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zum Video Roboter, Smart Gadgets, Algorithmen – Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert

Künstliche Intelligenz boomt: Jede Woche kommen neue Programme, Roboter oder sogenannte "Smart Gadgets“ auf den Markt. Autos fahren bald, ohne dass jemand am Steuer sitzt, Roboter führen Operationen durch. Sie übernehmen Aufgaben, zu denen früher nur der Mensch fähig war – und machen das zum Teil sogar besser als wir selbst.

Ist die künstliche Intelligenz ein Segen, der unser Leben vereinfacht – oder eine Gefahr? Die Philosophin Manuela Lenzen will in ihrem Buch "Künstliche Intelligenz" beide Sichtweisen auf ein "Normalmaß" zurechtrücken und zeigen, was Künstliche Intelligenzen tatsächlich sind und was sie überhaupt leisten können.

Auch der Frankfurter Kunstverein will die abstrakte Welt der Algorithmen erfahrbar machen. In der Ausstellung „I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt“ werden die Zahlen und Codes in sichtbare Kunst verwandelt. Roboterarme malen hier Bilder – in verschiedenen Stilen. Es scheint, als hätten die Maschinen ein Bewusstsein.

Tiefgreifende Veränderungen

Sie stellen Diagnosen, managen den Aktienhandel oder lenken bald unsere Autos: Intelligente Maschinen sind auf dem Vormarsch. Übernehmen immer mehr Aufgaben, zu denen früher nur der Mensch fähig war: Was kommt da auf uns zu? Manuela Lenzen glaubt, dass es unser Leben tiefgreifend verändern werde.

Diese Veränderungen haben bereits begonnen. Manuela Lenzen ist Wissenschaftsjournalistin und befasst sich seit 15 Jahren mit Künstlicher Intelligenz. In ihrem neuen Buch zeigt sie, dass die intelligenten Computersysteme längst die Labore verlassen haben – und immer weiter in unseren Alltag vordringen: zum Beispiel in unsere Arbeitswelt. In der Logistik helfen selbstfahrende Maschinen dabei, Päckchen zu transportieren. Der Lagerarbeiter soll entlastet werden.

Technik, die den Menschen unterstützt?

In der Medizin können smarte Körperscanner Daten analysieren. Krankheiten werden so schon in früheren Stadien entdeckt. Der Computer erkennt kleinste Details viel früher als das ein Arzt könnte. Und selbst in der Landwirtschaft ist die neue Technik im Einsatz. Sie kann erkennen, wann Kühe krank sind – etwa dadurch, dass die Tiere sich anders im Stall verhalten. Technik, die den Menschen unterstützt und entlastet: Klingt doch alles erst mal prima, oder?

Manuela Lenzen hofft, dass man die Chance nutzt, Arbeitsplätze zu verbessern und nicht einfach nur effizienter zu machen. Sonst würde der Mensch nur noch zum billigen Ersatz der Maschine.

Warnung vor dem digitalen Prekariat

Schon jetzt warnen manche Experten vor einem digitalen Prekariat. Einer Klasse von Menschen, die keine sinnvolle Arbeit mehr haben wird. Ersetzt von Maschinen.

Manuela Lenzen ist gegen Panikmache. Doch die Technik müsse in gute Bahnen gelenkt werden. Vor allem, wenn Künstliche Intelligenz in unser Zuhause einzieht . Am Fraunhofer Institut in Darmstadt entstehen vernetzte Wohnungen für ältere Menschen. Damit diese möglichst lange zu Hause leben können. Sensoren im Teppich messen, wenn jemand hinfällt. Ein selbstlernendes Programm sendet dann ein Notsignal. Sogar die Bettdecke wird vernetzt. 

Für Komfort wird Persönliches preisgegeben

Intelligente Technik, die das Leben erleichtert – aber die uns auch kontrolliert. Denn für den Komfort müssen wir Persönliches preisgeben. Daten sind die Währung im digitalen Zeitalter. Durch sie können Maschinen überhaupt erst lernen. Muster erkennen, Voraussagen treffen. Wie gut ihnen das gelingt, zeigt eine Ausstellung im Frankfurter Kunstverein. Franziska Nori hat die neue Schau mit vorbereitet, die zeigen soll, wie Maschinen lernen – und wo sie sich vom Menschen unterscheiden.

Franziska Nori erklärt, dass die Künstlichen Intelligenzen völlig ohne moralischen Kriterien etwas wiedergeben, das sie vom Menschen beigebracht bekommen haben. Auch wenn die Maschinen sich menschenähnlich verhalten, Dinge wie Moral, Ethik und Bewusstsein können ihnen nicht einprogrammiert werden. Aber sie können unser Verhalten scannen und ableiten, welche Vorlieben wir haben. Was wir gerne einkaufen, welche Musik wir hören. Und darin sind sie sogar besser als der Mensch.

Fällen Menschen Urteile über uns?

Im Sammeln von Daten, in Mustererkennung, in Schnelligkeit, in der Auswertung von vielen fragmentarischen Daten seien Maschinen in der Tat besser, sagt Franziska Nori. Dafür seien sie hilfreiche Instrumente. Die Frage ist nur, in welchen Einsatzbereichen wir sie tatsächlich auch Entscheidungen treffen lassen möchten. Schon jetzt können Maschinen Menschen eindeutig erkennen. Doch was passiert, wenn die digitale Gesichtserkennung in die nächste Phase tritt – und Maschine Urteile über uns fällen?

Franzsika Nori denkt dabei an sogenannte intelligente Kriegsmaschinen, die Bilder auswerten von Nachtsichtgeräten oder Satelittenbildern mit einer Geschwindigkeit, die kein menschlicher Operator hinter einem Rechner erreichen könnte. Anhand welcher Kriterien solle dann eine Entscheidung gefällt werden, ob eine Kriegshandlung eingeleitet wird?

Sind das Zukunftsvisionen?

Alles düstere Zukunftsvision? Nein, so was Ähnliches ist schon passiert. 2013 kamen Hochzeitsgäste im Jemen bei einem Luftangriff ums Leben. US-Kampfdrohnen hatten die Autokolonne irrtümlich als Terroristen-Konvois identifiziert. Immer häufiger geben wir Entscheidungen aus der Hand, vertrauen sie Maschinen an. Zum Beispiel beim selbstfahrenden Auto, von dem erste Modelle bereits auf Teststrecken unterwegs sind.

Der nächste Schritt: humanoide Roboter. Daran wird an der TU Darmstadt geforscht. "Johnny“ soll in Zukunft selbständig in Krisengebieten arbeiten, zum Beispiel nach Atomunfällen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch was passiert eigentlich, wenn wir solche Maschinen eigenständig Entscheidungen fällen lassen?

Jetzt müssen die wichtigen Fragen geklärt werden

Manuela Lenzen: "Menschen neigen dazu, Maschinen und auch den Urteilen von Maschinen, den Ergebnissen von algorithmischen Berechnungsprozessen zu vertrauen. Und da muss man sich natürlich kritisch fragen, wo dieses Vertrauen angemessen ist und wo man es vielleicht nochmal hinterfragen sollte."

Künstliche Intelligenz zu verhindern, ist laut Manuela Lenzen weder möglich noch wünschenswert. Aber gerade weil die Intelligenten Maschinen immer weiter vordringen, müssen wir jetzt schon die wichtigen Fragen beantworten. Wo lassen wir Maschinen entscheiden, wo entscheiden wir? Und wer kontrolliert die Daten? Keine einfachen Antworten. Aber notwendig, damit Künstliche Intelligenz unser Leben wirklich bereichert.

Bericht: Simon Broll

Sendung: hr-fernsehen, "Hauptsache Kultur", 01.03.2018, 22:45 Uhr