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zum Video Buchmarkt – Was kleine Buchhandlungen erfolgreich macht

Eine Frau liest ein Buch

Freude in vielen Buchläden: Die Umsätze steigen wieder, immer mehr Hessen kaufen Bücher. Eine Trendwende? Mex will wissen: Was macht den Erfolg eines Buchladens aus, wer sind seine Kunden und was lesen die Hessen?

Erste Station ist eine gescheiterte Buchhandlung. Mex besucht einen der ältesten Darmstädter Läden: die Buchhandlung an der Stadtmission. Joachim Keidl arbeitet hier seit 32 Jahren. Im Januar aber muss er seinen Laden schließen,  weil sich die Buchhandlung nicht mehr rechnet. Und das nach fast 110 Jahren: „Die Besucher sind in der Regel auch die Generation mindestens Ü40, wenn nicht sogar Ü50 und was bei uns im Laden eigentlich nachkommen muss, ist die Generation unter 40 und damit haben wir tatsächlich Probleme, dass gute Kunden, die über Jahre, sogar Jahrzehnte kamen, weniger kommen, weniger einkaufen.“

2013 lief noch alles gut. Auf zwei Ebenen gab es Bücher, Kinderattraktionen und sogar ein kleines Café. Spezialisiert hat sich Joachim Keidl auf christliche Literatur. Denn besondere Ausrichtungen galten gerade für kleine Buchläden immer als Garant für Erfolg. Die Zeiten aber sind vorbei: „Trotz aller Spezialisierung zählt die Lage, die ist einfach hier unterirdisch. Es ist leider in den letzten zwei, drei Jahren derart abgestürzt, dass wir letztendlich als Notmaßnahme vor zwei Jahren gesagt haben, wir haben einfach nicht die personellen Ressourcen und müssen einfach verkleinern.“

Noch vor 20 Jahren kamen bis zu 25.000 Kunden pro Jahr, nun sind es nur noch 8.000, ein Rückgang von 68 Prozent. Und in den zwei Stunden, in denen wir im Laden drehen, kommt nur ein einziger Kunde, aber nicht, um ein Buch zu kaufen.

Buchläden als Leuchttürme

In ganz Hessen gibt es fast 500 Buchläden. Ihr schwärzestes Jahr war 2013. Da machten 43 Buchhandlungen dicht. Im letzten Jahr schlossen nur noch 14, denn die Lage stabilisiert sich, weil sich Buchhandlungen zunehmend positionieren. Wir besuchen eine Gewinnerin. die Darmstädter Buchhandlung Lesezeichen. Sie hat gerade einen Preis gewonnen, den Deutschen Buchhändlerpreis. Die Inhaberin Iris Massuthe freut sich über die  Auszeichnung für besondere Läden mit tollen Ideen, dotiert mit einem Preisgeld von 7.000 Euro: „Das macht uns tatsächlich auch ein bisschen stolz, auch gesehen zu werden, mit unserer Arbeit, die wir auch außerhalb des Ladens machen, wir sind vernetzt, wir schauen im Viertel, was gut läuft, was nicht so gut läuft, wo wir mit anpacken können.

Denn die Buchhandlung Lesezeichen verkauft nicht nur Bücher, sie sieht sich auch als kulturelles Zentrum. Weil sie lebendige, familiäre Lesungen anbietet, Bücherfeste feiert und in Schulen geht. Das Sortiment für die Kunden ist kunterbunt gemischt: „Hüfthohe Stapel von Romanen, das ist nicht mehr das, was die Kunden in die Buchhandlung zieht. Sie wollen überrascht werden, die wollen was entdecken, und ich denke, unsere Funktion wird in Zukunft mehr diese Leuchtturmfunktion sein, diese Lotsenfunktion sein.“

Es wird wieder mehr gelesen  

Und die gute Beratung zahlt sich aus: Der Laden hat einen Jahresumsatz von 400.000 Euro, mit einem Gewinn von bis zu 35 Prozent. Mit Tendenz nach oben. Denn auch die gute Lage hilft, den Kundenkreis ständig zu vergrößern. :

Insgesamt steigen die Zahlen der Leser wieder leicht. Die größten Zuwächse: In der Altersgruppe zwischen 20 bis 39-Jahren sogar um fast 16 Prozent. Dass der Bücherkauf endlich wieder steigt, zeigt sich bereits am Umsatz: 2018 lag er bei über 9 Milliarden Euro und stieg in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits um 4,1 Prozent.

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Das Mex-Fazit

Buchhandlungen haben Erfolg am richtigen Ort, mit breitem Sortiment und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm. Das kommt bei den Kunden gut an. Immer mehr Hessen lesen wieder und bevorzugen die Beratung und das Stöbern im Buchladen um die Ecke.

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Autorin: Katrin Wegner