Als Bijan Kaffenberger bei der Landtagswahl den Wahlkreis „Darmstadt II“ gegen eine ehemalige CDU-Ministerin gewann, war das eine kleine Sensation. Vor den Mikrofonen stand ein weithin unbekannter junger Mann, der so gar nicht dem Bild eines Politikers entsprach - ein junger Mann, der gleichwohl sofort auffällt.

Kaffenberger zuckt immer wieder unkontrolliert und kommt seinem Gegenüber oft sehr nahe. Zugleich ist er charmant und nie um einen schlauen Spruch verlegen. Bijan Kaffenberger leidet am „Tourette-Syndrom“, einer angeborenen Krankheit des Nervensystems. Aufgefallen ist Kaffenberger schon während der Kindheit im Odenwald. Damals beschloss er, seine Krankheit zu akzeptieren und den Zuckungen ein Schnippchen zu schlagen. Mit Intelligenz und guten Ideen war er bald ein respektierter Schüler. Nach dem Abitur studierte Kaffenberger Volkswirtschaft und startete seinen eigenen Youtube Kanal, um mit Vorurteilen gegenüber Tourette-Kranken aufzuräumen. Mit 18 Jahren trat Kaffenberger in die SPD ein.

Bijan Kaffenberger hält seine erste Rede im Hessischen Landtag

Heute steckt seine Partei in der Krise. Doch gerade das spornt den jungen Abgeordneten an. Unermüdlich unterwegs und immer aktiv in den sozialen Medien möchte er mit anderen jungen Politikern für einen Neuanfang stehen. Das kommt vor allem bei jungen Menschen an, die seinen authentischen Politikstil schätzen.

hr-Autor Christian Gropper begleitete den jungen Abgeordneten während seines ersten halben Jahres im hessischen Landtag und erlebte dabei einen Politiker, der in der SPD als große Hoffnung gilt. Immer wieder stellen sich die Fragen: Wie geht Kaffenberger mit seiner Krankheit um, wie wird er damit wahrgenommen, und wie beeinflusst sie seine Arbeit als Politiker?

Bijan Kaffenberger wurde begleitet bei seiner ersten Rede im Landtag, seinen Besuchen im Landkreis, vor Jugendlichen in einer Schule oder auch beim gemeinsamen Wahlkampf mit dem Juso- Vorsitzenden Kevin Kühnert. Auch privat ließ sich Kaffenberger über die Schulter blicken: beim Besuch der Großmutter, die ihn großgezogen hat, wie auch bei seiner neuen Leidenschaft, dem Theaterspielen.

Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 11.08.2019 um 18:30 Uhr