Ein paar Wochen hat Sergeij schon abgesessen, als er Besuch von Christian Irion bekommt. Der Sozialarbeiter der Haftentlassenenhilfe Frankfurt macht dem Gefangenen einen Vorschlag: Im Projekt Schöne Aussicht kann er seine Strafe abarbeiten, ohne Gitter, in Freiheit. Einen Platz zum Wohnen gibt es dazu. Wird er das Angebot annehmen?

Da ist Marco schon weiter: In der Naxos-Halle, Kulturprojekt mitten in Frankfurt, packt er an, stapelt Kartons mit Material für die Malkurse, räumt auf, wenn die vorbei sind. Er hat seine gemeinnützige Arbeit schon fast hinter sich – und Angst vor der Zeit danach. Denn seine kleine Wohnung gehört zum Projekt; er fürchtet, sie zu verlieren, wenn seine Strafarbeit erledigt ist. Und auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt hat einer wie er keine Chance.

Etwa 5.000 Gefangene pro Jahr sitzen in deutschen Gefängnissen eine so genannte Ersatzfreiheitsstrafe ab. Ein Gericht hat sie wegen eines kleinen Delikts nicht zu Haft, sondern zu einer Geldstrafe verurteilt, Ladendiebstahl, Körperverletzung, Drogenbesitz und vor allem Beförderungserschleichung – Schwarzfahren. Das Angebot, die Strafe in Raten zu zahlen, nützt vielen nichts: Wer auf Hartz IV angewiesen ist, hat kein Geld übrig. So landen Arme oft hinter Gittern.

Der "hessenreporter" begleitet den Sozialarbeiter Christian Irion und dessen Schützling Marco bei seinem Bemühen, wieder gesellschaftlich Fuß zu fassen. Wird es ihm gelingen, den Teufelskreis von Wohnungslosigkeit, Delikten und Gefängnis hinter sich zu lassen?


Eine Reportage von Burkhard Plemper
Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 29.03.2020, 18:30 Uhr