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zum Video Frag Schreiber – So zerstören Fake-Reisen Ihren Urlaub

Wir buchen unseren Urlaub: Alles scheint normal, die Buchungsbestätigung kommt und später auch die E-Tickets. Plötzlich sollen sie gar nicht existieren. Wie man sich vor Fake-Reisen schützen kann, weiß der IT-Experte Sebastian Schreiber.

Kim Auerswald hat schon einige Teile der Erde bereist. In diesem Jahr soll nach Kuba gehen. Sie bucht Flüge für sich und ihren Freund mit der Condor. Im Mai soll es losgehen. Doch letzte Woche, als sie bei der Airline eine Zugfahrt dazu buchen will, zerplatzt ihr Urlaubstraum: Ihr Ticket gibt es gar nicht: „Da bin ich irgendwie erst mal aus allen Wolken gefallen. Meinem Freund ist spontan schlecht geworden. Ich habe gesagt, da liegt ein Fehler vor, wir haben das bezahlt und das ist gebucht und ich hab das auch schon gesehen im Portal.“

Bezahlt hat Kim Auerswald tatsächlich: Für zwei Personen nach Havanna und zurück 1.174 Euro – ein Schnäppchen. Gebucht hat sie über ein Flugportal: Airdiscount 24. Auerswald sagt: Ich glaube, ich wäre misstrauisch geworden, wenn das irgendwie komisch gewesen wäre. Aber da war nichts dran auszusetzen, ein einfaches Buchungsformular. Ich glaube, es macht letztlich auch viel aus, wenn es eine schnelle Buchung ist.“

Wirklich insolvent?

Alles scheint normal, die Buchungsbestätigung kommt sofort und ein paar Wochen später auch die E-Tickets für Condor. Die sollen nun plötzlich gar nicht existieren. Was ist hier los? Die Berlinerin ist mit ihrem Problem nicht allein. In Foren beschweren sich etliche Kunden von Airdiscount 24, die auch ohne Tickets dasitzen. Und es kursiert ein angebliches Schreiben des Unternehmens im Internet, in dem es eine Insolvenz verkündet: 

„Da die Germania GmbH Insolvenz eingereicht hat, […] können wir unsere Buchungen [...] nicht mehr erhalten, was uns wiederum auch zur Insolvenz geführt hat.“

Doch andere Opfer melden daran Zweifel an. Wir fragen nach beim zuständigen Amtsgericht: Ein Insolvenzantrag ist bislang nicht eingegangen. Das gleiche hat auch Berliner Rechtsanwalt Vincent Aydin in Erfahrung gebracht. Inzwischen hat er fast 50 Fälle auf Tisch: „Das handelt sich meist um Langstreckenflüge, die in der Zukunft liegen. Also gebucht wurde im letzten Jahr Dezember, im Januar. Flüge sollten jetzt alle im März sein. Und alle haben dann zeitnah, sozusagen kurz vor den Flügen Bescheid bekommen, dass die Firma Insolvenz angemeldet hätte. Wenn die Insolvenz gefaked ist, dann ist es ein ganz klarer Betrug.“

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Wir recherchieren weiter. Laut Handelsregister ist ein Ayoub A. als Geschäftsführer der Firma eingetragen. Die Internetseite ist offline, auch von IT-Experten nicht wieder herzustellen. Die Telefonauskunft findet bundesweit weder die Firma noch den Namen des Geschäftsführers.

„Unbehagen beim Online-Kauf“

Kim Auerswald stellt Strafanzeige gegen das Unternehmen. An die Öffentlichkeit geht sie, weil sie andere vor der Betrugsmasche warnen will. Die betroffenen Fluggesellschaften, die um ihr gutes Image fürchten, empfehlen ihren Kunden, direkt bei der Airline zu buchen. In einem Reisebüro oder auf einem bekannten, seriösen Buchungsportal geht es natürlich auch. Condor will auf die Geschädigten zugehen und schreibt uns: 

 „Condor prüft derzeit etwaige Sonderkonditionen für betroffene Kunden.“

Kim Auerswald erzählt: „Wenn man dann in so einer Lage betrogen wird, … also es braucht dann immer eine gewisse Zeit, bis man da so wieder Vertrauen fassen kann. Also ich denke, es wird jetzt bei jedem Onlineeinkauf so ein bisschen Unbehagen mit dabei sein.Ob Kim Auerswald ihre Kuba-Reise nachholt, weiß sie noch nicht. Der Schreck sitzt im Moment zu tief.

Im Video erfahren wir von Sebastian Schreiber, wie wir es schaffen, nicht auf Fake-Reisen hereinzufallen.