Julia Schwarzenböck kommt seit elf Jahren ins Jobcenter Wetzlar. So lange bezieht sie „Hartz IV“. Seit ihre Tochter geboren wurde, hat sie nicht mehr gearbeitet. Als sie beim Jobcenter Termine nicht wahrnahm, wurde das Geld gekürzt. Dafür hat Frau Schwarzenböck im Nachhinein Verständnis: "Wir wollen was haben. Da müssen wir unseren Hintern hochkriegen. Sonst darf man auch nicht viel erwarten".

Julia Sachwarzenböck lebt mit Tochter und arbeitslosem Freund zusammen. Das Geld vom Amt reiche fürs Leben, sagt sie. Münzen, die beim Einkauf übrigbleiben, kommen ins Sparschwein. Das reicht, um ein paarmal im Jahr übers Wochenende zu Konzerten zu reisen. Die 33 Jahre alte Frau will beruflich neu anfangen. Sie hat Hauptschulabschluss, aber keine Berufsausbildung. Nicht einfach für Langzeitarbeitslose. "Keiner will mich", sagt sie. Was müssen Hartz IV- Empfänger tun, um aus der Arbeitslosigkeit zu kommen?

"Hessenreporter"-Autorin Silke Kujas sucht im Jobcenter Wetzlar nach Antworten. Sie begleitet drei Menschen bei ihren Bemühungen, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Der junge Syrer Adülaziz Hallak ist hoch motiviert. Er will nicht vom Geld des Jobcenters leben. Der anerkannte Geflüchtete machte in Syrien einen Schulabschluss, der in Deutschland nicht anerkannt wird. Hallak hat keinen Beruf gelernt. Der 31 Jahre alte Mann absolviert eine viermonatige Fortbildung zur "Fachkraft für Lagerlogistik". Er büffelt Theorie und lernt in einem Praktikum die Praxis mit Lager und Gabelstapler.

Frau A., 41 Jahre alt, ist alleinstehend. Auch sie hat weder Schulabschluss noch abgeschlossene Berufsausbildung. Frau A. hat schon diverse Fortbildungen begonnen und abgebrochen. Das letzte Mal arbeitete sie vor acht Jahren. Sie bewirbt sich, aber es hagelt nur Absagen. "Die meisten Arbeitgeber wollen mich nicht einmal kennenlernen", sagt sie. Doch ihr Handeln gegenüber Jobcenter und Arbeitgebern wirft Fragen auf.