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Stationäre Pflege in Deutschland ist teuer. Deutlich günstiger ist Polen. Hier hat Monika Maur ihren Vater Winfried untergebracht. Wir fragen den Finanzexperten Hermann-Josef Tenhagen, ob das Ausland eine Option der Pflegeversicherung ist.

Rund 900 Kilometer von Frankfurt entfernt liegt die Seniorenresidenz Zabelkow an der Oder. Ein Pflegeheim, das sich auf deutsche Kundschaft fokussiert hat. Hier kostet ein Einzelzimmer 1.450 Euro. Für die meisten polnischen Senioren unerschwinglich, für die Deutschen günstig. Im Preis enthalten sind 5 Mahlzeiten am Tag, täglich Ergo- und Physiotherapie und eine intensive Betreuung.

Alle 6 bis 8 Wochen macht sie sich Monika Maur auf den langen Weg, um ihren Vater zu besuchen. Der ehemalige Landwirt leidet an Parkinson und lebt seit 3 Jahren in der Seniorenresidenz an der Oder. Monika Maur muss sich dafür oft rechtfertigen: Ins Ausland abschieben, das sei der Dank, höre sie. „Das find ich schon eine sehr krasse Aussage. Und für Menschen, die noch nie hier waren, wo ich sage, schaut es euch zum Vergleich an. Die sprechen hier alle deutsch und die Betreuung ist wirklich besser und intensiver. Also wir sind hier voll zufrieden und wir fahren auch beruhigt.“

Wegen der guten Pflege ist auch Hartmut Dicke nach Polen gezogen. Der pensionierte Lehrer hatte vergangenes Jahr einen Schlaganfall: „Hier hat man mich mit der Physiotherapie soweit gebracht, dass ich an diesem Hochlehner schon wieder laufen kann. Und das hatte man mir in Hamburg gesagt, das würde nie wieder kommen und das war schon ein ziemlicher Schock. Ich möchte ja gerne wieder voll aktiv werden.“ Aber in Deutschland wäre ein Pflegeheimplatz viel teurer. Wer hier stationär gepflegt wird, muss immer mehr Geld selbst zuschießen.

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Ein erfolgreiches Geschäftsmodell

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Ein Pflegeheim im Ausland ist viel billiger- aber zahlt dafür die deutsche Pflegeversicherung? Nur indirekt, so klärt uns Hermann-Josef Tenhagen vom Verbrauchermagazin „Finanztip“ auf. Sie können lediglich die Unterstützung beantragen, die Sie für eine Pflege zuhause bekämen: „Wenn ich nach Polen gehe zum Beispiel, dann kann ich mein Pflegegeld mitnehmen und zwar komplett, so wie der Pflegegrad das in Deutschland zulässt. Das sind aber maximal 900 Euro. Wenn ich Pflegesachmittel, da, wo es in Deutschland bis zu 2.000 Euro gibt, haben wollte, das ginge nicht."

Zahlungskräftige Senioren aus Deutschland sollen demnächst auch hier leben. Bis vor kurzem war dieser Ritterhof in Dylaki westlich von Katowice noch ein Hotel. Doch ein Pflegeheim ist lukrativer. 1.600 Euro kostet das Einzelzimmer. Ein Appartement gibt es ab 1.900 Euro. Das Anwesen ist das neunte Pflegeheim, das der deutsche Unternehmer Artur Frank unter dem Label Seniorpalace vermarktet. Seit 2005 vermittelt er Pflegeheimplätze in Osteuropa.

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell: „Jetzt in den nächsten Jahre kommen die geburtenstarken Jahrgänge, die Babyboomer, wie sie genannt werden, in die Rentenzeit. Da ist, glaub ich, ganz Westeuropa nicht vorbereitet auf diese vielen neuen zusätzlichen Rentner. Es gibt nicht genügend Plätze in Deutschland, in Österreich und auch in der Schweiz. Gott sei Dank gibt es die Europäische Union und Alternativen für die Senioren, sich dann in einem anderen Land gegebenenfalls nach einem Platz umzusehen."

„Wie im Hotel“

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Zurück nach Deutschland. Thomas Niehuss berät Kunden in einem Pflegestützpunkt. Er empfiehlt, sich potentielle Pflegeheime immer unangemeldet anzusehen - egal, wie weit sie entfernt liegen. Worauf Sie dabei achten müssen, sagt ihnen eine Checkliste. Die wichtigsten Punkte darauf, „dass die Wünsche auch respektiert werden im Pflegeheim, dass Sie gutes Essen bekommen, gut versorgt sind und dass Sie auch die Möglichkeit haben, am Tagesleben teilzunehmen, aber natürlich auch, dass die Angehörigen sie regelmäßig besuchen können."

Für Gerda Friebe ist all das kein Problem. Zabelkow nennt sie seit zwei Jahren ihr Zuhause: „Was soll ich vermissen? Nein, gar nichts. Gut Essen, gut Trinken, ich komme mir vor wie im Hotel. Sie müssen es annehmen, freudig annehmen, dann bekommt es auch, dann werden Sie keinen Grund haben zu meckern."

Einen alten Baum verpflanzt man eben nur dann, wenn er auch woanders Wurzeln schlagen will.

Im Video erklärt der Finanzexperte Tenhagen, an wen man sich wenden kann, wenn man sich für eine Auslandsoption interessiert.