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zum Video Frag Valet – Deshalb steht Carrageen in der Kritik

Carrageen steckt in Tortenguß und auch im Pudding-Pulver. Der Zusatzstoff findet sich in überraschend vielen Lebensmitteln. Was Carrageen ist, wofür man es braucht und ob es unbedenklich ist, erklärt uns der Verbraucherschützer Armin Valet.

Vor allem bei lange haltbaren Milchprodukten werden wir fündig. Häufig versteckt Carrageen sich auch hinter der Kennzeichnung E407. Carrageen wird als Verdickungsmittel und Emulgator eingesetzt. Gewonnen wird es aus der Rotalge, auch als Irish Moss bekannt. Gekocht und extrahiert entsteht ein weißes Pulver, das als Carrageen in unseren Lebensmitteln landet. Doch warum steckt es in so vielen Lebensmitteln?

Wir sind in einer Hotelfachschule bei Küchenmeister Uwe Kälberer. Er lehrt seinen Meisterschülern den Umgang mit verschiedenen Inhaltsstoffen und weiß, wie sie wirken: „Ein wesentlicher Vorteil von Carrageen ist, dass man Carrageen auch in der warmen Küche verwenden kann. Im Gegensatz zu anderen Geliermitteln, nehmen wir jetzt Gelatine oder vegetarische Gelatine sehen, die haben diese Eigenschaft nicht."

Carrageen sorgt für die gleichmäßige Konsistenz vieler Lebensmittel, ob kalt oder warm. Bestes Beispiel ist der Schokopudding. Kälberer meint: „Wenn man ihn isst, hat man einen sehr, sehr zarten Schmelz auf der Zunge. Und es verbleibt auch länger auf dem Gaumen. Und der Effekt ist natürlich, dass es sehr geschmacksintensiv dann herauskommt."

Geschmacksintensivierend - aber unter Lebensmittelexperten umstritten. Genauer: die kurzkettigen Moleküle von Carrageen. Sie entstehen unter anderem bei sehr hohen Temperaturen. In dieser Form steht der Zusatzstoff unter Verdacht krebserregend zu sein. Und wie bei allen Zusatzstoffen kommt es immer darauf an, wie viel wir zu uns nehmen.

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swr: Carrageen in vielen Lebensmitteln

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Sahne bleibt homogen

Wie viel Carrageen in den Produkten tatsächlich steckt, kann man auf der Verpackung allerdings nicht erkennen. Lebensmittelhersteller müssen die Menge des verwendeten Zusatzstoffes nicht angeben. Die von der EU empfohlene Verzehrmenge von Carrageen: sechs Gramm täglich – das gilt für einen achtzig Kilogramm schweren Menschen. Uwe Kälberer zeigt uns an einem Beispiel, wie viel Carrageen zum Verdicken notwendig ist: „Wir haben bei einem Liter Kirschsaft zehn Gramm Carrageen eingesetzt."

Doch könnte man auf Carrageen einfach verzichten? Für den Geschmack ist es nicht notwendig. In der Lebensmittelindustrie gibt es einige Alternativen zu Carrageen, die den gleichen Zweck erfüllen: Agar Agar, Pektin, Johannisbrotkernmehl, Kartoffelstärke oder natürliche Maisstärke. Wofür brauchen wir dann das Carrageen, zum Beispiel in einer frischen Schlagsahne? Bei der Bio-Sahne entstehen durch das hocherhitzen mit der Zeit Fettpropfen. Das lässt sich durch den Einsatz von Carrageen vermeiden. Es verbindet Wasser und Fett. Die Sahne bleibt homogen.

Die wichtigen Kaufkriterien der Verbraucher

Wir wollen von verschiedenen Herstellern wissen: Warum nutzen sie trotz des Verdachts einer gesundheitsschädlichen Wirkung weiterhin Carrageen? Alle verweisen darauf, der Stoff sei von der EU zugelassen. Außerdem nutze man ihn nur in geringer Dosierung. Hersteller Schwälbchen erklärt außerdem: 

 „Für die Verbraucher(innen) ist die durchgängig flüssige Eigenschaft der Schlagsahne, d.h. das Vermeiden von Aufrahmen bzw. von Pfropfen-Bildung, ein überaus wichtiges Kaufkriterium.“

Wer auf Carrageen verzichten will, sollte genau hinschauen. In den meisten Bio-Lebensmitteln etwa ist es nicht enthalten. Aus gutem Grund?

Studien können (noch) keine gesundheitlichen Risiken belegen. Im Video sehen Sie die Einschätzung des Verbraucherschutzexperten Armin Valet zu Zusatzstoffen wie Carrageen.