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Der Aufreger im neuen Jahr: Die Bonpflicht

Sie ist da, die Bonpflicht in Hessen – und die Kassenzettel stapeln sich säckeweise. Mex erklärt, warum die Kassenzettelpflicht bei vielen Hessen für Unmut sorgt, obwohl sie eigentlich Gutes bezwecken soll.

Jede Menge Kassenzettel gibt es in Butzbach bei Bäcker Mack. Gemeinsam mit Christian Mack sammeln wir eine Woche lang Bons. Ergebnis: acht große Säcke randvoll mit Zetteln.

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Seit dem 1. Januar muss für jede Ware ein Kassenbon ausgedruckt werden. Finanzbeamte sollen so besser prüfen können, ob ein Verkauf mit den Kassenaufzeichnungen im Geschäft übereinstimmt. Ausnahmen: Imbissbuden, Marktstände oder Geschäfte mit geringem Umsatz.

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Für Mittelständler mit mehr Umsatz, so wie Bäcker Mack, ist die Bonpflicht daher umso ärgerlicher. "Aus zwei Gründen", wie er uns sagt: "Was mich an der Bonpflicht stört, ist, dass es Unmengen an Papier produziert, was nicht gebraucht wird. Und: Wir bekommen dieses Jahr in unserem Betrieb Mehrkosten von ungefähr . Euro durch die Kassenrollen mit dazu."

Gerade kleine Händler treffen die Mehrkosten für Papier, Druck und Entsorgung, kritisiert seit Jahresanfang auch der Hessische Industrie- & Handelskammertag – und fordert deshalb das Aus für die Bonpflicht.

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Hintergrund der Bonpflicht ist der Kampf gegen Steuerhinterziehung – erklärt uns Sven Rohde vom hessischen Handelsverband. Immerhin schätzen Bundesregierung und Bundesrechnungshof, dass an deutschen Theken und Ladentresen rund 10 Milliarden Euro jährlich an Steuern hinterzogen werden – weil Beträge gar nicht oder nicht vollständig registriert werden.

Das Kassengesetz gegen Steuerbetrug verfolgt eine gute Absicht, sagt Sven Rohde – es braucht keine Bonpflicht. Denn spätestens ab Herbst soll auf allen Kassensystemen eine spezielle Abrechnungs-Software installiert sein: "Sobald der erste Kassentastendruck getätigt wurde im Laden oder im Geschäft, wird ein unlöschbarer Vorgang ausgelöst. Das reicht aus. Ein Kassenbon-Ausdruck ist aus unserer Sicht nicht notwendig."

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Bäcker Mack nutzt in seiner größten Filiale ein modernes Kassensystem. Das zeichnet alle Verkäufe digital auf. Zwar würden die Daten nicht direkt ans Finanzamt übermittelt, er sei aber verpflichtet, diese Daten zu speichern und auf Nachfrage dem Finanzamt zur Verfügung zu stellen.

Nachhaltigkeit ist gefragt

Eine Lösung muss her. Mex trifft Umweltschützer Michael Rothkegel vom BUND Hessen. Er weiß, Kassenbons sind aus Thermopapier, weil Kassendrucker leise und schnell drucken sollen. Aber die Zettel sind mit schädlichen Chemikalien versetzt, und deshalb... "können die nicht über die Altpapiertonne entsorgt werden sondern müssen in den Restmüll. Sie können also auch nicht recycelt werden. Und dadurch wird natürlich der Papierverbrauch deutlich ansteigen."

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Der deutsche Einzelhandel erwartet, dass allein in 2020 über zwei Millionen Kilometer Bon-Papier zusätzlich bedruckt werden müssen.

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Die vielen Bons kann man wohl kaum vermeiden, aber nachhaltiger damit umgehen.  Die hessische Bio-Supermarkt-Kette Alnatura nutzt schon länger Thermopapier ohne Chemie. Jetzt hat man zusätzlich die Kassenzettel kürzer gemacht, sagt Alexander Hüge von Alnatura: "Dadurch sparen wir pro Tag rund 4 Kilometer Bonpapier. Das sind – auf 300 Verkaufstage hochgerechnet – knapp 1.350 Kilometer Bonpapier, die wir einsparen."

Das war es aber noch nicht. Der Bio-Supermarkt wird ab diesem Frühjahr komplett auf Öko-Bonpapier umstellen: "FSC-zertifiziertes Bonpapier ohne chemische Zusätze. Was dann für unsere Kunden, die Möglichkeit bietet, dies über die Altpapiertonne zu entsorgen."

Kurze Bons aus Öko-Papier: Mit dieser Lösung will sich demnächst auch Bäcker Christian Mack aus Butzbach auseinandersetzen. In der Zwischenzeit sammelt er weiter Kassenzettel und muss sie teuer entsorgen.

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Das Mex-Fazit:

Ob die Bonpflicht den Steuerbetrug eindämmen kann, zeigt sich frühestens in einem Jahr. Bis dahin wird in Hessen gebongt, was die Kasse ausdruckt. Den vielen Kritikern zum Trotz.

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