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zum Video Frag Tenhagen - Wo ist die Inflation geblieben?

Massiv steht die Europäische Zentralbank über dem Frankfurter Ostend im farbenfrohen Sonnenaufgang. Das Foto schickte uns hessenschau.de-Nutzer Ulrich Böttger aus Hanau. Haben Sie auch ein außergewöhnliches Bild aus Hessen? Dann schicken Sie uns Ihr Foto – wir freuen uns über Ihre Momentaufnahme.

Bei der Europäischen Zentralbank wird die Preissteigerung schon lange schmerzlich vermisst. Das ist gut für uns Verbraucher. Ob das so bleibt und was das neue Jahr finanziell bringen dürfte, erfahren wir von Hermann-Josef Tenhagen.

Kaum Inflation. Das erlebt die staatliche Preisermittlerin Maxin Bakalo gerade wieder beim Gang durch die Supermärkte. Einmal pro Monat registriert sie die Veränderung von 460 einzelnen Preisen: "Dann kann ich das hier in mein Smartphone eingeben und dann wird es an das Statistische Landesamt weitergeleitet und die bearbeiten das dann."

In den Statistik-Ämtern errechnen die Experten aus all den Angaben die Preissteigerung, die Inflationsrate. In die Berechnung fließen 300.000 Einzelpreise aus ganz Deutschland ein.

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zum Video Nullzinsen: Wie und warum die EZB Staatsanleihen kauft

Ein Mitarbeiter der EZB vor einem Computer
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Im Wiesbadener Äppelallee-Center erfragen wir bei Verbrauchern die gefühlte Inflation. Wie änderten sich zum Beispiel die Preise für Mandeln, die Nudeln oder auch die Miete in den vergangen 4 Jahren? Viele halten die Inflation und den Anstieg der Mietpreise für viel höher als sie tatsächlich sind.

Keine Freude bei der EZB  

Statistiker Markus Stahl vom Hessischen Statistischen Landesamt weiß, warum schnell ein falscher Eindruck entsteht: "Die Mieten steigen sehr stark in Ballungsräumen und steigen sehr stark für Neuvermietungen. Für eine repräsentative Stichprobe ist es wichtig, dass wir eben auch Mieten in ländlichen Räumen berücksichtigen. Und da steigen die Mieten deutlich schwächer. Und wir müssen berücksichtigen, dass nicht alle Mieter umziehen."

Christine Lagarde

Stabile Preise: Für uns Verbraucher klingt das ganz toll. Einkäufe bleiben auch im neuen Jahr so günstig wie bisher. Doch bei der EZB kommt keine Freude auf. Hier wünscht sich die Inflationsexpertin Christiane Nickel, in der EZB Abteilungsleiterin Inflation, eine höhere Inflation. Nahe 2 Prozent, als Sicherheitspuffer zu fallenden Preisen: "Wenn diese Preise eben allgemein am Sinken sind, dann würde das bedeuten, dass jeder anfängt abzuwarten, weil er ja damit rechnet, dass die Preise weiter niedriger werden. Und das bedeutet, dass die Wirtschaft eigentlich gelähmt wird."

Wo bleibt die Inflation? 

Aber nicht eine solche Deflation, sondern das Gegenteil, eine hohe ,  war lange Zeit das große Schreckgespenst.     

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Auf hohem Niveau schwankte der Wert seit den 70ern. Mehr als 3 Prozent waren üblich. Im Jahr 1992 betrug sie beispielsweise 5 Prozent, ein Jahr später 4,5 Prozent.  Doch seit Beginn des Jahrtausends sind - wie in vergangenen Jahr -  1,4 Prozent die neue Normalität.  

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Was ist da passiert? Denn bislang galt: Höhere Löhne und niedrige Zinsen bringen mehr Inflation. Jetzt aber: Die Löhne steigen, die Zinsen sind sogar verschwunden und bei der Inflation passiert nichts. An der Frankfurt School of Finance and Management nennt Professor Adalbert Winkler den wichtigsten Grund: Die Globalisierung: "Wenn ein Unternehmen meint, aufgrund der gestiegenen Nachfrage einen höheren Preis durchsetzen zu wollen: Da gibt es viele andere Unternehmen auf diesem Globus - in Europa, aber auch weltweit - die dann billiger anbieten und entsprechend auch den Zuschlag bekommen. Und um das zu verhindern, bietet das erste Unternehmen gar nicht zu höheren Preisen an. Und entsprechend ist die Inflation niedrig."

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zum Video Endlich wieder Zinsen? – Führungswechsel in der EZB

Mario Draghi
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Die EZB versucht alles für mehr Inflation: Null Prozent Leitzins, Negativzinsen für Banken und der Kauf von Staatsanleihen. Der Erfolg bleibt aus. Die EZB ist mit der Inflation, nun ja: auf den Hund gekommen.

Im Video erklärt der Finanzexperte Herrmann-Josef Tenhagen, wie die Aussichten für unser Geld im nächsten Jahr ausfallen.