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Brexit

Zwischen Hoffen und Bangen: Auch in hessischen Betrieben ist der Brexit zu spüren. Wie viel Großbritannien steckt in Hessen, was bedeutet der Brexit für hessische Unternehmen und welche Auswirkungen wird er haben?

MEX in Wiesbaden bei Britmania. Hier finden wir Großbritannien mitten in Hessens Hauptstadt. Von English Toffeys, Marmeladen & Chutneys bis hin zu Englischem Tee: Seit acht Jahr verkauft Sandra Jakobian hochwertige, britische Produkte. Sandra Jakobian importiert ihre original britischen Produkte direkt aus Großbritannien. Ihre Kunden sind Exil-Briten, von denen rund 11.000 in Hessen leben und ganz viele hessische Stammkunden.

Sie alle schätzen die typisch englischen Produkte. Das aber könnte sich durch den Brexit ändern, weiß Jakobian:  "Die Zölle treiben die Preise hoch. Irgendwo muss es sich ja auch noch für die Kunden lohnen. Auch ich selber kann nicht mit ruhigem Gewissen etwas, was in Großbritannien nur die Hälfte kostet, ja dann teuer verkaufen."

Boris Johnson

Ihr Albtraum: Wenn die Zölle in Zukunft hoch ausfallen werden, lohnt sich die Einführung ihrer Waren womöglich nicht mehr. Der Brexit könnte für den kleinen Laden zur Gefahr werden.

Der fünftwichtigste Handelspartner

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Mann lächelt in Kamera
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Wird es ein harter Brexit, wird es ein weicher? Bei Dr. Jürgen Ratzinger, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt, laufen seit vier Jahren die Fragen hessischer Unternehmen auf. Auch wenn bis Ende 2020 erst mal praktisch alles beim Alten bleibt, ist die Verunsicherung groß: "Wenn Sie jetzt auf einmal Grenzen haben, wenn Sie Zollpapiere ausfüllen müssen, vorher anmelden müssen, wenn es an der Grenze selber Kontrollen gibt, wenn Sie zeitliche Verzögerungen haben, dann ist das natürlich ein massiver Eingriff in die bisherigen Planungen, die bisherigen Abläufe. Darauf muss man sich jetzt einlassen, da muss man sich gegebenenfalls anpassen."

Großbritannien ist für die Hessen der fünftwichtigste Handelspartner. Rund 316 hessische Unternehmen haben Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich. Die meisten kommen aus der Automobilbranche, gefolgt von Unternehmen der Chemie und Pharmazie, an dritter Stelle stehen elektronische Erzeugnisse. Zusätzliche Zölle und lange Wartezeiten an den Grenzen könnten die Produktion in Zukunft massiv stören.

Kein harter Brexit

Für den Fall eines harten Brexits und damit drohender Zollprobleme haben viele Hessen ihre Lager vorsorglich gefüllt, um Engpässe zu vermeiden. Die Firma Hubtex in Fulda hat seit 20 Jahren eine Niederlassung in Großbritannien. Hubtex baut Gabelstabler nach Maß. Wir treffen die Geschäftsführer Hans-Joachim Finger und Marco Goldbach bei der Begutachtung eines Gabelstablers, der nach Großbritannien geliefert werden soll. Anders als viele andere hessische Unternehmen blicken sie dem Brexit gelassen entgegen: Goldbach sagt: "Wir haben uns natürlich angeschaut, die ganze Lieferkette ist jetzt nicht so betroffen, dass wir zeitkritische Teile aus England bekommen. Das ist natürlich für viele auch ein Problem, da sind schon viele Lager jetzt angemietet worden, um Teile zu puffern, damit niemand leerläuft. Diese Just-In-Time-Lieferungen können sich natürlich verzögern, das betrifft uns aber nicht. Unsere Fahrzeuge haben schon etwas längere Lieferzeiten, da geht es jetzt nicht um zeitnahe Bestellung und Just-In-Time-Auslieferung."

Hubtex hat einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro. Den größten Anteil daran hat der Export mit 70 Prozent. Und England ist für das Unternehmen ein besonders wichtiger Markt. Deshalb war für die Firma genau die Zeit am schlimmsten, als keiner wusste, ob der Brexit nun kommt oder nicht, meint Finger: "Schön ist es jetzt, dass es tatsächlich auch eine Entscheidung gegeben hat. Dass es jetzt weitergeht und die Auftragseingänge am Ende des letzten Jahres, Anfang dieses Jahres zeigen uns auch, dass die Unternehmen jetzt alle wieder bereit sind, auch Investitionen zu tätigen, weil dieser richtig harte Brexit wohl voraussichtlich nicht kommen wird."

Und Hubtex ist für alles gewappnet: Der Betrieb beliefert seit 39 Jahren die ganze Welt und kennt die Hürden bereits aus anderen Ländern außerhalb der EU. 

Fazit: Großbritannien steckt in vielen hessischen Unternehmen. Deshalb ist die Sorge groß, wie sich der Brexit auswirken wird. Es blicken nur die gelassen in die Zukunft, die genügend Puffer haben und Engpässen entgegen steuern könnnen.

Autorin: Katrin Wegner