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zum Video Frag Tenhagen - Schufa: Unverschuldet zum Risikofall

Wie kreditwürdig sind Verbraucher? Das bewerten sogenannte Auskunfteien. Die bekannteste davon ist die Schufa, ihre Macht ist groß. Wie man sich bei Falschinfos wehren kann, weiß der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Die Schufa sammelt Daten, etwa aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen. Aber vor allem übermitteln ihr Banken, Sparkassen oder Handelsunternehmen Informationen über Kunden. Im Gegenzug liefert die Schufa ihnen ihre Einschätzungen. Die Schufa verfügt über Daten von 67,5 Millionen Personen. Auf dieser Basis errechnet sie die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Verbraucher seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Das nennt man Scoring.

Die Macht der Schufa hat auch er zu spüren bekommen. Ein Familienvater, der seinen Namen nicht nennen möchte, hat die Macht der Schufa zu spüren bekommen. Er arbeitet in leitender Position. Vor zwei Jahren planten er und seine Frau, mit einem Mietwagen durch die USA zu reisen. Dafür wollte er sein Kreditkartenlimit auf 1.500 Euro erhöhen.

Kein Problem dachte er, seine Bank kennt ihn ja: „Die sieht, dass ich da ein ordentliches Gehalt jeden Monat als Eingang habe, und dergleichen. Ich hab es nie überzogen, das Konto, warum krieg ich jetzt dieses Kreditkartenlimit nicht erhöht? Ja, aufgrund meines schlechten Schufa-Scores, so wurde es mir gesagt.“

Erhöhtes Risiko?

Er wollte von der Schufa wissen, welche Daten über ihn gespeichert sind. Auf eine solche Auskunft hat jeder kostenlos Anspruch. Es zeigt sich: Die Schufa weiß nicht viel über ihn: Name, Alter und dass er drei Mal umgezogen ist. Zu seinem wirtschaftliche Leben nur positive Einträge. Er hat ein Konto mit dazugehöriger Kreditkarte und zwei Girokonten. Doch die Schufa errechnet daraus eine Rückzahlwahrscheinlichkeit von 94,93 Prozent, ein nur „zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko“. Was bedeuten solche Bewertungen?

Als Verbraucher ist im grünen Bereich, wer seinen Kredit mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent und mehr zurückzahlt. Geringes oder sehr geringes Risiko. Bei 90 bis 95 Prozent heißt es bereits nur „zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko“. Bei unter 90 Prozent warnt die Schufa: „deutlich erhöhtes“ und „sehr hohes Risiko“.  Was gab bei ihm den Ausschlag für die nur maue Bewertung? Er kann das nicht durchschauen.

Die Methode – streng geheim

Prof. Gerd Gigerenzer hat als Sachverständiger für das Bundesjustizministerium gerade ein Gutachten über Scoring mit verfasst. Der renommierte Risikoforscher fordert von privaten Auskunfteien mehr Transparenz: „Ich denke, dass der Verbraucher das Recht bekommen sollte, alle Merkmale zu kennen, nach denen er gescort wird, deren Gewichtung und auch die Qualität der Daten, die die Auskunftei über ihn hat.“

Absurd ist: Die Schufa selbst bewertet ein und dieselbe Person ganz unterschiedlich. Das zeigt sich bei sogenannten Branchen-Scores. Die gibt es in einer Berechnungsversion 3.0 und einer älteren Version 2.0, die auch noch verwendet wird. Was sagt die Schufa zu alldem? Sie antwortet auf unsere Fragen mit einem 9-seitigen Schreiben, vom dem sie nicht will, dass wir daraus zitieren.

Bewerten Auskunfteien wirklich objektiv und richtig? Auch Gutachter Gerd Gigerenzer vom Sachverständigenrat für Verbraucherfragen konnte das nicht überprüfen: „Ich glaube, wir müssen ein Umdenken haben in unserem Land, dass wir nicht immer mehr Auskunfteien schützen, sondern die Verbraucher schützen. Und die Verbraucher schützt man am besten, wenn man ihnen offen sagt, was passiert.“

Verbraucher, von der Schufa zu Risikofällen erklärt, obwohl sie sich nie etwas zuschulden haben kommen lassen: Gefordert ist jetzt die Bundesregierung. Schließlich hat sie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, Entscheidungen, die auf Algorithmen basieren, überprüfbar zu machen.

Im Video erfahren Sie von Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen,  welche konkreten Nachteile Verbraucher haben können, wenn im Schufa-Eintrag etwas Falsches drin steht.