Bargeld wird am Bankschalter ausgezahlt

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Alles digital! Schnell, überall und zu jeder Zeit bezahlen: Steht der Klassiker Bargeld auf dem Abstellgleis? App und Karte gegen Münze und Schein – mex will wissen: Ist morgen Schluss mit Bargeld?

Hier ist die Bargeld-Welt noch in Ordnung: mex besucht Bäcker Abels in Trebur. In dem Familienbetrieb landen allein Münzen und Scheine auf dem Kassenteller. Das trifft den Nerv der Kunden. Bäcker Gerd Abels bedient seine Kundschaft nach alter Schule, das gilt für Backwaren und Bargeld: „Wir haben ausschließlich Bargeld, weil der Kassier-Vorgang schneller geht. Der Kunde bezahlt einen kleinen Betrag,. 2,50 Euro oder 5 Euro. Mit Kreditkarte dauert das dann schon länger.“

Beim Bäcker in Trebur wird ausschließlich in bar bezahlt. Das ist 40 Kilometer weiter nördlich anders. Oder? mex in Frankfurt, wir wollen wissen: Ist die Bankenstadt auch Bargeldlos-Stadt? Die Erkenntnis: Bargeld ist auch in der Großstadt gefragt. Insgesamt heben die Hessen rund 100 Euro im Monat am Automaten ab.

Laut Statistik zahlen:

  • 74 Prozent der Verbraucher zahlen an der Kasse in bar
  • nur 19 Prozent nutzen eine EC-Karte
  • gerade mal 1,6 Prozent greifen zur Kreditkarte.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Finanzielle Kontrolle und Datensicherheit

Münze und Schein sind im Jahr 2019 beliebt wie eh und je. Warum aber ist für viele Hessen Bares noch immer Wahres? Diese Frage kann uns Finanzexperte Prof. Jürgen Moormann beantworten von der Frankfurt School of Finance & Management: „Es mag eine gewisse Angst geben aufgrund der Historie in Deutschland, insofern spielt Bargeld eine große Rolle. Man möchte es nicht aufgeben. Man hat Angst, dass durch digitale Formen eine Inflation zustande käme.“ Finanzielle Kontrolle und Datensicherheit – das sind laut Moormann zwei weitere Gründe, warum Hessens Verbraucher auf Bargeld setzen.

Dabei hat die bargeldlose Zukunft längst begonnen, zum Beispiel per Funk oder mit Apps. Was manchen Kunden heute fremd ist, wird morgen Alltag sein. Wie also werden die Hessen in Zukunft ihre Einkäufe bezahlen?

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So lange dauert das Bezahlen

Eine aktuelle Studie der Bundesbank und des EHI Retail Instituts des Einzelhandels ergab: "An der Ladenkasse ist die Barzahlung noch immer das schnellste und kostengünstigste Zahlungsmittel", erklärte Notenbank-Vorstand Johannes Beermann. Im Schnitt dauere es an der Kasse mit Bargeld gut 22 Sekunden. Werde mit Karte und PIN-Number gezahlt seien es sieben Sekunden mehr. Müsse bei Kartenzahlung unterschrieben werden, dauere es 16 Sekunden länger. Die Kosten für den Zahlungsvorgang bei einem bar bezahlten Einkauf liegen laut Studie bei etwa 24 Cent. Werde mit EC-Karte gezahlt, seien es 33 Cent. Die höchsten Kosten verursacht demnach das Bezahlen mit Kreditkarte und Unterschrift: Hier sind es pro Einkauf mehr als ein Euro.

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Geld leihen

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mex besucht „Fattoria La Vialla“ in Frankfurt. Dieser Einkaufsladen setzt voll auf die Zukunft mit der „neuen Kasse ohne Kasse“. Bezahlt wird hier mit einer Schlüsselkarte. Francesco Dritto, der Marktleiter sagt: „Dann geht man zu dem Reader da vorne. Und einfach eigene Pin eingeben, geht das Tor auf, läuft man durch und dann wird alles auf einmal automatisch gescannt.“

Optimieren, effizienter machen, verkaufen

Das heißt: mehr Zeit für die persönliche Beratung. Das freut die Kunden. Wie etwa der Fußball-Weltmeister von 1990, Thomas Bertold und seine Frau Britta, die mex hier zufällig trifft. Bertold ist Befürworter bargeldloser Zahlung: „Ich glaube das ist die Entwicklung der Digitalisierung. Das wir da hinkommen, Prozesse zu optimieren, effizienter für die Verkäufe zu sein. Das geht alles viel schneller.“

Schicke schöne Technologie schlägt Papiergeld? Traditionelle Unternehmer wie Bäcker Abels haben dazu eine klare Meinung: „Ich habe so das Gefühl, dass alle, die damit arbeiten – mit diesem bargeldlosen System – mit aller Gewalt versuchen das zu etablieren. Und wollen, dass das Bargeld vom Markt verschwindet.“

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Person hält Kupfergeld in der Hand

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Aber wer könnte davon profitieren – will irgendwer den Hessen das Bargeld wegnehmen? Prof. Moormann erklärt: „Diese Sorge ist vollkommen unbegründet. Es gibt keine Mächte im Hintergrund, die jetzt an das Bargeld wollen. Natürlich kostet das Bargeld-Handling Geld. Es ist teuer für Banken. Deswegen sind Banken tendenziell interessiert, mit weniger Bargeld handhaben zu müssen.“ Trotzdem, sagt Moormann: Bargeld wird nicht aussterben, denn es hat für Verbraucher eine wichtige Funktion beim täglichen Handel.

Das bedeutet: „Wir sehen eine Zunahme des Bargeldumlaufes. Das Euro-Bargeld hat sich von 2003 bis heute verdreifacht. Also entsprechend gibt es keinen Grund anzunehmen, dass es kein Bargeld gibt. Insofern können wir alle Menschen beruhigen.“

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Das mex-Fazit:

Die Hessen können auch morgen noch Bargeld ausgeben. Allein die Möglichkeiten sind vielfältiger geworden, beispielsweise durch App- oder Kartenzahlung.

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Autor: Holger Barthel