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Die Topmanager von Commerzbank und Deutscher Bank sind mitten in den Fusionsgesprächen. mex will wissen: Was kommt da auf Firmenkunden, Privatkunden und Mitarbeiter zu, wenn aus Planungen Realität wird?

Die Folgen für Firmenkunden sehen wir hier: mex besucht Glasbau Hahn aus Frankfurt. Typischer Mittelstand, Familienbetrieb, 100 Beschäftigte. Sie produzieren Glasvitrinen für Museen in aller Welt. 90 Prozent gehen ins Ausland. Dafür braucht Inhaberin Isabel Hahn Banken, die global aufgestellt sind. Davon gibt es noch in Deutschland genau zwei: „Wenn wir ein Geschäft im Ausland absichern wollen, dann fragen wir das sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank an und nehmen natürlich das Angebot, das für uns preislich günstiger ist. Wenn die beiden Banken fusionieren, dann habe ich keinen Wettbewerber mehr.“

Und es wird vermutlich teurer. Die örtliche Sparkasse kann das so einfach nicht leisten. Da geht es Glasbau Hahn wie allen anderen hessischen Firmen im globalen Geschäft. Und wenn in Zukunft mal eine größere Investition ansteht, bringt eine Fusion direkt die nächste Schwierigkeit: „Für mich als Unternehmerin, wenn ich einen Kredit aufnehmen möchte, will ich natürlich mein Risiko streuen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ich mehrere Banken zur Auswahl habe. Und durch eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank ist das schwieriger.“ Das ist logisch, da es weniger Konkurrenz gibt.

Immer weniger Filialen

Die Folgen einer Fusion für Privatkunden sind dagegen überschaubar. Da sind sich die Experten einig. Kein Wunder: Wie hier in Offenbach sind die Filialen der beiden Banken in vielen hessischen Städten dicht beieinander. Da wird der Weg zur Bank für Kunden meist nur ein paar Meter länger.

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Auch wenn die beiden Banken zusammengehen ist die Auswahl für einfache Bankgeschäfte in Deutschland immer noch groß genug. Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind und bleiben eine starke Konkurrenz. Die Gesamtzahl aller Bankfilialen hat sich ohnehin seit Mitte der 90er auf 30.000 halbiert. Der Trend wird weitergehen. Aktuell hat die Deutsche Bank insgesamt noch 1.400 Filialen, die Commerzbank 1.000. Ein gewaltiges Sparpotential

Mitarbeiter werden leiden

Spätestens bei diesen Zahlen ist klar: Die Folgen der Fusion wären für die Mitarbeiter am dramatischsten. Ob in den Filialen oder in der Zentrale in Frankfurt, wo vieles dann doppelt wäre. In der IT-Abteilung der Commerzbank arbeitet Thomas Matischak seit 30 Jahren. Aber eine IT-Abteilung hat natürlich auch die Deutsche Bank. Solche Dopplungen sind überflüssig. Wie schon  bei der Fusion von Dresdner und Commerzbank vor zehn Jahren, als 10.000 Jobs verloren gingen.

Thomas Matischak erzählt: „Es ist allgegenwärtig. Es ist natürlich ein Thema in der Kantine, es ist ein Thema in der Raucherecke oder beim Kaffee in der Cafeteria. Oder auf den Fluren auch mal. Klar. Das ist schon ein Thema, worüber gesprochen wird, was auch kontrovers diskutiert wird. Aber es ist allzeit präsent.“

Umso wichtiger ist es, den Kopf mal frei bekommen im heimischen Garten. Dabei ist Thomas Matischak selbst optimistisch, dass er sich mit seinen 60 Jahren elegant in die Rente hinüberretten könnte. Jüngere haben da mehr Grund zur Sorge, findet er: „Das rückt die Stimmung, aber es keine Katastrophenstimmung, so dass ich sagen würde: Da gibt es Leute, die sind gefährdet, von der Brücke zu springen. So ist es nicht.

Die Gewerkschaften befürchten, dass eine Fusion insgesamt 30.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Zugleich werden die Betriebsräte alles dafür tun, dass der Schaden für den einzelnen minimiert wird, wie in der Vergangenheit. Matischak erinnert sich: „Seit dem ich dabei bin, ist noch nicht ein Mitarbeiter aufgrund irgendwelcher Strukturmaßnahmen betriebsbedingt gekündigt worden. Wir haben, wenn es immer zu einem Abbau kam, den auch sozialverträglich hinbekommen. Das muss man fairerweise auch sagen.“ Doch die Gewerkschaften sind alarmiert und setzen den bisherigen Protest jetzt immer stärker fort. Nächste Runde: Am Freitag wollen in Wiesbaden tausende Bankangestellte protestieren, gegen die Fusion zu einer deutschen Großbank.

Autor: Steffen Clement