Vereine der Arbeiterwohlfahrt in Südhessen sind in millionenteure Skandale verwickelt: Vetternwirtschaft, Taschen füllen, Luxusautos. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Funktionäre wurden gefeuert. Dabei genießt die Arbeit von Vereinen und Verbänden grundsätzlich einen guten Ruf, das Ehrenamt steht gesellschaftlich hoch im Kurs.

Wenn Vereine sich auch noch neudeutsch „Non-governmental Organization“ (NGO) nennen, wirken sie oft seriöser als Behörden. Seit es vor 120 Jahren in Deutschland möglich wurde, mit geringem Aufwand einen unabhängigen Rechtsträger zu gründen, ist ein dichtes Vereinswesen gewachsen.

Allein in Hessen sind mehr als 50.000 Vereine registriert. Die Vereinslandschaft gibt der deutschen Gesellschaft eine nicht- staatliche, bürgerliche Struktur. Es sind aber auch Vereinsgruppen und Konzerne mit kommerziellen Tochtergesellschaften unter Vereinsdächern entstanden.

Der Deutsche Fußballbund in Frankfurt am Main steht aktuell im Verdacht, als gemeinnütziger Verein kommerzielle Geschäfte eingefädelt zu haben, die eigentlich steuerpflichtig sind. In großen Vereinen und Verbänden bestimmen hauptamtliche Funktionäre. Vielfach legen Mitglieder keinen Wert auf Kontrolle oder können die Verhältnisse im eigenen Verein nicht mehr durchschauen. Nicht selten gilt Kontrolle auch als Zeichen von Misstrauen, das man im eigenen Verband nicht wünscht.

Die Autoren Erika Becker und Volker Siefert haben sich ins Dickicht des deutschen Vereinswesens begeben, um herauszufinden: Was läuft im deutschen Vereinswesen aus dem Ruder? Welche Lehren sind aus dem AWO- Skandal zu ziehen?

Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 10.12.2020, 21:45 Uhr