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Baustelle eines zukünftigen "Finanzpunkts", einer Filiale von Sparkasse und Volksbank zusammen

Schließungswellen in Hessen - Immer mehr Bankfilialen machen zu. Lässt sich das Bankensterben noch aufhalten? Warum schließen immer mehr Filialen und wie reagieren die Hessen darauf?

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zum hessenschau.de Audio Sparkasse und Volksbank eröffnen gemeinsam "Finanzpunkte"

Das Foto zeigt ein in Volksbankfarben eingefärbtes Sparkassenlogo.
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Mex in der Kreissparkasse Trebur-Geinsheim. Sie wird im Februar schließen. Dann ist der Service am Schalter vorbei und nur noch Geldautomat und Kontoauszugsdrucker übrig. Für Bärbel Fox-Kleinig, Pressesprecherin Kreissparkasse Groß-Gerau,  ein notwendiger Schritt nach langer Analyse: "Es kommen im Schnitt zwischen sechs und sieben Personen in der Woche, die aber nur Überweisungen abgeben. Und etwa zwei bis drei, die vielleicht in die Beratung gehen. Mehr ist das nicht."

In dieser Filiale gibt es etwa 500 Kunden. Und wenn die Auslastung gering ist, sind die Mitarbeiter vor Ort nicht rentabel. Für die älteren Kunden ist das ein Problem. Deshalb sollen zum Beispiel sollen Hausbesuche angeboten werden und 40 Telefonisten in Groß-Gerau nehmen Fragen entgegen.

Schon 2018 hatte die Sparkasse im Nachbarort Astheim dicht gemacht. Auch Filialen in Groß-Gehrau, Gustavsburg und Rüsselsheim schlossen. Für den Regionalpolitiker Ralf Nordmann, Fraktionsvorsitzender CDU, ist das ein Unding, weil es dem Prinzip der Sparkasse widerspricht: "Die Sparkasse ist nun mal eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Und hat sich damit am Markt etwas anders zu verhalten, wie man das sonst eben von rein gewinnorientiert tätigen Banken kennt. Und so steht es auch in der Satzung. Wir handeln eben nicht rein gewinnorientiert sondern fühlen uns dem Gemeinwohl verpflichtet. Und genau das können wir an solchen Aktionen ganz klar nicht erkennen."

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Trebur-Geinsheim ist kein Einzelfall. 2015 gab es in Hessen noch insgesamt 1.054 Sparkassen-Filialen, drei Jahre später sind es nur noch 810, ein Rückgang von 23 Prozent. Und das Sterben der Banken betrifft nicht nur die Sparkassen: Gab es 2008 bundesweit noch 41.700 deutsche Bankfilialen, sind es heute nur noch 29.700 und damit fast 30 Prozent weniger.

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Niedrigzins trägt Mitschuld

Matthias Haupt ist Pressesprecher des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen. Er sieht den Grund für das Sterben der Filialen im veränderten Kundenverhalten. Etwa 50 Prozent schließen ihre Bankgeschäfte nur noch online ab, das gute, alte Sparbuch wird eingemottet: "Kleine und kleinste Filialen, in denen wenig oder gar nichts los ist, aufrecht zu erhalten, das wäre unsinnig, weil die Kosten dafür entstehen ja, und die müssten dann an anderer Stelle erwirtschaftet werden, und das wäre auf Dauer eine Gefährdung für die gesamte Sparkasse, wenn man die Kostenstruktur nicht an die jeweilige Situation anpasst."

Der Durchschnittskunde geht nur noch einmal im Jahr in seine Bankfiliale, zweimal im Monat an den Geldautomaten und wenn er Online-Banking macht, guckt er 250 bis 300 Mal im Jahr auf sein Konto. Da werden Mitarbeiter in Filialen überflüssig. Aber auch die Niedrigzinsen spielen eine große Rolle, weiß Haupt: "Dadurch, dass wir im Moment in einer Niedrigzins- oder Negativzinsphase leben, ist das klassische Zinsgeschäft der Sparkassen unter Druck geraten. Das heißt das, was dort nicht mehr an Erträgen generiert werden kann, muss an anderer Stelle generiert werden und man muss gleichzeitig sehr scharf auf die Kosten schauen."

Kooperation als Lösung?

Studien gehen davon aus, dass bis 2030 sogar jede zweite Bankfiliale geschlossen sein wird. In Bad Soden - Neuenhain geht die Entwicklung in die andere Richtung: Da ist Zusammenarbeit das Zauberwort der Zukunft. Um Filialen nicht zu schließen, aber die Kosten nicht ausufern zu lassen, legen die Taunus-Sparkasse und die Frankfurter Volksbank ihre Filialen einfach zusammen. Der FinanzPunkt bietet Beratung an, von der jeweiligen Bank, an verschiedenen Tagen:

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hs
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Statt Bankfilialen zu schließen, wird hier sogar neu gebaut. Künftig sollen 26 Filialen dieser Art in der Region eröffnet werden. Share a Bank, ein Zukunftsmodell? Das wird sich zeigen.

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Das Mex-Fazit:

Schließungswellen von Bankfilialen nehmen zu. Der Grund: Kostendruck durch Niedrigzinsen und immer mehr Online-Banking. Im Taunus setzen Volksbank und Sparkasse ein Zeichen gegen das Bankensterben. Sie kooperieren und teilen sich in Zukunft eine Bank.

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Autorin: Katrin Wegner