Johannes Lang und Kersten Hänel sind wieder einmal in der Arktis. Sie wollen Schneeeulen mit Netzen fangen, um sie markieren zu können. Polarfüchse versuchen sie mit Sendern auszustatten, um mehr über ihr Leben zu erfahren. Der Wildbiologe Lang aus dem hessischen Lich und der Vogelkundler Hänel von der Uni Kassel gehören zum Team der Grönland-Expedition – auf den Spuren des Klimawandels.

Seit 30 Jahren läuft das Projekt schon, so dass an vielen kleinen Details die Auswirkungen der Erwärmung sichtbar werden. Am bedrohlichsten für die Forscher: Der Lebensraum für die Eisbären wird im Packeis knapp. Ohne Gewehr geht längst keiner der Forscher mehr auf Tour auf der Insel Traill, denn seit Jahren steigt im Sommer die Zahl der Zusammentreffen mit Eisbären an. Das war früher eher die Ausnahme. Aber die Winter werden durch die Veränderungen des Klimas immer kürzer, das Eis schmilzt, den Eisbären bleibt nichts anderes übrig, als zu wandern.

Die Zelte werden inzwischen nachts mit doppelten Elektrozäunen gesichert, Tagesexpeditionen ohne Gewehr über die Insel sind zu riskant geworden. Die kleine Hütte noch aus Trapperzeiten wird von den großen Tieren regelmäßig geräubert. Was wartet dieses Mal auf die Expedition? Gefahren oder interessante Entdeckungen – oder vielleicht beides? Rein wissenschaftlich sind es eher die kleinen Tiere, die die Veränderungen sichtbar machen.

Lemminge lebten während der langen Winter sicher vor Feinden wie Schneeeule, Fuchs und Raubmöwe unter der Schneedecke und vermehrten sich munter. Einzig das Hermelin wird ihnen gefährlich. Doch der Schnee schmilzt nun Wochen früher, die anderen Räuber kommen früher zum Zug, die Lemmingpopulation wird ständig kleiner - und damit nach und nach auch die Zahl der Schneeeulen und anderen Beutegreifer, die von ihnen leben. Alles gerät durcheinander.

Die gleiche klimatische Entwicklung, die Eisbären zu schaffen macht, verändert den kompletten Lebensraum der ansonsten unberührten arktischen Landschaft. Angesichts dieser Tatsache werden die ganze Dramatik und ihre Folgen der menschgemachten Veränderungen viel klarer. Die Forschergruppe sammelt akribisch die Belege dafür. Werden sie Erfolg haben, so dass sich die ganze Plackerei lohnt? Mühsam müssen sie alles mit dem Kleinflugzeug in die Arktis transportieren. Viel können sie nicht mitnehmen. Gut aufpassen müssen sie auf jeden Fall.

Wird es ihnen gelingen, ihr Programm durchzuziehen? Spielt das Wetter mit? Haben sie Glück und treffen auch auf früher markierte Tiere? Hessenreporter Eckhard Braun begibt sich mit auf die Expedition – nachdem er vorher die Frankfurter Polarpostsammler besucht hat, die durch ihre Sammelfreudigkeit einen kleinen Teil zur Finanzierung der Expedition beitragen. Warum tun sie das? Was bringt ihnen ein Brief aus der grönländischen Poststation? Und wird er dieses Mal überhaupt ankommen?

Sendung: hr-fernsehen, hessenreporter, 21.12.2018, 21:45 Uhr