizungen, die damals üblich waren.

Gut rekonstruierbar ist "die Goldene Waage", ein Gebäude aus der Renaissance. Es gehörte einem Ehepaar aus den Niederlanden, das vor allem mit Gewürzen handelte. Und weil das Haus bekannt war, existieren davon zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen. Zusammen mit den Farbdias helfen sie dem Architekten Jochem Jourdan bei der detailgenauen Rekonstruktion: "Man kann an dem Foto erkennen, dass es eine Grundfassung in einem Rot-Ton gab. Das reicht natürlich nicht aus, aber trotzdem jede solcher Quellen, jedes Foto ist ein Dokument, was bei einer Rekonstruktion, einem Wiederaufbau, sinnvoll genutzt werden kann."

Über 600 Farbdias hat Tobias Picard im Institut für Stadtgeschichte durchforstet. Entdeckt hat er sie bei einem Routinevorgang, die Diakästen waren noch nicht archiviert. Er war verblüfft, was er sah: Aufnahmen, die zum ersten Mal! ein farbiges Gesamtbild der Stadt widergeben.

Es sind Amateuraufnahmen, entstanden 1936 bis 43. In dieser Zeit wurde begonnen, Diarollfilme für Kleinbildkameras zu produzieren und damit konnten jetzt auch Hobbyfotografen Farbbilder machen.

Tobias Picard dazu: "Man sieht genau, dass die Menschen die kleinen Aufhellungen und Besonderheiten ihres Alltags fotografiert haben. Für den einen war das vielleicht der Blick vom Domturm, für die anderen das Angeln am Main. Wiederum fand jemand den Winter und den zugefrorenen Main interessant, der andere dann das anschließende Hochwasser. Sehr auffällig ist auch, dass viele in die Parks gingen, auf dem Lohrberg angekommen etwa schauten sie in die Ferne und der Blick war damals wesentlich weiter als heute, wo die Skyline dazwischen steht."

Die Frankfurter Altstadt war vierzig Mal größer als das, was jetzt wiederaufgebaut wird. Die Ost-Zeile am Römerberg - auch eine Rekonstruktion - wurde 1983 fertig und ist heute ein Publikumsmagnet. Das soll auch die "neue Altstadt" werden, die mit ihren unterschiedlichen Architekturstilen für Diskussionen sorgt. Auch Historiker Tobias Picard hat dazu eine Meinung: "Die Mischung aus Nachschöpfungen und Neubauten, ist vielleicht fürs Erste gewöhnungsbedürftig, aber wenn man es mal genauer betrachtet und die Geschichte Revue passieren lässt, ist es ein Kompromiss, der vielleicht sogar gerade zu Frankfurt passt."

Denn: "Das Alte mit den Neuen verbinden" - Das ist das Stadtbild, das sich Frankfurt nach dem Krieg gegeben hat.

Bericht: Juliane Hipp

Sendung: Hauptsache Kultur, 22.02.2018, 22:45 Uhr