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zum Video Frag Glaeske: Hygienmängel in Krankenhäusern

Hygiene für die Gesundheit

Hygieneskandale sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Wer sich einmal mit Krankenhauskeimen angesteckt hat, kämpft im schlimmsten Fall um sein Leben. Welche Auswirkungen Hygienemängel haben können, erklärt mex-Experte Gerd Glaeske.

Valentine Blattmanns Zehen mussten aufgrund einer Rheumaerkrankung versteift werden,  doch nach dem Eingriff schwoll ihr  Fuß mehr und mehr an. Sie muss notoperiert werden und braucht daraufhin eine langwierige Antibiotika-Therapie. Bis die Keime abgetötet sind und der Fuß verheilt ist, dauert es insgesamt fast zwei Jahre.

Hygieneverschulden schwer nachzuweisen

Valentine Blattmann will juristisch gegen das Krankenhaus vorgehen, denn ihr Anwalt glaubt, die Klinik hätte fahrlässig gehandelt und die Hygiene nicht eingehalten. Das zu beweisen ist allerdings nicht einfach. "Wenn ein Patient nach einer Infektion beispielsweise sein Bein verliert, dann liegt es nahe, dass ein Verschulden des Klinikums vorliegen muss. Gleichwohl fordert der Bundesgerichtshof, dass der Patient das Hygieneverschulden beweisen muss. Es müssen also ganz konkrete Verstöße gegen Hygienerichtlinien nachgewiesen werden - und das macht es schwierig", erklärt Medizinrechtler Michael Graf.

Zeitnot beim Personal

Hinter solchen Infektionen stecken häufig Unwissenheit und Zeitnot des Personals, kritisiert Hygienearzt Klaus-Dieter Zastrow. Ein Umstand, den es so nicht geben müsste. Er ist sich sicher, dass die Hygienegesetze ausreichend sind: "Dennoch ist es so, dass das Personal nicht alle Regeln kennt. Das heißt, die Verbreitung der Hygiene im Krankenhaus "hängt" oft noch."

Zu viele Patienten auf eine Pflegekraft

Vor jedem Patientenkontakt sollte das Personal die Hände desinfizieren. In der Regel dauert es rund 30 Sekunden bis alle Keime abgetötet sind. Doch dafür bleibe gar keine Zeit, kritisieren viele vom Krankenhauspersonal. Die Ursache: die Vielzahl an Patienten, die das Pflegepersonal versorgen muss - rund zehn Patienten im Durchschnitt. In den Niederlanden, zum Beispiel, sind es gerade einmal die Hälfte.

Die Gewerkschaft Verdi hat dazu ein Experiment gestartet. 82 Stationen verschiedener Kliniken in Baden-Württemberg sollten einen Tag lang die offiziellen Desinfektionsrichtlinien genau befolgen. Das Resultat: gerade einmal elf Kliniken schafften es.

mex fragt bei einem Pfleger nach. Seit Jahren arbeitet er auf der Intensivstation einer Uniklinik. "Es gibt Tage, da erstickt man fast in Arbeit, weil es viel zu viele Patienten sind. Da muss man Abstriche machen, und das leider sehr häufig bei der Hygiene, zum Beispiel beim Verbandswechsel. Eigentlich muss man den regelmäßig frisch machen, sonst sammeln sich Keime an. Dafür ist aber keine Zeit. Dadurch werden Patienten manchmal höchst gefährdet", erklärt der Insider, der anonym bleiben möchte.

"Das ist nicht der Regelfall"

Wie kann das sein? Am Rande der weltgrößten Medizinmesse Medica fragen wir beim Geschäftsführer der deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum nach: "Es ist nicht die Regel, sondern das sind Extremsituationen." Diese Ausnahmesituation könne aufgrund von Engpässen bei Personal, zum Beispiel durch Krankheit der Pflegekräfte, entstehen. Das sei aber nicht der Regelfall. Doch von Ausnahmen könne gerade auf Intensivstationen keine Rede sein, widersprechen Pfleger und Experten.

Gesundheitsexperte Gerd Glaeske spricht mit Moderatorin Claudia Schick in einem Studiogespräch über die Hygienemängel und Auswirkungen in Kliniken.

Ein Beitrag von Janika Müller und Barbara Berner