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2018 war ein Dürrejahr. Und jetzt ? Wie sieht es derzeit im Wald und auf den Äckern aus? mex will wissen: Wie bereiten sich Landwirte und Waldbesitzer auf die Trockenzeiten der Zukunft vor?

Ein katastrophales Bild: Tote Bäume, weil das Wasser fehlt. Überall Trockenschäden, auch, was jetzt noch grün erscheint. Jeder Regentropfen zählt derzeit. Doch Meteorologen fürchten erneut ein zu trockenes Jahr. Wir sind unterwegs im Krodorfer Forst bei Wettenberg, Kreis Gießen. Förster Ralf Jäkel zeigt uns eine vertrocknete Fläche. Da standen um die 100 Bäume. Jetzt ist es nur noch der kaputte Rest eines Fichtenwaldes - das Resultat des Dürresommers 2018: „Den Bestand haben wir aufgegeben, das was grün scheint, ist sicher auch schon befallen und wird über kurz oder lang absterben.“

Die Borkenkäfer und Pilze haben die dürregeschädigten Bäume befallen, geben ihnen jetzt den Rest. Das Holz taugt oft nicht einmal mehr zum Verkauf. Der Verlust allein hier bei den Fichten beträgt 5 Millionen Euro. Wie hoch die Schadenssumme in seinem gesamten Forst wird, für den Förster nicht absehbar: „Wir können die Schäden, die sich im Laubholz abspielen, nicht beziffern, weil wir nicht wissen ob die Bäume die jetzt krank sind auch tatsächlich sterben werden. Das werden sie tun wenn die Witterung so wird wie im Vorjahr.“

Die Böden haben sich nicht mehr erholt

Das Problem des Laubwaldes sehen wir drei Kilometer weiter. 60 Prozent hier im Forst sind Buchen. Was auf den ersten Blick grün und gesund erscheint, ist nur das letzte Aufbäumen jetzt in der Vegetationszeit. Viele der bis zu 120 Jahre alten Buchen werden absterben, denn der Boden hat nicht genug Feuchtigkeit.

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DWD: Niederschlagsdefizit aus 2018 in vielen Regionen noch nicht ausgeglichen

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Zusammen mit Tim Staeger, Diplom-Meteorologe beim Hessischen Rundfunk, schauen wir uns die Werte der Bodenfeuchtigkeit an. Der Verlauf 2018 ist viel niedriger als der Durchschnittswert in Hessen der letzten 30 Jahre: „2018 war es im Winter sehr feucht, dann kam die trockene Witterung. Die Bodenfeuchte ist abgesackt, hat sich kurz stabilisiert, um dann im Sommer, weil es lange Zeit trocken war, runter zu gehen auf 40 Prozent. Und die Böden haben sich auch im Rest des Jahres nicht mehr erholt.

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Wie viel Feuchtigkeit fehlt, das wird schon beim einfachen Graben deutlich. Wir sind zurück im Krodorfer Forst. Hier steht eine von sieben Wald-Beobachtungsstationen in Hessen. Unter anderem wird die Bodenfeuchte gemessen. Auch Henning Meesenburg, Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt, kann keine Entwarnung geben. Alles viel zu trocken, 2018 und jetzt: „Von da ist in diesem Jahr die Situation so, dass wir in einigen Standorten sehr große Defizite haben, dass die Wasserspeicher nicht komplett aufgefüllt sind, zum Teil nur bis 50 Prozent.“

Die nächste Dürre droht

Das Schlimme: Schon jetzt droht die nächste Dürre. Und das ist keine Panikmache, sagt unser HR-Meteorologe. Ein Blick auf die Bodenfeuchte von diesem Jahr: Die ist noch tiefer gesunken als im vergangenen Jahr: „Es war im Winter schon zu trocken und dann kam der trockene Februar und die Bodenfeuchte ist Ende April so niedrig gewesen, wie typischerweise erst im Spätsommer. Auch wenn es aktuell wieder regnet und leicht ansteigt: Wir befinden uns auf einem kritischen Niveau und wenn die Kurve hier runter geht, dann haben wir auch wieder Dürre.“

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Trockenheit fürchtet auch Landwirtin Andrea Rahm-Farr aus Büdingen. Ihren Feldern fehlt schon jetzt die Bodenfeuchte. Und das letzte Jahr hat dem Hof zugesetzt. Da war immer die Frage, wie die 430 Milchkühe satt zu bekommen sind.

Da mussten sie große Mengen Futter zukaufen. Das war immens teuer. Denn der Markt war leer gefegt. So kostet sie jede Kuh 500 Euro mehr als in anderen Jahren. Insgesamt 215.000 Euro legten sie bei den Futterkosten drauf. Aber mehr Geld für die Milch gab es nicht: „Ein zweites Dürrejahr jetzt in 2019 würde sehr viele Betriebe an den Rand der Existenz bringen. Das halten wir nicht noch mal aus.“

Wir brauchen Regen

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Die Bilanz der Dürre bei hessischen Bauern 2018: Schaden etwa 150 Millionen Euro. Der Dürresommer zwang den Familienbetrieb zu veränderter Landwirtschaft. Aus dem Ackerland machen sie Grünland - alles Futter für die Kühe. Und sie decken sich ein mit Tonnen von Zuckerrübenschnitzeln und sogenannten Biertreber, die Reste vom Bierbrauen. Die Vorratshaltung soll sie über eine mögliche kommende Dürre bringen.

Die Strategien für die Wälder dagegen sind nicht so einfach. Zwar gehören gewisse junge Buchen schon zu einer Sorte, die weniger Bodenfeuchte braucht.  Aber der Wald der Zukunft muss anders aussegen, sagt Förster Jäkel: „Wenn wir sehen, dass die Klimazonen sich von Süd nach Nord verschieben reden wir in 50 Jahren von Mittelmeer-Arten wie Esskastanien und Flaumeiche.“

Die Wälder und die Landwirtschaft - beide brauchen sie dringend Regen. Sonst sieht es von oben bald noch brauner und trauriger aus.

Autorin: Barbara Berner