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Sujetbild: Ein Mann mit Schutzmaske schlendert durch die Gegend, im Hintergrund sind Menschen ohne Masken zu sehen.

Viele Corona-Infizierte berichten über neurologische Symptome, die darauf hindeuten, dass auch das Gehirn an der Krankheit beteiligt ist. Wie das zu beurteilen ist, erfahren wir vom Gesundheitsexperten Gerd Glaeske.

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Medizinische Proben
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Matthias Onken hat Covid 19 überstanden. Heute bewegt er sich zum ersten Mal seit fast 3 Wochen wieder in der Stadt. Noch immer isst er nur, weil er muss, nicht aus Lust. Denn im Lauf der Erkrankung litt er nicht nur an Husten, Kurzatmigkeit und Fieber. Er verliert über Tage auch seinen Geruchs- und Geschmackssinn und nimmt 6 kg ab: Ich habe gar kein Verlangen nach Süßem, nach salzig, nach Deftigen gehabt. An Tag der vier der Erkrankung habe ich gemerkt, dass ich gar nicht mehr riechen kann."

 Eine Studie aus Belgien an 400 Covid19 Patienten zeigt: 86 Prozent spüren eine Beeinträchtigung des Geruchssinns. Der Geschmackssinn war sogar bei 88 Prozent gestört. Und das obwohl Covid-Patienten meist keine verstopfte Nase haben, wie bei anderen Erkältungskrankheiten. Das wissen Virologen inzwischen. Die Virologin Marylyn Addo sagt: "Wir haben von Fällen berichtet bekommen, die fast keine Symptome hatten, sondern ausschließlich diese Geruchs und Geschmackssinn Störungen."

Teile des Körpers passen nicht zusammen

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Arzt am Bett eines Corona-Patienten
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 Neurologen vermuten, dass die Viren auch die Nerven angreifen und dadurch diese Symptome entstehen. Auch bei früheren Corona-Viren hat man das beobachtet, weiß der Neurologe Christian Gerloff: "Man weiß aber von der Sars Erkrankung etwas älteren Coronavirus, das bei genauerer Untersuchung des Gehirns schon betroffen sein kann. Da gibt es gute Studien, dass die Viren bis dahin gelangen. Und das ist sehr gut denkbar, auch für das neue Virus. Wahrscheinlich unterschätzen wir das im Moment."

Auch Anca Mannhardt hat Covid 19 überstanden. Auch sie hatte Symptome, die ihr untypisch erschienen. Die Kinderärztin hat sie mit ärztlicher Neugier an sich selbst beobachtet: "Es hatte sich angefühlt, als ob die Teile des Körpers irgendwie nicht so richtig zusammengehören und dass es ein unglaublicher Aufwand war, sich beispielsweise aufzuraffen, um sich irgendwas zu trinken zu holen."

Anca Mannhardt verlor für ein paar Tage lang ihren Geruchssinn und ekelte sich vor Essen, das sie sonst gerne mag. Sie riecht häufig Wundsekret, wo keins ist. Dann Rauch, und jetzt ab und an noch gebratenen Speck.

Das Gehirn ist beteiligt

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Neurologen kennen solche Geruchssensationen von anderen Erkrankungen. Sie deuten auf eine Beteiligung des Gehirns hin, sagt der Neurologe Peter Berlit: "Wir wissen von Patienten, die dauerhaft ihren Geruchssinn verloren haben, dass sozusagen Gerüche, die im Hirn abgespeichert sind, sich dann verselbstständigen und wahrgenommen werden, obwohl der entsprechende Geruch nicht vorhanden ist." 

Auch die oft sehr plötzlich auftretenden Lungenversagen bei Menschen mit schweren Verläufen von Covid 19 könnten, neben der Lungenentzündung selbst, neurologische Ursachen haben, sagt Berlitt: "Wenn man bedenkt, dass die meisten Patienten mit Covid 19, die intensivpflichtig werden, tatsächlich nicht mehr spontan atmen, muss man sich ja fragen, warum das so ist. Eine mögliche Erklärung ist tatsächlich, dass die zentrale Atemregulationen beeinträchtigt ist."

Gerade für die Entscheidung, wer wie lange beatmet wird, ist es relevant zu wissen, ob nur die Lunge entzündet ist, oder ob auch das Gehirn eine Rolle spielt. Das wollen Neurologen jetzt in Studien erforschen. Von den Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen weiß man schon, dass sie sich meist innerhalb von 14 Tagen zurück bilden. Auch Matthias Onken geht es jeden Tag besser.