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zum Video Frag Tenhagen – So bereiten sie sich auf die Zinswende vor

Nach zehn Jahren ist die Zinswende so nah wie noch nie. Also heißt es: „Vorsicht Zinswende“. Denn der Einstieg in den Ausstieg läuft bereits. Wann gibt es wieder Geld fürs Geld, und wie können wir uns vorbereiten? Die Antworten kennt Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

Professor Otmar Issing weiß, wie eine Zinswende geht. Er hat die Euro-Einführung begleitet und war Chef-Volkswirt der EZB: „So sehr also die Niedrigzinsphase eine starke Veränderung gegenüber der Vergangenheit war, so sehr wird also nach dieser langen Zeit die Wende nach oben einen tiefen Einschnitt bedeuten. Das heißt darauf müssen sich die Anleger, die Märkte, die Welt erst einmal einstellen.“ Aber was kommt da auf uns zu? MEX zeigt die Folgen für  Sparer, Häuslebauer, Banken und den Staat.

Die Immobilienkäufer und die Zinswende: Wer wie schon als Käufer zugeschlagen hat, steht als Gewinner fest. Erst die Niedrigzinsen haben viele Wohnträume ermöglicht. Mit der Zinswende werden Häuslebauer in Zukunft zu Verlierern. 

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Im Schnitt leiht sich der Käufer 250.000 Euro. Insgesamt haben die Deutschen so 1,2 Billionen Euro Immobilienschulden. Ein Prozent höhere Zinsen und die Monatsbelastung steigt um 210 Euro für den Durchschnittskredit.

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Der Staat verliert

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zum Video MEX. das marktmagazin: Zinswende - das bedeutet eine neue EZB-Politik

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Der Staat wird in der Zinswende zum größten Verlierer. Von den Nullzinsen hat er ja auch am meisten profitiert. Da geht es um die größten Summen. Die Folgen einer Zinserhöhung um einen Prozentpunkt: 2 Billionen Euro Schulden sorgen für Mehrkosten von 20 Milliarden Euro pro Jahr. Professor Timo Wollmershäuser vom Münchner ifo-Institut macht plastisch klar, was das heißt: „Wenn man das mal in Relation setzt zu den 15 Milliarden, die gerade als Steuerentlastungen diskutiert werden, dann sieht man einfach, wie schnell einem als Staat die verfügbaren Mittel verschwinden können, wenn es eben zu einer Zinswende kommt.“

Die Banken und ihre Kunden: In der Zinswende werden die fleißigen Sparer wieder zu Gewinnern – ein bisschen.

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Auf Tagesgeldkonto oder Sparbuch liegen 974 Milliarden. Steigen die Zinsen um einen Prozentpunkt, sind das statistisch 121 Euro mehr für jeden Deutschen im Jahr.    

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Frankfurter Skyline mit dem Neubau der Europäischen Zentralbank im Vordergrund
Bild © picture-alliance/dpa

Und was wird aus den Gebühren? Das kostenlose Konto haben die Banken über die Jahre abgeschafft. Aber auch da ist für uns Kunden Besserung in Sicht, sagt  Bankexperte Professor Jan-Pieter Krahnen von der Frankfurter Goethe-Uni mit Blick auf die Gebühren: „Die werden erst einmal bleiben bei einer Zinswende, weil die Institute versuchen, die Einnahmequelle zu erhalten. Dann setzt der Wettbewerbsdruck wieder ein und die Gebühren werden dann so zurückgefahren, wie sie früher auch einmal gewesen waren.“

Die Banken werden leiden

Das größte Risiko bei einer Zinswende droht den Banken selbst. In der Übergangsphase zu höheren Zinsen geht es ans Eingemachte, weiß Krahnen: „Wenn jetzt die Zinsen sich verändern, muss sie sofort mehr Geld an die Sparer bezahlen, aber erhält von den Unternehmen und Hausbesitzern erst viel später eine Preiserhöhung. Und in der Zwischenzeit verliert sie Geld im Rahmen einer solchen Zinswende.“ Diese Übergangsphase hat dramatische Folgen: Nach einem aktuellen Stresstest der Bankenaufsicht könnten 60 vor allem kleinere Institute vor dem Aus stehen.

Egal wann die EZB die Zinswende beginnt, egal in welchem Tempo: Es gibt Gewinner, Verlierer und jede Menge Risiken.

Im beigefügten Video erklärt der Finanzexperte Tenhagen, was Verbraucher jetzt beachten sollten.