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zum Video Ausweg - Wie Langzeitarbeitslose wieder Arbeit finden

Jobcenter (Sujetbild)

Für Langzeit-Arbeitslose Menschen soll jetzt eine Lösung her: Mex stellt zwei Modelle vor, mit denen sie wieder Arbeit finden können. Wir wollen wissen: Können diese Maßnahmen funktionieren?

In Hessen gibt es 153.000 Arbeitslose. Eine davon ist Martina T.. Sie ist seit 18 Jahren ohne Job. Das Problem: Je länger weg vom Arbeitsmarkt, desto unwahrscheinlicher der Wiedereinstieg. Und auch das Alter ist ein Problem: Stefanie H. ist über 50 und gilt damit als zu alt für den Arbeitsmarkt, finden viele Chefs:

Erste Maßnahme: Paragraf 16i des Teilhabechancengesetzes, das am 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. Es funktioniert so: Eine Firma stellt einen Menschen ein, der schon lange arbeitslos ist. Für 2 Jahre bezahlt nicht die Firma die Stelle, sondern das Jobcenter zahlt den vollen Lohn. Seit Januar stehen für diese Förderung 4 Milliarden Euro zur Verfügung.

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Jetzt eine Firma finden

Eine Chance – auch für Martina T.? Noch lebt sie von Hartz IV und hat heute einen Termin im Jobcenter Gießen. Ihre Fallmanagerin Birgit Boßhammer würde sie gern über 16i fördern: „Paragraf 16i bietet eine Möglichkeit, sie für ein reguläres Arbeitsverhältnis zu fördern. Sie würden normal entlohnt werden und würden in eine reguläre Beschäftigung gehen.“ Das klingt wie ein Traum, nach 18 Jahren Arbeitslosigkeit:

Nun muss nur noch eine Firma gefunden werden, die sich auf das Modell einlässt. Noch hat die Hartz-IV-Empfängerin einen 1-Euro-Job, schmiert Brötchen und schenkt Kaffee aus.

Ziel des neuen Paragrafen 16i ist es Langzeitarbeitslose wie Martina T. fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Die große Hoffnung: Läuft das Kombilohnmodell aus, könnte die Firma den Langzeitarbeitslosen vielleicht übernehmen. Bisher haben 544 Hessen einen Job gefunden, der mit Hilfe von 16i gefördert wird. Die Stellen sind befristet. Was danach passiert, bleibt abzuwarten.

Warum nicht selbstständig machen

Die zweite Maßnahme ist die Existenzgründung. Hartz-IV-Empfänger können sich selbstständig machen. Dafür müssen sie einen Businessplan erstellen und beim Jobcenter einreichen. Wird er bewilligt, bekommt der Langzeitarbeitslose für ein Jahr ein Einstiegsgeld und kann Zuschüsse bis zu 5.000 Euro beantragen, um seine Firma neu auszustatten.

Stefanie H. war Leiterin einer psychosozialen Einrichtung. Sie verlor ihren Job und lebt nun von Hartz IV. Trotz unzähliger Bewerbungen und besten Qualifikationen hat sie mit über 50 wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie wagte den Sprung in die Selbstständigkeit und stellte beim Jobcenter einen Antrag auf Existenzgründung - mit Erfolg. Sie will Menschen in schweren Lebenslagen coachen. Das Jobcenter hat ihr dafür ein Darlehen von 5.000 Euro gewährt. Hartz IV kriegt sie weiter und hat damit pro Monat 424 Euro zum Leben, plus 318 Euro Einstiegsgeld, macht 742 Euro pro Monat.

Seit sechs Monaten coacht Stefanie H. die ersten Klienten. Dafür hat sie sich einen Praxisraum gemietet. Noch sind die Ausgaben höher als ihre Einnahmen, die Praxis läuft schleppend an. Und schon nach dem ersten halben Jahr muss sie das Darlehen abbezahlen: „Es werden mehr und mehr Schulden, ich habe in meinem Umfeld und auch in meinem Freundeskreis mir Geld geliehen, um überhaupt die Miete zu zahlen.“

Mit Schulden aus Hartz IV? Manche Existenzgründer bekommen vom Jobcenter einen Investitionszuschuss bis zu 5.000 Euro umsonst, eine Kann-Leistung. Hätte Stefanie H. auch gern, aber ihr Antrag wurde abgelehnt.

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Das Mex-Fazit:

Um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, finanziert das Jobcenter neue Jobs. Erfolgsmodell oder teurer Schuss in den Ofen, wird die Zukunft zeigen, nämlich dann, wenn die Fördergelder auslaufen und sich jeder selbst bewähren muss.

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