In der Adventszeit ist der Teufel los. Ein Groß-Gottesdienst reiht sich an den anderen. Weihnachtsbazar und Krippe wollen in der Frankfurter Nikolaikirche aufgebaut werden. Die Kirche soll von morgens bis abends offen stehen, ohne dass sakrale Gegenstände abhandenkommen.

Fast alle Gruppen der Sankt-Pauls-Gemeinde veranstalten von früh bis spät Weihnachtliches. Die Kirche ist proppenvoll mit Gemeindemitgliedern. Und dann kommen noch jede Menge Besucher des nahen Weihnachtsmarktes. Manche verspüren das Bedürfnis zur Einkehr. Andere wollen ihre Maronen lieber im Sitzen essen. Sie krümeln das Gotteshaus voll und verkleckern pappigen Glühwein. Und einige wollen ihren Rausch ausschlafen.

„Ist den Leuten nichts mehr heilig?“ fragt sich Küster Carsten Schwöbel. Kirchendiener Schwöbel hat alle Hände voll zu tun, etwa den Riesenadventskranz artistisch ins Dachgebälk hängen. Es gibt vielerlei zu organisieren und zu reparieren. Handwerker wollen betreut werden. Und dann noch interessierte Touristen, die kulturhistorische Details erfragen. Gleichzeitig muss die Kirche bewacht werden. Bei den festlichen Adventsgottesdiensten ist Schwöbel verantwortlich, dass grundsätzlich jeder reinkommt, betrunkene Randalierer aber draußen bleiben.

Der studierte Sozialpädagoge Schwöbel ist seit zwanzig Jahren hauptamtlicher Küster. Wenn Menschen dem Gotteshaus keinen Respekt entgegen bringen, endet für ihn der Spaß. Doch beim abendlichen Singen von Weihnachtsliedern in der Nikolaikirche gehen ihm Herz und Seele auf. Dann weiß Carsten Schwöbel, dass er einen schönen Beruf hat - im Dienste des Herrn.

Sendung: hr-fernsehen, hessenreporter, 16.12.2018, 18:30 Uhr