Horst Grüning blutet das Herz: Seine schöne, fast fünfzig Jahre alte Pappel soll heute weg. Der stolze dreißig Meter hohe Baum ist zu einer Gefahr geworden. Grüning hat bei jedem Sturm gezittert und gehofft, dass der Baum standhält und nicht auf eines der umliegenden Häuser fällt.

Das Wetter habe sich so verändert, sagt er, die Winde seien stärker geworden, so dass er jetzt handeln müsse, bevor es zu einer Katastrophe komme. Er hat Wolfgang Kersten beauftragt, die Pappel zu fällen. Ein schwieriger Job, der Baum steht mitten im Wohngebiet. Einfach absägen geht nicht, ein Kranwagen mit Säge und Greifarmen muss den Tonnen schweren Baum Stück für Stück abtragen. Mit bangen Blicken schauen die Schwalbacher zu, wie sich Baumexperte Kersten mit schwerem Gerät an die Arbeit macht.

Wolfgang Kersten erfährt bei seiner täglichen Arbeit immer wieder, wie stark die emotionale Bindung zwischen den Bewohnern und ihren Bäumen ist. Wenn er kommt und Bäume fällen muss, wird er häufig angefeindet. Auch er liebt Bäume, weiß, wie wichtig sie für das Klima und das Wohlbefinden sind. Er tut alles, um sie zu erhalten - egal ob im Schlosspark von Wiesbaden, in Taunusstädten oder an Verkehrsknotenpunkten in Frankfurt. So gehört auch Schädlingsbekämpfung zu seinem Tagesgeschäft, wie die Beseitigung des Eichenprozessionsspinners, der beim Menschen gefährliche Allergien auslösen kann und die Bäume schwächt. Kersten und sein Team müssen mit Atemmaske und luftdicht abgeschlossen in Overalls in die befallenen Bäume steigen, um die Schädlingsnester auszuräuchern.

Anderntags werden sie in den Biebricher Schlosspark gerufen: Ein Baum ist morsch und soll gefällt werden. Doch zunächst muss der Baumexperte einen Biologen zu Rate ziehen, denn Fledermäuse, Käfer, nistende Vögel oder Siebenschläfer könnten im Baum wohnen und müssten dann zunächst umgesiedelt werden. Viel Arbeit in einer Zeit, in der Klimawandel und Ausbreitung städtischer Infrastruktur der Natur zu schaffen machen.

Sendung: hr-fernsehen, "hessenreporter", 17.03.2019, 18:30 Uhr