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zum Video Die Alles-Vergleicher - warum Hessens Verbraucherzentrale Check24 und Co kritisiert

Tarife und Preise online vergleichen – mit einem Klick Geld sparen – so das Werbeversprechen. Alles Abzocke? mex will wissen: Wie gut sind Vergleichsportale wirklich?

Rund 70 Prozent der Deutschen sind regelmäßig auf Vergleichsportalen. Über 100 Plattformen werden genutzt. Der Jahresumsatz beträgt fast 4 Milliarden Euro. Zu den erfolgreichsten hierzulande zählt Check24. Das Portal hat über 15 Millionen Kunden und einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro. Dahinger liegt Verivox mit über 8 Millionen Kunden. Jahresumsatz: 130 Millionen Euro.

Marktmacht schafft Reichweite. Aber warum nutzen Verbraucher Vergleichsportale überhaupt? mex ist auf dem Weg zur Verbraucherzentrale Hessen. Antworten gibt es dort von Kai-Oliver Kruske: „Die meisten wollen sich erst einmal so ein bisschen informieren – wollen die Marktlage checken, wollen schauen was es so für Anbieter gibt. Zweitens gibt es Verbraucher, die einen neuen Anbieter suchen und sich deswegen informieren. Und drittens gibt es Verbraucher, die auch Verträge abschließen wollen auf dem Portal selbst.“ Der Vorteil für Verbraucher: Die Nutzung von Vergleichsportalen bleibt kostenlos. Und trotzdem sind diese Portale für ihre Betreiber profitabel.

Wie verdienen Vergleichsportale Geld?

mex besucht Verivox in Heidelberg, 15 Kilometer Luftlinie hinter der hessischen Grenze. Hier wollen wir herausfinden: Wie verdienen Vergleichsportale ihr Geld? Die Pressesprecherin O-Ton Dagmar Ginzel erklärt: „Es gibt drei Bereiche, über die wir Geld verdienen: Provision, Werbung und der Verkauf von Marktdaten. Keine Kundendaten.“ Marktdaten geben Dienstleistern Infos darüber, welche Produkte wo für Verbraucher interessant sind. Dass Vergleichsportale u. a. mit Werbung und Daten Geld verdienen sei legitim, so Verbraucherschützer. Sie kritisieren wie Kruske die mangelnde Transparenz: „Man kann nicht erkennen, ob 80 Prozent der Anbieter bei einem Portal gelistet sind oder vielleicht nur 20. Dann ist ein nächster Punkt, dass Verbraucher nicht erkennen können, wie hoch Provisionszahlungen anfallen.“

Auch das Bundeskartellamt kritisiert Vergleichsportale in einer Ende 2018 veröffentlichten Untersuchung. Da heißt es beispielsweise:

  • Einige Vergleichsportale greifen aktiv in die Preisgestaltung ein
  • Nicht alle Strom- oder Reise-Anbieter tauchen in der Suchliste auf
  • Je umfangreicher der Kunde sucht, desto größer die Gefahr, einen falschen Tarif abzuschließen.

Verivox-Sprecherin Ginzel sagt: Wir handeln 100 Prozent verbraucherfreundlich. Sie ärgere sich daher ganz besonders über diese „Palette an Vorwürfen“: „All die Vorwürfe treffen nicht zu. Wir sagen seit Jahren auf der Website schriftlich, dass wir Provision bekommen. Das ist für unsere Kunden kein Problem, weil wir Tarife darstellen, die wir vermitteln und für die wir eine Provision bekommen.“

Auch Check24 äußert sich auf mex-Anfrage wie folgt: Erstens mache man das Geschäftsmodell auf der Website publik und zweitens  …„Provisionen haben bei Check24 keinen Einfluss auf die Vergleichsergebnisse.“

Wie kommen Hessens Verbraucher an ein gutes Angebot?

Also alles günstig und transparent für Hessens Verbraucher? Sind Werbung und Suchergebnisse jederzeit gut nachvollziehbar? Er gehe davon aus, dass es von einer seriösen Verbraucherzentrale kommt, meint ein Verbraucher während einer kurzen mex-Umfrage.   Eben nicht. Denn die bemängelt nach wie vor manches Suchergebnis. Erstes Beispiel: Verivox. Kategorie: Stromanbieter. Auffällig hier, so Kruske: die blau unterlegte Fläche an erster Stelle – Werbung: „Das ist eine sogenannte Nullstellenposition. Und hier besteht die Gefahr für Verbraucher, dass man zu viel zahlt. Oder möglicherweise an einen Anbieter gelangt, der jetzt nicht das beste Gesamtpaket anbietet im Vergleich zu Position 1.“

Zweites Beispiel: Check24. Kategorie: Reise. Gesucht: Ein zweiwöchiger Sommer-Urlaub für eine vierköpfige Familie. Ist ein gutes Angebot dabei? Kruske erklärt: „Man erkennt, dass es direkt los geht mit einer roten Meldung. Sehr hohe Nachfrage bei unseren Kunden. Von diesen Mitteilungen nicht beeinflussen lassen – es besteht die Gefahr, dass man sich unter Druck gesetzt fühlt, dass Oh, jetzt muss ich es direkt buchen – sonst entgeht mir ein Schnäppchen.“

Diese Stolperfallen lassen sich aber leicht umgehen – und so können Hessens Verbraucher an ein Schnäppchen kommen:

  • Schauen Sie genau hin – nicht alle Marktanbieter sind auf jedem Portal vertreten
  • Prüfen Sie die Bedingungen sorgfältig – falls ein Angebot einen Rabatt oder Bonus beinhaltet
  • Lassen Sie sich von Hinweisen wie „zeitlich begrenzt“ oder „häufig gebucht“ nie unter Druck setzen. Oft beziehen sich diese Hinweise nicht auf Ihre Suche
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Das mex-Fazit

Vergleichsportale sind für Hessens Verbraucher zur ersten Orientierung eine gute Wahl. Verbraucher sollten trotzdem Tarife und Preise zwischen Vergleichsportal sowie Anbieter direkt vergleichen…

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