Patient beim Zahnarzt.

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Diagnose Kreidezähne – ein Schock für Kinder und Eltern. Eine neue Volkskrankheit - und niemand kennt ihre genaue Ursache. Was man Eltern empfehlen kann, sagt uns der Gesundheitsexperte Gerd Glaeske.

Die siebenjährige Dilayla ist betroffen. Vor einem halben Jahr brachen bei ihr die bleibenden Backenzähne durch. Bei einer Routine-Untersuchung bemerkt ihr Zahnarzt verdächtige Flecken auf den Zähnen.Ihr Zahnarzt überweist Dilayla an eine spezialisierte Kinderzahnärztin. Doch schon in den wenigen Wochen bis zum Termin verschlechtert sich der Zustand eines Zahnes dramatisch, innerhalb von vier Wochen ist der Zahn komplett zusammengesackt und total schwarz.

Die Spezialistin stellt schließlich fest: Dilayla leidet an sogenannten Kreidezähnen. Bei vier bleibenden Zähnen ist der Zahnschmelz nicht richtig entwickelt. Zweimal Zähneputzen am Tag reicht deswegen nicht mehr aus. Die Zahnbürste ist Dialylas ständiger Begleiter. Sobald sie etwas isst, muss sie danach putzen. Auch ihre Ernährungsgewohnheiten muss die Siebenjährige nun umstellen. Alles, was die Zähne angreifen kann, ist tabu. Süßigkeiten sind tabu. Auch Apfelschorle.

Apfelschorle enthält Fruchtsäure. Und die greift den Zahnschmelz an. Bessern kann sich der Zustand von Dilaylas Zähnen durch den Verzicht allerdings nicht. Die Zähne sind bereits so angegriffen, dass sich die Siebenjährige in wenigen Tagen einer aufwändigen Zahn-Operation unterziehen muss.

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Volkskrankheit Kreidezähne (Plusminus)

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Höllische Schmerzen beim Essen

Und das ist kein Einzelschicksal. Experten wie Professor Norbert Krämer von der Uniklinik Gießen sprechen bereits von einer neuen Volkskrankheit. Im Alter von 12 Jahren sei bereits jedes dritte Kind betroffen: „Die Zähne werden im Knochen entwickelt, also der Schmelz wird im Knochen entwickelt und zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Die Zähne sind mindermineralisiert, dass heißt die Schmelzstruktur, die äußere Schale, ist weniger hart, ist porös, bricht bei Kaubelastung gerne zusammen.“

Die Zähne wachsen bereits krank aus dem Kiefer - so wie beim sechsjährigen Noah, den Norbert Krämer heute untersucht. Bei ihm kündigte sich die Krankheit besonders drastisch an, er hört vor Schmerzen auf zu essen. Die Ursache: Ein Backenzahn im Oberkiefer ist von der Krankheit MIH - so der medizinische Begriff für die Kreidezähne - stark betroffen.

Deswegen muss der Zahn versiegelt und mit Keramik abgedeckt werden. Nur so kann Norbert Krämer ihn stabilisieren. Im Extremfall müssen Kreidezähne sogar gezogen werden.

Sind Plastikerhärter die Ursache?

Auch für Delayla ist heute der große OP-Tag. Ihre vier Kreidezähne müssen schnellstmöglich behandelt werden, um sie erhalten zu können. Ungefähr 1,5 Stunden soll die OP dauern. Die Kreidezähne werden Füllungen bekommen, soweit möglich. Nach einer guten Stunde sind schließlich alle vier Kreidezähne behandelt.

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Mikroplastik

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Doch wie kommt es überhaupt zur Krankheit - und wieso sind auf einmal so viele Kinder betroffen? Klar ist: an schlechter Mundhygiene liegt es nicht. Prof. Krämer erklärt: „Über die Ursachen wird spekuliert. Was wir wissen, dass Atemwegserkrankungen, Sauerstoffmangel im Blut die Schmelzbildner stört. In dem Zusammenhang auch Antibiotikagabe ist beschrieben worden. Die Hauptursache momentan sehe ich in der Plastikproblematik. Und hier ist untersucht worden das Bisphenol A und die Auswirkung auf diese Schmelzbildner."

Bisphenol A wird eingesetzt, um Plastik zu härten und Konservendosen zu beschichten. Der Stoff kann in Lebensmittel übergehen, reichert sich so auch im Körper an. Es ist aber nur eine mögliche Ursache für die Kreidezähne. Noch laufen die Forschungsarbeiten, was die Zähne der Kinder so massiv schädigt. Delayla zumindest hat die OP gut überstanden. Doch es wird wohl nicht ihre letze gewesen sein. Denn ihre Kreidezähne sind auch weiterhin extrem anfällig.

Im Video erklärt Prof. Glaeske was man Eltern empfehlen kann und warum die Forschung sich so schwer tut.