Bedürftige stehen bei der Offenbacher Tafel an.

Immer mehr Rentner haben wenig Geld, und müssen zur Tafel gehen. Ohne die Spenden und viele ehrenamtliche Helfer, gebe es sie nicht. Wen trifft die Armut am stärksten, wer hilft bei den Tafeln und wer spendet?

Von Jahr zu Jahr kommen mehr bedürftige Menschen, um Essen umsonst zu bekommen. Mex ist unterwegs mit der Tafel Offenbach: Wolfgang Stoppel ist Fahrer für die Tafel, ehrenamtlich. Sein Dienst beginnt um kurz vor acht und er fährt bis zu 16 Stationen an um Spenden für die Tafeln zu abzuholen: "Ich war 50 Jahre lang berufstätig und habe immer Glück gehabt mit meinen Jobs und hab auch immer so viel verdient, dass ich im Alter keine Sorgen habe. Ich wollte aber etwas tun, um der Not Abhilfe zu schaffen und da kam mir die Tafel gerade recht."

Supermärkte und Discounter spenden für die Tafel, zum Beispiel Rewe. Riesige Mengen Lebensmittel fallen an, die nicht mehr verkauft werden können, obwohl sie noch genießbar sind. Wolfgang Stoppel verstaut an einem Tag rund 45 Kisten in den Transporter, das ist eine halbe Tonne im Schnitt.

Die Bäckerei Mansi hat sich vor einem halben Jahr freiwillig gemeldet, um für die Tafel zu spenden. Iris Hardies, Mitarbeiterin der Bäckerei Mansi, sagt: "Ich finde es toll, dass man anderen helfen kann. Ich wäre froh, wenn ich in einer Notsituation wäre und man mir dann auch vielleicht helfen könnte."

Tafeln haben Nachwuchssorgen

Um zwölf Uhr mittags liefert Wolgang Stoppel die Spenden aus in den drei Ausgabestellen der Tafel Offenbach. Christine Sparr ist die Leiterin. Sie engagiert sich bei der Tafel seit 15 Jahren. Seitdem hat sich viel verändert: der Anteil armer Menschen ist gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent. Dagegen stagnieren die Mengen an Spenden. Mittlerweile verkaufen Supermarktketten und Discounter ihre Lebensmittel kurz vor dem Ablaufdatum selbst. Und sie haben nicht immer alles im Sortiment. Sparr meint, immer Mangelware sei Obst und Gemüse.

Und noch ein Problem: Viele Tafeln in Deutschland haben Nachwuchssorgen. Die ehrenamtlichen Helfer sind im Durchschnitt 65 und bräuchten dringend Unterstützung von jüngeren. Denn vor den Toren der Ausgabestellen warten oft bis zu 300 Menschen auf eine Lebensmittelration für eine Woche.

Armut hat viele Biografien: Da ist der selbstständige Architekt, der durch einen Tumor arbeitsunfähig wurde, die Uni-Dozentin, deren Honorare zum Überleben nicht reichen. Sie alle bekommen Nummern, nach denen sie aufgerufen werden, um Nahrungsmittel für insgesamt einen Euro zu bekommen.

Spenden werden weniger

Senioren sind am härtesten von Armut betroffen: Die Zahl der Rentner unter den Tafelkunden ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent gestiegen. Auch hier in Offenbach treffen wir vorwiegend Senioren. Zum Beispiel Heidi Döllinger: Sie ist schon 73 und arbeitet noch immer, pflegt eine ältere Dame. Für sie holt sie regelmäßig Essen von der Tafel. So ist die Tafel für viele Rentner die letzte Rettung, aber auch der Anteil von Kindern, Jugendlichen und Alleinerziehenden ist stark gewachsen. 25400 Kinder leben in Familien, die von den hessischen Tafeln unterstützt werden müssen.

Das Mex-Fazit: Armut nimmt von Jahr zu Jahr zu. Dagegen werden Spenden weniger. Frankreich hat eine Lösung dafür, wir noch nicht. Und das, obwohl noch immer viel zu viel einfach weggeworfen wird.

Autorin: Katrin Wegner