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zum Video Frag Glaeske - Die Gefahren verschreibungspflichtiger Schlafmittel

Rezeptpflichtige Schlafmittel können suchterzeugend wirken. Es ist schwer, wieder davon loszukommen. Manchmal hilft nur noch eine Entgiftung. Über die Gefahren der Schlafpillen klärt uns der Gesundheitsexperte Gerd Glaeske auf.

Melanie Büttner auf dem Weg in die Suchtklinik. Die damals 43-Jährige ist schwer schlafmittelabhängig, nimmt täglich 20 Tabletten. Hier will sie entgiften. Suchtexperte Dr. Rüdiger Holzbach erklärt Melanie, wieso sie bisher nicht von den Tabletten loskam: „Das Entscheidende ist, sie dürfen nicht nur einmal am Tag die Dosis geben, sondern Sie müssen die bisherige Dosis möglichst gleichmäßig über den Tag verteilen, weil diese großen Spiegelschwankungen sind das, was letztendlich den Entzug ausmacht.“

Melanie Büttner bekommt nun ein Ersatzmedikament, dessen Dosis von Tag zu Tag geringer wird. Sie macht eine Entgiftung, und soll dabei die Verringerung der Tagesdosis miterleben. Das Ziel: Am letzten Tag soll sie bei „Null“ sein – weg vom Schlafmittel Zolpidem.

Das bekam sie regelmäßig vom Arzt verschrieben – so wie Millionen andere Patienten auch: „Also wenn ich jetzt so zurückblicke, und daran denke, wie viele Rezepte ich von den Ärzten bekommen habe, dann ist das meiner Meinung nach nur eine Förderung gewesen von der Sucht. Wenn man mir vorher schon die Quellen geschlossen hätte, egal ob Kassen- oder Privatrezept, also die Rezepte gar nicht mehr gegeben hätte, dann wäre das nicht so weit gekommen mit der Sucht.“

Auf suchterzeugende Medikamente verzichten   

Vielen Medizinern ist inzwischen bekannt: Schlafmittel wie Zolpidem machen abhängig. Zwar geht die Zahl der Verschreibungen runter, aber die Zahl der verkauften Verpackungen hat sich verdoppelt.

Die Folge: Ein Großteil der Patienten hat sich an den Zustand der Abhängigkeit gewöhnt und ihre Ärzte scheinbar an die regelmäßigen Verschreibungen. Eine Praxis, die den Erfolg einer Entgiftung zunichtemacht, weiß Holzbach: „Natürlich bekommt jeder Patient am Ende der Behandlung auch einen Brief für den Hausarzt mit, wo dann klassischerweise am Ende steht, ‚Wir bitten auf suchterzeugende Medikamente zu verzichten‘. Die Erfahrung zeigt, dass trotzdem beim nächsten Besuch, wenn Patientin, Patient darum bittet, auch gleich wieder die Substanzen verschrieben werden.“ Mittlerweile ist Melanie Büttner clean. Doch die ehemalige Verwaltungsangestellte ist jetzt frühverrentet, in Folge mehrerer Bandscheibenvorfälle - und der Tablettensucht.

Im Video erklärt Prof. Glaeske, wie gefährlich verschreibungspflichtige Schlafmittel wirklich sind.