Christian Hild ist eigentlich Dachdecker und hat einen Betrieb in Eltville. Doch wenn er und seine beiden Mitarbeiter auf dem Gerüst eines Hauses stehen und plötzlich der Melder piepst, lassen sie alles stehen und liegen, denn dann ist Alarm für die freiwillige Feuerwehr.

Mit dem Werkstattbus fahren die drei ehrenamtlichen Feuerwehrmänner eilig zur Wache, die Baustelle muss warten. Feuer in einer Wohnung, lautet der Notruf. Schnell springen sie in ihre Feuerwehrkleidung. Doch sie können noch nicht los. Laut Vorschrift müssen bei einem Einsatz mindestens acht Mann mitmachen. Das scheint diesmal nicht zu klappen. „Die Winzer ernten gerade“, meint Christian Hild, „die werden nicht kommen.“ Überhaupt - die meisten freiwilligen Feuerwehrleute arbeiten tagsüber. „Ein Glücksfall, wenn wir überhaupt mal vollzählig sind“, sagt Hild.

Der Schlosser Johannes Meth kommt, er konnte seine Arbeit abbrechen. Schließlich sind sie zu sechst, Löschwagen und Drehleiter werden besetzt, dann geht’s los. Zur Sicherheit werden auch noch die Feuerwehren der anderen Stadtteile von Eltville alarmiert. Denn am Einsatzort zählt jeder. Laut Stadtbrandinspektor Hans Peter Korn fehlen der Stadt Eltville sechzig freiwillige Helfer. Zwar versuchen sie mit Kinder- und Jugendfeuerwehr Nachwuchs zu gewinnen. „Doch die Kids haben heute andere Interessen“, sagt Hans-Peter Korn. Im vorigen Jahr hatten sie nur einen einzigen Neuzugang.

Die Stadt kämpft um jede helfende Hand, lockt mit Freikarten für das Schwimmbad, gibt Ermäßigungen bei Gebühren. „Wenn wir nicht genügend Nachwuchs bekommen, müssen wir langfristig Mitarbeiter im Rathaus zwangsverpflichten“, sagt Bürgermeister Patrick Kunkel, „wir müssen den Schutz der Bevölkerung garantieren.“ Stadt und Feuerwehr haben sich viele neue Ideen einfallen lassen, wie sie Menschen für das Ehrenamt Feuerwehr begeistern können. Sie werben mit Kabarett und einem lustigen Entenlauf-Wettbewerb, wollen so Menschen anlocken und dabei zeigen, wie wichtig eine freiwillige Feuerwehr ist. Funktioniert diese Strategie? Der Videojournalist Andreas Graf hat die Helferinnen und Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Eltville ein Jahr lang begleitet, bei Einsätzen, bei der täglichen Arbeit und bei dem Versuch, neue Mitglieder zu gewinnen.

Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 26.03.2019, 21:45 Uhr