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Arzt am Bett eines Corona-Patienten

Zwei Frankfurter Forscher besetzen Schlüsselpositionen im Kampf gegen das Virus: Sandra Ciesek und Erhard Seifried. Mex trifft beide und stellt Ihnen sie und ihre Arbeit vor.

Sandra Ciesek ist Virologin am Universitätsklinikum Frankfurt und Beraterin des hessischen Sozialministeriums.  Erhard Seifried ist Transfusionsmediziner beim Blutspendedienst Hessen. Für sein  Corona-Testverfahren interessiert sich gerade sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Viren faszinierten Prof. Sandra Ciesek vom Institut für  Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt schon immer. Jahrelang forschte sie zu den Hepatitis-C-Erregern. Sie war maßgeblich daran beteiligt ein Medikament zu finden: "Mich hat das halt immer fasziniert herauszufinden, warum es so unterschiedliche Verläufe bei unterschiedlichen  Patienten gibt. Und ich wollte immer sehr transnational forschen, das heißt sehr nah am Patienten, also Fragestellungen aus der Klinik mit ins Labor annehmen." 

Das tat sie auch bei Covid-19. Als Anfang Februar die ersten Reiserückkehrer aus der Provinz Hubai landeten, war sie mit am Frankfurter Flughafen: "Wir haben  entschieden, einfach allen ein Test anzubieten, egal ob sie Symptome haben, und einfach einen Rachenabstrich zu machen. Aus den Tiefen von Atemwegen Proben zu gewinnen, ist gar nicht so einfach und es dauert lange. Es ist, wenn jemand nicht hustet, auch gar nicht so technisch umsetzbar. Und unsere Studie hat dann auch wirklich gezeigt, dass ein Rachenabstrich völlig adäquat ist, um diese Diagnose zu sichern." 

Das heißt in Frankfurt  ist der Beweis gelungen, das es reicht, den Corona Abstrich aus den oberen Atemwegen im Rachen zu entnehmen. - eine entscheidende Entdeckung. Aber nicht nur das: Die Frankfurter Forscherin und ihr Team fanden heraus, dass auch Menschen infiziert und ansteckend sein können, die sich nicht krank fühlen. Sogenannte aymptomisch Infizierte, also ohne Krankheitsanzeichen, zu finden kann die Corona-Pandemie eindämmen. Dazu braucht es aber großflächige Tests. Und hier geht die Frankfurter Erfolgsgeschichte weiter.

Massentests sind möglich

Beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes hatten sie schon lange das Blut ihrer Spender in einer  Art Pool-Verfahren getestet. Erhard Seifried und seinem Forscherteam gelang es jetzt, diese Verfahren so zu verändern, dass es auch beim Corona Virus funktioniert. Massentests sind so möglich, weiß Prof. Erhard Seifried, DRK Blutspendedienst: "Dieses wird dann bedeuten, dass eben auch die Infektionsketten frühzeitig unterbrochen werden und wir dadurch zu einem Rückgang der Neue- Infektionen kommen."

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Eine Ärztin mit Schutzausrüstung und Abstrich.
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Das sind Proben vom Pflegepersonal aus einer Klinik in Hanau. Statt jeden Abstrich einzeln nach den Viren zu untersuchen, kommen bis zu 50 Abstriche in ein sogenanntes Poolröhrchen. Das bedeutet viel mehr Test in kürzerer Zeit. Dafür wird in einem speziellen Verfahren, die Hülle des Virus zerstört, übrig bleibt die Erbsubstanz. 

Diese Informationen der Zelle werden ausgelesen um zu wissen ob die Tests positiv oder negativ sind. 480.000 Euro kostet das Gerät. 4 Stunden – dann das Ergebnis: "Wir gehen davon aus, wenn diese Tests negativ sind, dass dann alle Tests, alle Proben, die in diesem Pool enthalten sind, dann auch negativ sind. Das ist sozusagen der Idealfall. Wenn einer der Proben oder der Probanden positiv ist würde dann der ganze Pool positiv werden." Dann müssen die Abstriche noch einmal einzeln geprüft werden.

Eine Methode für den globalen Einsatz

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Medikamentenschrank in einer Apotheke
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Mit dem Pool-Verfahren können jetzt ganze Berufsgruppen getestet werden. Die Polizei und Feuerwehr in Frankfurt wollen mit der routinemäßigen Testung anfangen. Mit der Frankfurter Methode lässt sich in Deutschland die Anzahl der Untersuchungen auf 400.000 pro Tag steigern. Und nicht nur bei uns: "Ich habe heute ein Telefonat gehabt mit der Weltgesundheitsorganisation  die sehr interessiert ist an einem solchen Pool- Verfahren, insbesondere für Entwicklungsländer." Eine Methode also für den globalen Einsatz.

Sandra Ciesek forscht weiter nach einem Corona-Arzneimittel. Was bei Hepatitis C geklappt hat, soll auch jetzt gelingen. Ihr Fokus dabei: ein Medikament, das schon zugelassen ist. Das spart lange Studien. Knapp 6.000 Substanzen haben sie und ihr Team bereits geprüft: "Und was ich persönlich interessant fand, waren verschiedene Mittel gegen Pilzinfektionen, die auch gegen SARS CoV 2 eine Wirkung gezeigt haben. Da die zugelassen sind, könnte man hier natürlich eine klinische Studie planen oder ein Heilversuch im Patienten mit Sars CoV 2 zeitnah umsetzen."

Für die Virologen ist das Virus an sich nicht das gefährliche, sondern dessen schnelle globale Verbreitung. Ein Ziel in der Pandemie war, die Testkapazitäten zu erhöhen. Das ist gelungen.

Autorin: Barbara Berner