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Höherer Kraftstoffverbrauch, Kaputte Fahrzeuge, hohe Werkstattkosten. Bei vielen hessischen Dieselfahrern läuft seit dem Update nichts mehr rund. mex will wissen: hängen die Probleme tatsächlich mit dem Update zusammen? Welche Möglichkeiten haben betroffene Dieselfahrer?

Stephan Köhler hatte 4 Jahre nur Freude an seinem Tiguan. Bis VW sein Fahrzeug 2017 aufgrund des Abgasskandals in die Werkstatt rief. Seit dem kam es viermal zu lebensgefährlichen Situationen: Beim Überholen von einer LKW-Kolonne geht er auf einmal in die Knie, bei einer Geschwindigkeit von 160, 170 geht er auf einmal runter auf 20, da sehen Sie die hinten aber ganz schön schnell auf sich zurasen.“

Zwar hat VW den Wagen jedes Mal auf Kulanz repariert, doch Köhler hat das Vertrauen in sein Fahrzeug längst verloren: „Normalerweise, vor dem Update, wäre ich mit dem Auto um die Welt gefahren. Nach dem Update nur noch Kurzstrecke.“ Jetzt klagt er vorm Landgericht in Frankfurt. VW soll seinen Wagen zum angemessenen Preis zurück nehmen. Dafür muss sein Anwalt Philipp Neumann aber l beweisen, dass die Probleme tatsächlich mit dem Update zusammen hängen. Gibt es denn einen Zusammenhang? mex hat beim Autokonzern nachgefragt.

„Bei den uns bekannten Beanstandungen konnte ein Zusammenhang mit der Umsetzung der technischen Lösung ausgeschlossen werden. Darüber hinaus melden sich kaum Fahrzeughalter (...) mit Beanstandungen bei uns.“

Für VW alles Einzelfälle. Kann das sein?

Das Update ist wichtig, hat aber Folgen

mex trifft Anwalt Joachim Cäsar Preller in Wiesbaden. Allein er vertritt 1.800 Mandanten mit Diesel-Fahrzeugen. Jeder Einzelne hat seitdem Update Probleme: „Beim gravierendsten Fall, das war ein Mandant, der in Paris unterwegs war auf der Stadtautobahn, da ist das Fahrzeug auf einer sechsspurigen Autobahn komplett ausgefallen, das war lebensbedrohlich, auf jeden Fall.“

Auch wir haben nach unserem mex-Facebook-Aufruf rund 50 Zuschriften von Dieselfahrern erhalten, die über massive Probleme klagen. Häufigste Nennung: ein kaputtes Ventil. Und selbst bei unserer spontanen Straßenumfrage finden wir viele, die nach dem Update Probleme mit ihrem Auto zu haben.

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Alles Folgen des Updates? Wir sind bei Stefan Carstens in Viernheim. Er ist Inhaber eines Unternehmens für Abgassensoren, und forscht unter anderem im Bereich Emissionsreduzierung. Für ihn ist klar, das Update ist wichtig, hat aber Folgen: „Das hängt alles eindeutig mit dem Update zusammen. Vorteil ist natürlich, wir kriegen bessere Abgaswerte, die Luft in den Städten kann verbessert werden. Aber das geht  auf die Lebensdauer der einzelnen Bauteile.“ Klagen lohnt sich, sagt Anwalt Cäsar Preller. Sein Mandant Friedrich Braun ist zuversichtlich, dass er seinen Diesel bald los ist: „Die Richterin ließ keinen Zweifel daran, dass wir Recht bekommen, in der Sache.“

Noch keine befriedigenden Lösungen

Ansonsten macht die Politik ein „besonderes Angebot“. Diesen Brief verschickt das Kraftfahrt Bundesamt seit Herbst 2018 an rund 2 Millionen Besitzer älterer Diesel Fahrzeuge. Darin schreibt die Behörde:

"Durch Ihr Mitwirken bei der Flottenerneuerung kann die Luft in unseren Städten weiter verbessert werden, ohne dass Sie eine Einschränkung für Ihr Mobilitätsverhalten befürchten müssen."

Direkt unter dem Briefkopf lesen wir die Hotlines und email-Adressen von BMW, Daimler und Volkswagen. Doch was bedeutet die sogenannte „Umtauschaktion“ konkret für einen Autobesitzer? Wir rechnen das mal aus:  

Ein VW-Passat, 10 Jahre alt, Diesel Euro 5 - ein vergleichbar ausgestatteter Passat mit Euro 6 kostet mindestens 20.000 Euro, die VW- Wechselprämie eingerechnet. Für den alten gibt der VW-Händler bis zu 3000 Euro. Bleiben dem Autofahrer Kosten für die vielbeworbene Umtauschaktion von 17.000 Euro.

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Das mex-Fazit

Der Dieselskandal ist noch lange nicht ausgestanden. Immer mehr Dieselbesitzer klagen über massive Probleme nach dem Software-Updates und gehen gegen die Autokonzerne vor. Die bieten noch immer keine befriedigenden Lösungen an.

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Autorin: Anke Heinhaus