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zum Video Fahrrad-Boom – Woher die neue Lust am Radfahren kommt

Ein Gruppe Radfahrer in Frankfurt

Erst die Klimakrise, jetzt Corona: Immer mehr Hessen satteln um: Die Folge: Fahrradhändler machen den Umsatz ihres Lebens und können sich vor Anfragen kaum retten. Mex will wissen; welche Folgen hat der Fahrradboom für Hessens Städte?

In der Coronakrise schwingen sich die Hessen landauf, landab in den Sattel. Auf dem Fahrrad kommen sie virenfrei zur Arbeit, ersparen sich die Maskenpflicht in Bus und Bahn, und entradeln so dem Lagerkoller. Aktuell verbringen die Hessen mehr als doppelt so viel Zeit im Sattel wie vorher – nur saisonbedingt?

Mex besucht in Friedberg den Fahrradladen Rückenwind. Seit 30 Jahren verkauft hier Frank Bering vor allem Fahrräder. April, Mai und Juni waren schon immer die Saisonstärksten Monate, doch so groß wie in dieser Saison war das Interesse noch nie: "Ich bin ja schon lange in der Branche, und wenn ich mal zurück denke - vor 15 Jahren, hat man sich kaum für uns interessiert und dass jetzt Politiker zum Fahrradfahren aufrufen, das ist toll für das Produkt und das freut uns." Sein Umsatz ist um durchschnittlich 40 Prozent gestiegen.

Das Interesse spiegelt sich auch im Internet wieder. Die Nachfrage nach Fahrrädern und Fahrradteilen

  • ist online um bis zu 400 Prozent gestiegen
  • nach Fahrradzubehör um bis zu 200 Prozent
  • nach Fahrradkleidung um bis zu 150 Prozent

Nicht nur die 5 Verkäufer, auch die Mitarbeiter in seiner Werkstatt sind ausgelastet. Die Kunden im Fahrradladen Rückenwind bestätigen: Der Kauf von eBike, City Rad und Co waren ungeplante Spontankäufe im Lockdown. Ohne Corona hätte es die nicht gegeben. Bei diesem Interesse sind die Lager im Rückenwind schnell leer.

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Eine Datenauswertung zeigt nun, wie stark das Fahrrad an Bedeutung gewonnen hat: Die Deutschen verbringen bis zu viermal so viel Zeit im Sattel wie zuvor. Während Autofahrer zur Hoch-Zeit der Coronakrise im April nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Zeit auf der Straße verbracht haben, nähert sich die Zahl inzwischen wieder dem Normalwert an.Die größten Corona-Verlierer sind Bahn und Bus. Die Nutzung hat um teilweise mehr als 60 Prozent abgenommen.

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Dauerhaft mehr Raum gefordert

Doch wie reagieren Hessens Städte auf die neue Situation? Weniger Autoverkehr, dafür mehr Radler. Das ruft die Fahrrad-Initiativen auf den Plan. Überall in Hessen richten sie auf Straßen temporäre Fahrradwege, sogenannte PopUp Lanes, ein: Die Botschaft: Radverkehr braucht mehr Raum, der Autoverkehr muss ihn abtreten.

Am liebsten dauerhaft, fordert etwa die Radinitiative in Darmstadt: "Wir konnten auch beweisen, dass der Autoverkehr nicht zusammenbricht. Es haben sich keine großen Staus gebildet, die Flächen müssen nur umverteilt werden, wir wünschen uns natürlich, dass der OB erkennt, dass wir zu einer neuen Normalität gelangen."

Das möchte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Bündnis 90/ Die Grünen) auch, aber anders. Von temporären Radwegen ist er nicht überzeugt: Auf der einen Seite ist es sehr reizvoll, wir können direkt etwas probieren. Auf der anderen Seite wird die Enttäuschung groß sein, wenn der Autoverkehr wieder stärker wird, und dann die Konsequenz ist, wir nehmen es zurück."

Stattdessen plant er, dass Darmstadt innerhalb von 4 Jahren mit 16 Millionen Euro Schritt für Schritt zur Fahrrad-Musterstadt umgebaut wird. Dauerhaft statt temporär! In Frankfurt ist man etwas weiter: Radwege wurden erneuert, verbreitert und den Autofahrern wurden bereits Spuren weg genommen. Sehr zur Freude der Fahrradfahrer.

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Das Mex-Fazit:

Die Lust am neuen Radeln. Wichtig ist, dass vor allem die Städte jetzt die Weichen dafür stellen, damit der Fahrradboom auch Bestand hat.

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Autorin: Anke Heinhaus