E-Bus

Video

zum Video E-Busse – Deutsche Hersteller kämpfen um den Anschluss

Seit zehn Tagen ist Frankfurt die erste Stadt in Hessen, die eine ganze Linie auf Elektro umgestellt hat. Immer mehr Städte setzen auf Elektrobusse. Doch von wegen Made in Germany. Die hochgelobte deutsche Automobilbranche hinkt in Sachen E-Bus hinterher. MEX zeigt die Folgen.

Der technische Fortschritt ist da. Nur kommt er aus Polen, nicht aus Deutschland.  Für den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt ist Alois Rauschka verantwortlich. Er hatte gar keine andere Wahl. Es gab nur ausländische Anbieter bei der Ausschreibung: „Wir hatten drei Anbieter, die letztendlich dann zur Bewertung zugelassen worden sind und nach der Punktzahl war Solaris der günstigste Anbieter.“

20 weitere Busse sollen kommen, irgendwann. Denn die Nachfrage boomt aktuell europaweit, mit Folgen für die deutschen Städte. Rauschka sagt: „Der Markt ist ziemlich leergefegt. Wir müssen damit rechnen, dass die Lieferzeiten letztendlich mehr als 12 Monate betragen.“ Das bedeutet konkret: frühestens  Ende 2020 surren weitere E- Busse auf Frankfurts Straßen.

Videobeitrag
E-Mobilität: Umbruch in der Auto-Industrie?

Video

zum Video E-Mobilität in Hessen

Ende des Videobeitrags

Deutschlandweit sieht das so aus: Wir haben  23 Städte gefragt, wie viele E-Busse sie bis 2020 anschaffen wollen. Das Ergebnis: 447 E–Busse werden allein in diesen Städten gewünscht. Da winkt ein  Megageschäft. Bei einem  Durchschnitts Preis  von etwa 500.000 Euro pro Bus. Doch noch verdienen nur ausländische Hersteller.

Die 183 Busse, die derzeit rein elektrisch durch Deutschland fahren kommen, im Norden überwiegend aus Polen. Im Westen aus den Niederlanden, im Südwesten aus Polen, der Türkei und der Schweiz. Im Südosten aus den Niederlanden, China und Polen.

Was tut sich in Deutschland?

Und wo bleiben die klassisch Deutschen Bushersteller wie MAN und Daimler? Was ist los? Jens Schmitz vertritt im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen 600 städtische Verkehrsbetriebe. Er wirft den Herstellern vor, zu lange aufs falsche Pferd gesetzt zu haben: „Die Hersteller haben den Trend verschlafen und unsere großen deutschen Hersteller, die eben auch Motoren selber fertigen, setzen weiterhin auf die Verbrennungstechnik, auf die Eurosechs-Verbrennungsmotoren-Technik und können aktuell nicht Elektrobusse liefern, wie wir sie anfordern und brauchen.“

Nehmen wir zum Beispiel den Nutzfahrzeughersteller MAN, der zu VW gehört. Jährliche Produktion: über 5.000 Dieselbusse. Elektro:  kein einziger im Angebot. Aber immerhin: „Die Serienproduktion startet  Ende 2020.“

Weitere Informationen

Mehr zum Thema

Ende der weiteren Informationen

Das zweite Beispiel ist Daimler. Jährliche Produktion: 3.500 Dieselbusse. Aber während unserer Dreharbeiten fahren gerade mal 5 elektrische auf deutschen Straßen. MEX trifft Entwicklungschef Gustav Tuschen. Der versichert uns, im nächsten Jahr geht der E-Citaro in Serie, nach 5 Jahren Entwicklungszeit: „Natürlich wäre es möglich gewesen mit der Entscheidung 2013 auch ein Produkt früher auf den Markt zu bringen. Wir bringen etwas auf den Markt,  wenn es ausgereift ist und wenn es Benchmark ist, und das ist jetzt passiert.“ Für Daimler geht es also jetzt los, dabei ist die Nachfrage längst davon galoppiert.

So verschläft man einen Markt

Beispiel Heidelberg. Dort will man zusammen mit Ludwigshafen und Mannheim  möglichst schnell umstellen. Sie bekommen im Januar ganze 3 E-Citaro für 3 Städte. So richtig Freude kommt  bei Oberbürgermeister  Eckart Würzner (parteilos) da nicht auf: Die G8 mit Europa haben klar gesagt, wir brauchen bis 2050 80 Prozent CO2 Reduktion, gerade Busse sind ganz entscheidend dabei. Und da brauchen wir natürlich einen ganz anderen Schub. Und wenn die Industrie das nicht versteht verschläft sie einen riesen Markt.“

Im Betriebshof wird die Ladeinfrastruktur zurzeit ausgebaut. Die wird im Januar fertig sein. Um die Flotte aller Städte umzustellen, braucht es politischen Druck, da ist sich der Heidelberger Oberbürgermeister sicher: „Man braucht klare Vorgaben für Flottenverbräuche, damit die Hersteller gezwungen werden, auch solche Fahrzeuge in ganz anderer Stückzahl zu liefern.“

Videobeitrag
Ein Elektroauto wird aufegeladen und hängt am Strom.

Video

zum Video Fahrverbote - wo in Hessen schon elektrisch gefahren wird

Ende des Videobeitrags

Denn die Gesamtzahl an Elektrobussen, die europaweit produziert werden, ist gering. Nach unseren Recherchen liegt sie bei schätzungsweise 3.500 – für den gesamten europäischen Markt.

Alternative zum Diesel gesucht

MEX besucht VDL Bus & Coach in Belgien. Das kleine Unternehmen ist einer der Vorreiter in Sachen E-Bus. Schon 2014 lieferten sie den Ersten nach Köln, 4 Jahre bevor Daimler jetzt den ersten Bus präsentiert. Mittlerweile fertigt der Maschinenbauer in 2 seiner 6 Werke nur noch Elektromodelle. Die Produktion soll auf 400 Stück jährlich hochgefahren werden, erzählt uns Deutschland-Chef Gerhard Ros.

Doch für deutsche Städte ist auch das kaum Grund zum Jubeln, denn auf die deutschen Kunden hat man hier nicht gewartet: „Nein, wir werden nicht alle bedienen können, und unsere Philosophie ist, dass was wir anbieten auch nicht in jede Stadt passt. Das gibt es Städte, die in eine andere Richtung gehen. Wir sind selektiv. Wir gucken auf die Städte, wo unsere Fahrzeuge passen.“

Die Städte brauchen gezwungenermaßen eine Alternative zum Diesel. Doch das dauert, auch weil die deutsche Automobilindustrie so behäbig reagiert.

 Autor: Barbara Berner