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zum Video Banken-Fusion - Was eine Deutschland-Bank bringen würde

Die Türme der Commerzbank und der Deutschen Bank in Frankfurt

Es ist derzeit das wichtigste Thema im Frankfurter Bankenviertel: Die deutsche Lösung aus Deutscher Bank und Commerzbank. mex lässt die Fusionspläne durch drei Bankenexperten prüfen.

Jan-Pieter Krahnen, Kapitalmarkt-Experte, Rainer Haselmann, Experte für Banken-Regulierung und Andreas Hackethal, der Privatkunden-Profi. Die drei bauen die Deutschlandbank. Erste Frage: wie viele Filialen braucht die Deutschlandbank? Auch in Zeiten von Onlinebanking macht nur jeder 5. Kunde in Hessen alle Bankgeschäfte im Netz. Für die Deutschland-Bank wäre 1 Filiale pro 10.000 Kunden gut. Aktuell liegt die Deutsche Bank mit 1,3 Filialen darüber, die Commerzbank mit 0,8 leicht darunter.

Jetzt zu den Firmenkunden. Was die von einer Deutschland-Bank erwarten, sehen wir bei der Firma Eckelmann in Wiesbaden, ein Mittelständler mit 450 Mitarbeitern. Der Automations-Spezialist produziert und verkauft weltweit. Von Asien, über Nord- und Südamerika bis nach Afrika. Firmen-Chef Peter Frankenbach will da einen starken Partner an der Seite: „Für dieses Geschäft brauchen wir eine Bank mit internationalem Know-how, die auch international vertreten ist. Eine Bank, die die Anforderungen und Gesetze in den Zielländern gut kennt und die uns dann auch beraten kann.“

Internationale Top-Banken sind in mindestens 70 Ländern präsent. Die Deutsche Bank kommt aktuell auf 60, die Commerzbank gerade mal auf 50 Länder. Prof. Rainer Haselmann von der Goethe-Universität Frankfurt sagt: Die Banken haben in den letzten Jahren eben schon angefangen, sehr stark auf eine betriebswirtschaftliche Effizienz dieser Auslandsrepräsentanzen zu achten und da wurde in manchen Märkten gegebenenfalls ausgedünnt.“

„Unkalkulierbares Risiko für den Steuerzahler“

Wichtige Frage: Wie stabil, wie krisenfest muss die Deutschland-Bank sein? Die Profis schauen nun auf Größe, Effizienz und Stabilität. Nach internationalem Maßstab müsste die fusionierte Bank Minimum 40 Milliarden Euro wert sein. Tatsächlich ist die Deutsche Bank nur 16 Milliarden Euro an der Börse wert, die Commerzbank magere  8 Milliarden.  Selbst ein Zusammenschluss hilft da kaum weiter. Im internationalen Maßstab wäre die Deutschland-Bank ein Zwerg.

Prof. Hackethal sagt: “Heute eine kritische Größe zu haben, ist sozusagen das Eingangs-Ticket dafür, in einem zukünftigen Bankenmarkt, der zunehmend international ist, auch mitzuspielen.“ Zuletzt noch die Frage: wie stabil ist eine Deutschland-Bank? Nochmals eine Bankenrettung wie in der Finanzkrise will niemand. Den Stresstest der EZB sollte die Deutschland-Bank locker bestehen. Aktuell aber stehen da bei der Deutschen Bank die Zeichen auf kritisch gelb, bei der Commerzbank auf grün.

Die Experten kommen zu einem klaren Ergebnis: Finger weg von einer deutschen Lösung! Sie wäre ein unkalkulierbares Risiko für den Steuerzahler: „Wir würden einen nationalen Champion hier nicht begrüßen, den Aufbau eines noch größeren nationalen Champions, der eben auf Dauer zu staatlichen Verpflichtungen führen könnte.“

„Schmerzhafter Einschnitt“

Noch mehr Gegenwind bekommen die Fusionspläne beim Thema Jobs. Hier droht der Kahlschlag. Aktuell hat die Deutsche Bank rund 92.000 Mitarbeiter, die Commerzbank 50.000. Die Gewerkschaften schlagen Alarm. Jeder 4. Job dürfte der Fusion zum Opfer fallen.  Christoph Meister, Bundesvorstand ver.di, spricht von einem „schmerzhaften Einschnitt.“ Und den werden sie in den Filialen spüren. Auf der einen Straßenseite die Commerzbank, schräg gegenüber eine Filiale der Deutschen Bank. Das würde so nicht bleiben. 

Noch haben Deutsche Bank und Tochter Postbank rund 1.400 Filialen, die kleinere Commerzbank immerhin noch 1.000. Prof. Jan Pieter Krahnen, Bankenexperte, Goethe-Universität Frankfurt, sagt: „Wenn wir uns die Deutschlandkarte anschauen, dann werden wir die Möglichkeit zur Stellenreduktion überall in der Fläche haben, wie auch in der Zentrale. Es ist also kein rein Frankfurter Thema, sondern ein Thema, das im Grunde alle Zweigstellen und Niederlassungen in ähnlicher Weise betreffen wird.“

Was Jobabbau bei Bankern bedeutet, hat Kathrin Stark erlebt. Sie war bei der Commerzbank direkt unterhalb des Vorstands, als die 2008 mit der der Dresdner Bank fusionierte. Damals verloren gut 10.000 ihren Job: „Sie sind in einem permanenten Umbau. Das heißt: Die Unsicherheit, die Verlustängste um Arbeitsplätze war damals da, heute aber viel kritischer in den beiden Instituten.“ Was hilft? Nichts schön reden, sondern die Karten auf den Tisch legen, weiß Stark: „Damit erreicht man, dass man zumindest die Unsicherheit reduziert. Man kann den Personalabbau damit nicht verhindern oder schönreden. Aber man kann zumindest ein sehr klares Vorgehen kommunizieren.“

Und der Brexit? Kommt er, wird der Finanzplatz Frankfurt profitieren. Banker müssten von London in die Mainmetropole wechseln. Wir wollen wissen: Entstehen dabei neue Jobs für hiesige Banker. Federt der Brexit den Jobabbau ab? Nein, sagt uns Oliver Wagner Geschäftsführer im Verband der Auslandsbanken. Da werden andere gebraucht: „Unsere Mitglieder bauen eher im Infrastrukturbereich auf, also Recht, Steuern, Treasury, Meldewesen. Das kann jetzt nicht so ohne weiteres durch einen Filialmitarbeiter erledigt werden.“

Und so spricht viel für eine europäische Lösung. Auch die kostet viele Jobs. Am Ende aber steht ein echter Champion, der mit den Großen der Welt konkurrieren kann. So oder so – am Finanzplatz Frankfurt wird es ungemütlich in den nächsten Monaten.  

Autor: Steffen Clement/ Sandra Scheuring