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Ein Mann zahlt mit seiner Karte an einem Lesegerät ohne seine Karte einzustecken

In Zeiten der Corona-Pandemie hat das kontaktlose Bezahlen Hochkonjunktur. Immer mehr Geschäfte rüsten jetzt auf. Dabei geht von Banknoten soweit man weiß gar kein erhöhtes Infektionsrisiko aus. Mex recherchiert, was Mobile Payment bringt und was es kostet.

Seine insgesamt sechs Filialen hat der Bäckereimeister Bernd Braun schon vor zwei Jahren für das kontaktlose Bezahlen aufgerüstet. Damals haben nur wenige bei ihm mit Karte bezahlt. Aktuell ist es fast jeder dritte Kunde. Wenn es nach ihm geht, könnte er auf das Bargeld auch ganz verzichten: "Das ist auch noch auf der negativen Seite zu verbuchen, dass wir sehr viel Hartgeld auf die Bank bringen müssen, nach wie vor 1-und 2-Euro-Stücke von denen ich liebend gerne weg kommen würde. Ich schleppe das wirklich in Eimern hin, schütte das dort in den Zählautomat, das kostet Zeit - und Gebühren."

So laufen bei ihm jeden Monat im Schnitt 260 Euro Bargeld-Kosten auf. Die Kosten für die bargeldlose Bezahlung liegen ähnlich hoch, bei rund 270 Euro. Darin enthalten ist die Miete für die Kartenlesegeräte. Und pro Zahlung fällt 1 Cent Transaktionskosten an. Trotzdem ist das bargeldlose Bezahlen für Bernd Braun unter dem Strich profitabler. Denn wer die Karte zücke, kaufe mehr, meint Braun.

Limit erhöht

Immer mehr Geschäfte rüsten jetzt auf. Unter anderem die Bäckerei Eifler in Frankfurt. Hier können die Kunden seit gut zwei Wochen sogar per Handy ihre Brötchen bezahlen, über Dienste wie Apple Pay und Google Pay. Allerdings ist Bargeld nicht unhygienischer als andere Gebrauchsgegenstände. Das predigen Virologen und Behörden seit Wochen. Zitat der Bundesbank:

"Von Banknoten und Münzen geht kein besonderes Infektionsrisiko für den Bürger aus."

Trotzdem empfehlen viele Händler die Kartennutzung. Die Kreditwirtschaft hat das Limit für das kontaktlose Bezahlen mit der EC-Karte heraufgesetzt: Statt 25 Euro sind es jetzt 50 Euro pro Einkauf, das heißt ohne eine Pin-Nummer eingeben zu müssen.

Für die Kunden gibt es das aber oft nicht zum Nulltarif, im Gegenteil. Etliche Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen verlangen Extragebühren, es droht die Kostenfalle. Das hat vor kurzem das Finanzportal Biallo herausgearbeitet. Horst Biallo und sein Team waren überrascht: "Wir kannten diese Gebühren auch nicht, das war für uns total neu. Wir sind, auch nur durch einen Zufall darauf gestoßen, weil wir das auf der Webseite einer Bank gefunden haben. So sind wir auf über 800 Banken gekommen, knapp die Hälfte hat das. Und ich denke die restlichen 400 haben das auch.“

Auf das Konto kommt es an

Auf den Internetseiten der Banken ist die Gebühr meistens in der Rubrik "Beleglose Aufträge" zu finden. Für jede einzelne, kontaktlose Zahlung mit der Girocard werden die Kunden zur Kasse gebeten.

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Mit 60 Cent besonders hoch ist die Gebühr bei der Raiffeisenbank Fuldaer Land und nördliche Bergstraße. Die teuersten Sparkassen liegen bei 50 bzw. 45 Cent in Kassel und Bad Hersfeld. Die Frankfurter Sparkasse verlangt 35 Cent, die Frankfurter Volksbank 8 Cent. Bei insgesamt 35 untersuchten Kreditinstituten liegt die Durchschnittsgebühr bei 33 Cent.

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Ob der Kunde extra zahlen muss, hängt immer von seinem Kontotyp ab. Biallo erklärt: "Wenn er ein teures Konto, ein so genanntes Premium- oder Pauschalkonto für 8 Euro oder aufwärts hat, dann wird er diese Gebühren nicht bezahlen. Hat er aber ein ganz einfaches Filial- oder ein Online-Konto, was meistens so unter 5 Euro kostet, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Gebühr bezahlen, schon bald bei 50 Prozent."

Da können Besucher der Wochenmärkte in Hessen nur mit den Achseln zucken. Denn hier gilt: nur Bares ist Wahres. Wer Obst und Gemüse kaufen will, muss Münzen oder Scheine dabei haben. Doch selbst der Wochenmarkt als eine der letzten Bargeld-Bastionen bröckelt langsam. Beispiel Bad Nauheim. Mehrere Händler haben sich hier schon Angebote von Zahlungsdienstleistern eingeholt. Dazu gehört die Gärtnerei Jung, die sich aber gegen das Digital-Geld entschieden hat – vorerst.

Der Druck der Kunden steigt

Thomas Jung sagt: "Bei uns kommen relativ viele Kleinbeträge, 3,20 Euro, 2,45 Euro und wenn dann noch mit Karte bezahlt wird und dann noch die Gebühren bezahlt werden müssen, dann bleibt eigentlich nichts mehr übrig. Es lohnt sich eigentlich erst ab 20, 30 Euro."

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Doch der Druck der Kunden steigt. Hans-Jürgen Braunsdorff vom Landesverband der Markthändler ist gerade auf kleiner Werbetour unterwegs. Viele seiner Kollegen hätten noch Nachholbedarf beim digitalen Bezahlen: "Langfristig auf die nächsten 5 Jahre gesehen wird man da wohl nicht vorbei kommen."

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Das Mex-Fazit

Klar ist: Die Corona-Krise hat dem bargeldlosen Bezahlen einen Extra-Schub gegeben, die Händler stehen mehr denn je unter Zugzwang.

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