Schon heute sind in Hessen 155 Hausarztstellen offen. Wenn man bedenkt, dass nur acht Prozent der Medizinstudenten sich in der Allgemeinmedizin ausbilden lassen, dann ist klar: In den nächsten Jahren gehen in Hessen die Hausärzte aus.

Besonders in ländlichen Regionen ist das Problem akut, denn infrastrukturelle Schwächen und Schwierigkeiten bei der Gewinnung von ärztlichem Nachwuchs gehen Hand in Hand. Mit innovativen Ideen und viel Geld will das Land Hessen dem gegensteuern: Mit knapp fünf Millionen Euro werden Gemeindeschwestern 2.0, Landarztansiedlung und Telemedizin gefördert. Die Kassenärztliche Vereinigung fordert finanzielle Kompensationen für Hausärzte auf dem Land ein, im Medibus wird demnächst ein Arzt mit einer rollenden Praxis in Nordhessen unterwegs sein, Stipendien sollen Medizinstudenten aufs Land locken und Gesundheits-Versorgungs-Zentren (GVZ) die Engpässe lösen.

Werden so attraktivere Arbeitszeiten möglich? Denn kaum jemand möchte noch 12 bis 14 Stunden am Tag arbeiten und rund um die Uhr in Bereitschaft sein wie der Landarzt alter Prägung. Welche Konzepte gibt es sonst, die eine gute Versorgung sicherstellen, aber die Ärzte nicht überfordern? In Oberzent im Odenwald wird das Modell des GVZ getestet – jedoch ist der Weg zur Inbetriebnahme des Gesundheitszentrums beschwerlich, vor allem die Suche nach einem Hausarzt, der sich auf dem Land niederlassen möchte, dauert und dauert. Im Vogelsbergkreis werden Medizinstudenten mit Stipendien angelockt: Sie müssen sich verpflichten, sich nach der Facharztausbildung in der Region mindestens drei Jahre lang niederzulassen.

Können dadurch wirklich zukünftige Mediziner aus der Stadt aufs Land gelockt werden, oder nutzen nur jene jungen Menschen dieses Angebot, die sowieso schon ihre Zukunft auf dem Land sehen, weil es auch ihre Heimat ist? Und was ist mit der Telemedizin? Denn zurzeit haben nur 33,8 Prozemt der Haushalte auf dem Land in Hessen die Internetkapazität, die E-Health - medizinische Sprechstunden via Video-Schalte - ermöglicht. Das Klinikum Kassel nutzt aber diese Möglichkeit schon und versorgt über Leitung zehn kleinere Krankenhäuser aus der Region mit kompetenter Beratung bei Schlaganfallpatienten. Das passiert im Durchschnitt 25 bis 30 Mal im Monat. Auch Ärzte könnten bald online Behandlungen durchführen, wenn die bürokratischen Hindernisse behoben sind.

Einen Vorgeschmack darauf bieten die sogenannten VeraHs schon heute. Die Versorgungs-Assistenten in der Hausarztpraxis übernehmen die Betreuung von chronisch Kranken, die nicht regelmäßig persönlich in die Arztpraxis kommen können. Die Gemeinde Schenklengsfeld im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geht sogar noch weiter: Die VeraHs stehen in Kontakt mit einem Ortsteil-Kümmerer, der im Bedarfsfall ältere oder einsame Einwohner betreuen würde, bevor sie aus lauter Überforderung im Alltag durch Unfälle erkranken.

Was ist dran an dieser Netzwerkidee? Neben konkreten Lösungsversuchen schaut der Hessen-Check auch auf die jüngsten Zahlen rund um das Thema.

Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 05.05.2018, 21:00 Uhr