In der dunklen Halle flackern 1.300 Bildschirme, aus den Kopfhörern der Gamer dringen Geräusche. Der Medien-Suchtberater Christian Tuhacek ist mittendrin in einer der größten LAN-Partys Deutschlands. Auch er zockt gerne mal Computerspiele - aber hier ist er vor allem aus beruflichem Interesse.

“Ich denke, ich sollte die Welt kennen, in der ich mich als Suchtberater bewege“, sagt er. Die Faszination von Online-Spielen wird hier erlebbar. Doch wo ist die Grenze zur Abhängigkeit? Vor Kurzem erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Online-Spielsucht offiziell zur Krankheit. Der 32-Jährige Tuhacek arbeitet seit einem Jahr als Suchberater bei „Real Life“, einem Projekt des Diakonischen Werks in Kassel.

Viele seiner Klienten sind spielsüchtig, so wie der 18-jährige Luca. Während seiner Schulzeit wurde er gemobbt, flüchtete davor immer mehr in die virtuelle Welt. Sein Leben bestand schließlich nur noch aus Computerspielen: „20 Stunden vom Tag gezockt, vier Stunden Schlaf. Und das monatelang“, so beschreibt er es. Nun möchte Luca ins reale Leben zurück finden - eine Therapie bei Christian Tuhacek soll ihm dabei helfen.

Der Suchtberater bekommt immer mehr Anfragen – auch zum richtigen Umgang mit dem Smartphone, ein Dauerthema in Familien und Schulen. Deshalb hält Christian Tuhacek Workshops in Sachen Medienkompetenz für Lehrer und Schüler. Der Bedarf ist riesig. 90 Prozent aller Zwölfjährigen besitzen bereits ein Smartphone. Und die Lehrer haben ein Defizit: Sie sind nicht ausgebildet im Bereich Mediennutzung. Hinzu kommen – auch schon unter Schülern - Cybermobbing und Hass im Netz. Christian Tuhacek hat also jede Menge zu tun. Die „Hessenreporter“-Autoren Babette Hnup und Matthias Sdun haben den Suchtberater ein Jahr lang mit der Kamera begleitet.

Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 20.01.2019, 18:30 Uhr