Pendlerstudie

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Bahnchaos in Hessen: Auf vielen Strecken Zugausfälle bis Dezember. Der Grund: Lokführermangel. MEX will wissen: Wie kommen die Hessen trotz Chaos zur Arbeit, was sind die Gründe für den Lokführermangel und wie wird das Problem gelöst?

MEX in Bad Salzhausen: Pendler warten auf den Schienenersatzverkehr. Und der kommt mal wieder nicht pünktlich. Vor allem in der Wetterau fallen viele Züge aus. Also müssen sich die Pendler selbst organisieren. Sie fahren mit dem Auto oder steigen aufs Fahrrad, 25 Kilometer bis zum nächsten Zug. Ob der dann fährt, ist ungewiss. Nur Martina Frankenhauser bleibt an der Haltestelle. Der Ersatzbus ist ihre einzige Chance, um nach Frankfurt zu kommen. Das Chaos ist programmiert:

Wir treffen noch andere Pendler im Bus. Alle sind verärgert über die Verspätung. Und keiner weiß, ob er nach Feierabend überhaupt nach Hause kommt. Acht Stunden später treffen wir Martina Frankenhausen in Friedberg wieder, 25 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Sie kommt nicht mehr weiter. ihr Zug fällt aus. Es ist schon das dritte Mal in der Woche, dass Martina Frankenhausen ihren Mann bitten muss, sie abzuholen. Ärgerlich auch, weil die Pendlerin 230 Euro für ein Monatsticket zahlt– zu viel, wenn die Bahn ständig ausfällt. Ohne ihren Mann hätte sie noch zwei Stunden auf den nächsten Zug warten müssen.

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gedränge an S-Bahn Frankfurt

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Verantwortlich für die Zugausfälle in der Wetterau ist die HLB, Hessische Landesbahn. Hier mussten seit September etwa 60 Zugverbindungen gestrichen werden. Der Grund sind Krankheit und Kündigungen, sagt ihr Geschäftsführer Veit Salzmann: „Also wir sind auch überrascht worden, das muss man ganz deutlich sagen, wir sind einfach überrascht worden, durch die Situation, die sich insbesondere im Bereich des Krankenstandes und der Fluktuation ergeben hat. Was uns aber viel mehr getroffen hat, sind einfach Mitarbeiter, die von uns weggegangen sind, in wieder ihre angestammten Berufe, wo sie mal hergekommen sind.“

Es fehlen Lokführer

Zugausfälle aber nicht nur bei der HLB: Die Deutsche Bahn bestätigt auf MEX-Anfrage „Personalengpässe (…) und der aktuelle Fachkräftemangel führt bundesweit zu Fahrtausfällen.“ Ob DB Regio, Cantus oder die RegioTram-Gesellschaft: bundesweit fehlen etwa 1.200 Lokführer. Der NVV Nordhessen schreibt uns: „Wir wissen, dass es eigentlich unmöglich ist, Personal zu bekommen.“

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MEX erklärt: Pendlerland Hessen

Hessens Pendlerstadt Nummer 1 ist Frankfurt. 362.000 Menschen pendeln jeden Tag mit Auto, Bahn oder Bus in die Mainmetropole. Zum Vergleich: Nach Wiesbaden pendeln täglich über 75.000 Menschen, nach Kassel etwas mehr als 61.000. In Frankfurt sind Pendler in der Mehrheit: 64 Prozent der Arbeitnehmer gehören dazu. Deutschlandweit liegt Frankfurt auf Platz 2 hinter München.

Viele machen es auch umgekehrt, sie wohnen in Frankfurt und arbeiten in einer anderen Stadt. 95.000 Menschen pendeln täglich raus aus Frankfurt. Volle Züge sind die Folge, vor allem zur Rush Hour morgens und am Nachmittag. In Nordhessen nutzen Tag für Tag 193.000 Menschen Busse und Bahnen. Und im Rhein-Main-Verkehrsverbund sind es sogar 2,5 Millionen Menschen.

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Dabei träumten doch ganze Generationen kleiner Jungen davon, Lokführer zu werden. Traum geplatzt, weil so die Realität aussieht: Ein Lokführer verdient nach Tarif 2.737 Euro, etwas mehr als eine Erzieherin. Und er muss auch noch feiertags und am Wochenende ran. Wie verrückt der Lokführermarkt ist, sehen wir am Beispiel von Lokführer Michael Schwarz. Er arbeitet nur noch über eine Bahn-Leiharbeitsfirma, die SES. Denn über sie kann er nicht nur bessere Arbeitsbedingungen aushandeln, er wird sogar noch übertariflich bezahlt.

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Pendler am Hauptbahnhof Frankfurt

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MEX im Ausbildungszentrum Gießen. Um mehr Lokführer zu gewinnen, setzt die Hessische Landesbahn auch auf Quereinsteiger und Leute über 50, wie zum Beispiel Martin Henkel. Er war vorher Flugzeugtechniker und hat seinen Job verloren: Es sei eine neue Chance, mein Leben jetzt in eine neue Richtung zu nehmen, das sei auch ein sehr sicherer Job momentan, weil Lokführer überall gesucht würden. Insgesamt hat die HLB in den letzten fünf Jahren 250 Mitarbeiter ausgebildet. Gereicht hat das trotzdem nicht.

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Das MEX-Fazit:

Lokführermangel auf allen Strecken. Es fehlen geeignete Bewerber. Zeit für einen Neuanfang: ein besseres Image, freundliche Arbeitszeiten und gute Bezahlung könnten der Anfang sein.

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Autorin: Katrin Wegner