Geld für Medikamente

Medikamentenverschwendung kostet uns Milliarden. Viele Medikamente landen einfach im Müll, obwohl sie noch zu gebrauchen wären. Was man dagegen tun kann, erfahren wir vom Gesundheitsexperten Gerd Glaeske.

Christian Richter ist Stadtapotheker und ärgert sich über Medikamentenverschwendung. Wenn er seinen älteren Kunden die Arzneimittel nach Hause bringt, schaut er auch die Hausapotheke durch. Elisabeth Hilgenfeldt hat einen neuen Blutdrucksenker verordnet bekommen, da kann auch die alte Packung weg. Richter nimmt sie mit und entsorgt sie in seiner Apotheke. Denn wird die Dosis umgestellt, gibt es eine neue Tablettenpackung, und die alten Pillen landen im Müll – obwohl sie noch gut sind.

Apotheker Christian Richter hat acht Wochen gesammelt. Das Resultat sind 4 große Säcke Medizinmüll – zum Teil sogar gefährlich: "Da sind auch Spritzen dabei.  Ich hab hier Insulinspritzen, da sind natürlich auch Reste manchmal, manchmal sind sogar Kanülen dran. Das ist natürlich auch potentiell infektionsgefährdend, deshalb sind wirklich auch Handschuhe wichtig." Solche Abfälle entsorgt der Apotheker auf seine Kosten in der Schadstoffsammlung,  obwohl es gesetzlich seit ein paar Jahren erlaubt ist, sie in den Hausmüll zu geben.

Telefoncoaching für chronisch Kranke

Genau deswegen weiß aber auch heute niemand mehr, wie viel Medikamente unsinnigerweise weggeworfen werden. Denn seitdem Medizinmüll nicht mehr als Sondermüll getrennt entsorgt werden muss, sondern im allgemeinen Hausmüll verschwinden kann, wird die Menge an Arzneiabfällen nicht mehr gemessen. So bleiben nur Schätzungen, sagt Mex-Gesundheitsexperte Professor Gerd Glaeske.

Er kann allerdings hochrechnen, was Jahr für Jahr an teuren Medikamenten weggeschmissen wird: "Wenn man diese Müllstudien als Basis nimmt, dann bin ich sicher, dass heute etwa um die 10 Prozent der Ausgaben sicher im Müll landen – eher mehr, eher bis 15 Prozent. Und das wären dann zwischen 5 und 7 Milliarden Euro." Könnte denn der Apotheker noch nicht abgelaufene Medikamente weitergeben? Nein, sagt Christian Richter, weil er für die Qualität nicht mehr bürgen könne.

Was also tun? Eine Möglichkeit: Patienten nehmen ihre Medikamente auch wirklich so ein, wie vom Arzt verordnet. Für Therapietreue wirbt die Techniker Krankenkasse mit einem Telefoncoaching für chronisch Kranke. Die TK hat nämlich herausgefunden: 48 Prozent lassen sich zwar vom Arzt ihre Tabletten verschreiben, nehmen sie aber nicht, weil sie ihre Wirkung auf die Krankheit nicht gleich spüren.

Lieber gleich die große Packung

Weniger Müll, da könnten auch kleinere Packungen helfen. Die Preisunterschiede sind aber oft gering wie beim Betablocker Metropolol: 30 Tabletten kosten hier 12, 92 Euro, 100 Stück nur knapp 3 Euro mehr.

Da finden viele Krankenkassen es wirtschaftlich, wenn der Arzt gleich die große verschreibt. Der Patient muss auch nur einmal zuzahlen. Aber setzt er das Medikament etwa wegen Unverträglichkeit vorzeitig ab, wandert der Rest in den Müll. Darum fordert Apotheker Richter die Verschreibung angemessener Packungsgrößen.

Wir alle zahlen mit unseren Krankenkassen-Beiträgen auch für die Medikamente, die am Ende weggeworfen werden. So muss das Geld nun wirklich nicht im Müllsack landen.

Was man gegen die Verschwendung tun könnte, erklärt der Gesundheitsexperte Prof. Gerd Glaeske.