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zum Video Frag Schreiber – Das Internet als Propaganda-Werkzeug

Anschlag Halle

Der Terror von Halle: Ganz real, aber auch virtuell. Der rechtradikale Täter hat das Video von der Tat live ins Netz gestellt. Kann man sowas verhindern? Wir fragen den Internet-Experten Sebastian Schreiber.

Zunächst war das Video auf Twitch zu sehen, einer so genannten Gaming-Plattform. Internet-Experten wie Richard Mitev von der TU Darmstadt kennen Twitch bisher ganz anders: „Twitch ist eine Gaming Streaming Plattform, auf der jeder sich selbst filmen kann, wie er ein Videospiel spielt und dass dann seinen Zuschauern zeigen kann. Damit diese Unterhaltung haben oder was dazulernen. Das hat eigentlich nichts mit Terror an sich zu tun.“

Rechter Terror und Propaganda im Internet, so wie schon im Sommer 2011. Auf der norwegischen Insel Utoya tötet ein Rechtsextremer 69 Menschen. Seine Taten begründet er vorher in einem Pamphlet, das im Netz verbreitet wird. Der Terrorist wird zur Ikone der Rechtsextremen.

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zum hessenschau.de Video Mehr rechtsextremistische Gewalt in Hessen

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Ihm folgt im Frühjahr 2019 der Attentäter von Christchurch in Neuseeland. In zwei Moscheen erschießt er 51 Menschen. Wieder findet sich die rechte Propaganda im Netz, sogar ein Video von der Tat lässt sich bis heute online abrufen.

„Terrorismus als Videospiel“

Daniel Köhler, Extremismus-Experte, sagt: „Wenn wir uns Christchurch angucken oder Breivik angucken: Das sind Attentäter, die das Licht der Kamera suchen. Die wollen in einem Prozess auftreten wie Popstars für die rechte Szene weltweit. Die wollen ihre Manifeste überall zitiert sehen. Die wollen ihren Namen für immer mit diesen Anschlägen in Verbindung gebracht sehen. Es ist eine Art von Unsterblichkeit, die sie suchen.“

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zum hessenschau.de Video Hunderte gedenken der Opfer von Halle

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Nun also Halle mit dem Doppel-Mord live im Netz. So verbreitet der Täter seine Gesinnung: Hass auf Juden, Frauen, Muslime. Rechter Terrorismus wird virtuell beklatscht. Der Politikwissenschaftler Jakob Guhl meint: „Auf diesen verschiedenen rechtsextremen Foren wird das Ganze auch schon als Spiel betrachtet. Terrorismus als Videospiel, es wird bewertet, wie gut das Manifest ist, wie gut der Stream ist, wie viele Leute jemand getötet hat. Und dafür werden Scores verliehen.“

Das Tätervideo von Halle ist genau erfasst: Hier kann jeder lesen, an welcher Stelle was zu sehen ist. Wie in einem professionellen Archiv. All das ist nun weltweit abrufbar. Das Internet wird so zu dem Propaganda-Werkzeug für Terroristen.

Im Video erklärt der IT-Fachmann Sebastian Schreiber, ob man dagegen etwas unternehmen kann.