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zum Video "Harry Potter", "Wickie" und "Die Schöne und das Biest" – wie die Rheingauer Film-Symphoniker Kin...

Musiker

Einmal in einem großen Orchester spielen – und dann auch noch Filmmusik. Davon träumen viele, die in ihrer Freizeit ein Instrument spielen. Bei den Rheingauer Film-Symphonikern ist das möglich.

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Konzerte

Rheingauer Film-Symphoniker
"Seemannsgarn und Kindheitsträume"

13.04.2019, 19:00 Uhr
kING Kultur- und Kongresshalle, Ingelheim

14.04.2019, 18:00 Uhr
hr-Sendesaal, Bertramstraße 8
60320 Frankfurt

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Ihr selbstproduzierte Werbeclip verrät es schon: Sie machen Kino für die Ohren, große Filmmusik – Harry Potter zum Beispiel. Für die Rheingauer Filmsymphoniker ist Harry Potter eine Herausforderung. Bis nicht nur Harry, sondern auch die Noten leicht davonfliegen, das dauert. Bei der Probe in Wiesbaden daher nur halbes Tempo – denn es sind Hobbymusiker, die diese  Musik erst knacken müssen. Sie ist eine der schwierigsten, die sich ein Orchester vornehmen kann.

Jeden Freitagabend büffeln sie Partituren, an die sich sonst nur Profis ran trauen. Warum?  "Ich bin Mama von zwei kleinen Kindern und ich sitze in diesem Orchester, weil die Musik einfach einem so viele Gänsehautmomente beschert, dass ich in meiner Freizeit gerne hier bin", erklärt die Projektmanagerin Miriam Sturm.

Bei Harry Potter beginnen die Noten jetzt tatsächlich zu fliegen. Genau wie Harry. Sogar genau aufs Bild – perfekt – wie in der Originalfilmszene.

"Das brauche ich sehr neben meinem Job"

John Williams Musik begeisterte hier von Anfang an zwar jeden, hat aber vor allem die Streicher zunächst nicht zu Höhenflügen animiert: "Das ist unser schwerstes Stück im Konzert, es sieht alles sehr dunkel aus und dunkel heißt schnell, und wenn man so weiter schaut, das geht ja noch, da wird das noch dunkler, und da üben wir gerade noch ganz fleißig, damit wir's bis zum Konzert gut hinbekommen", so Sturm.

"Ich arbeite an der Uni Mainz, kümmere mich um eine riesige Datenbank und spiele bei den Rheingauer Filmsymphonikern mit, weil es ein großartiges Schlagzeugteam ist", sagt Orchestermitglied Barbara Reichenbächer. Für ihre Kollegin Agnes Keller ist "Filmmusik sehr emotional, mit Liebe, vielleicht auch ein bisschen Gewalt, aber meistens auch irgendwo ein Witz, eine Ironie dabei und das brauche ich sehr neben meinem Job."

Rendezvous mit Darth Vader

Jeden Freitagabend und oft auch am Wochenende proben sie. Das ist Leidenschaft. Und was muss der Dirigent leisten? "Angstfreie Räume schaffen, das ist ein wesentlicher Punkt. Bei Laien ist es ja so, sie kommen freiwillig in die Probe und das darf man als Leiter nicht vergessen. Es gibt bestimmte Ansagen, die man dann in einem Modus treffen muss, der Vertrauen ausstrahlt", weiß der Leiter Rheingauer Filmsymphoniker, Jonathan Ganzow.

Seit fünf Jahren spielen sich die Rheingauer Filmsymphoniker nun schon durch alle Genres, Western, Science Fiction, Märchen, sie produzieren CDs, finanzieren Instrumente und die teuren Aufführungsrechte teilweise über Crowdfunding. Sie wissen sich eben zu helfen mit Ideen und Witz.

Patrick Rose zum Beispiel ist Krankenpfleger. Er erklärt sein Engagement: "Ich spiele hier in Wiesbaden, weil ich gerne mal mit Darth Vader ein Rendezvous haben wollte." Und der Maurer Markus Rose ist mit dabei, "weil zu dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe, war noch kein anderer Trompeter da." Und für Andreas Kovac ist klar: "Ich spiele sehr gern in diesem Orchester, weil Filmmusik sehr starke Gefühle vermittelt und sehr rhythmisch ist und es gibt immer wieder schönes Solo für die Celli!"

"Das ist ein ganz toller Klangkörper"

Die etwas stärkeren Musiker ziehen die, die noch nicht so lange dabei sind, einfach mit. Auch das gehört zu den Geheimnissen des Orchesters. Peter Schmitt, leibhaftiger Filmmusikkomponist aus Offenbach, aus dessen Feder die Musik von Käpt‘n Blaubär stammt.  Er ist dabei, um die richtigen Musikeinsätze mit zu üben.  Im Gegensatz zu echten Profis strahlen diese Musiker für ihn einen ganz besonderen Zauber aus.

"Ich habe jetzt auch schon einige Probenphasen hier von dem Orchester mitbekommen und habe ein großes Vertrauen, dass dies ein wunderbares Konzert wird und die Höchstleistungen bringen. Das ist ein ganz toller Klangkörper, unglaublich engagiert, nicht zu routiniert und dafür auch gerade für Musik wie Blaubär auch viel offener im Zugang", meint er.

Selber machen ist "ein anderes Ding"

"Seemannsgarn und Kindheitsträume" – das aktuelle Programm umfasst diesmal Filmmusik aus über 50 Jahren Filmgeschichte. Wer hier mitspielt, muss also offen sein für viele Stilrichtungen. Aber das fällt bei dieser Musik ja auch nicht schwer.  Kommen Ihnen da nicht auch die passenden Bilder in den Kopf?  

Bei "Wickie" werden selbst starke Männer schwach. "Wickie, mit groß geworden, das ist auf jeden Fall ein Held meiner Kindheit", sagt Patrick Rose. Und Markus Rose fügt hinzu: "Drin zu sitzen ist auch was ganz anderes, als das vorm Fernseher anzuhören und anzusehen. Wenn man selbst drin ist und die Musik selbst macht, ist das ein anderes Ding, nochmal viel intensiver."

Bericht: Dorothee Ott

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 11.04.2019, 22:45 Uhr