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zum Video Frag Valet - so gefährlich ist Bisphenol A

Mikroplastik

Bisphenol A wird eingesetzt, um Konservendosen zu beschichten und Plastik zu härten. Jeden Tag kommen wir damit in Kontakt, wenn wir solche Produkte nutzen. Ob das gefährlich ist, erklärt uns der Verbraucherschützer Armin Valet.

Trinkflaschen oder Essen aus Dosen: In solche Lebensmittel geht Bisphenol A über, und gelangt so auch in unseren Körper. Gefährlich! Denn die Chemikalie wirkt wie ein Hormon, schränkt die Fruchtbarkeit ein und steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

Wie viel Bisphenol A tatsächlich in Lebensmitteln aus Dosen steckt, wollte der BUND in Berlin herausfinden. Die Umweltorganisation hat 26 Produkte aus dem Supermarkt untersuchen lassen - mehr als die Hälfte war mit der gefährlichen Chemikalie belastet. Manuel Fernandez, Chemikalienexperte BUND, erzählt: „Überrascht waren wir über den Umfang der Belastung. Wir wissen seit Jahren, dass Konserven innen beschichtet werden mit einem speziellen Kunststoff, mit Epoxidharz. Und Bisphenol A ist eine Chemikalie, die Bestandteil bei der Herstellung dieser Kunststoffe ist.“ Wer solche Lebensmittel konsumiert, isst also definitiv auch Bisphenol A.

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Wie groß die Gefahr für die Gesundheit ist, erforscht Karin Michels schon seit Jahren. Erst an der Elite-Uni Harvard, jetzt an der Uni Freiburg. Unzählige Urinproben hat sie mittlerweile auf Bisphenol A untersucht. Als erste Wissenschaftlerin wies sie so nach, dass sich die Konzentration der Chemikalie durch Nahrung aus Konserven enorm erhöht.

„Bringt Hormonhaushalt durcheinander“

Prof. Karin Michels, Uniklinik Freiburg, sagt: „Eigentlich sollte natürlich so ein Stoff nicht in Lebensmittelverpackungen sein. Bisphenol A gehört zur Gruppe der endokrin oder hormonell wirksamen Substanzen und bringt damit unseren Hormonhaushalt durcheinander. Das hat möglicherweise Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, die ja hormonell bedingt ist, und auch andere hormonell bedingte Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Übergewicht. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden Erhöhungen festgestellt und möglicherweise auch Entwicklung und Pubertätsbeginn bei Kindern.“

Seit Anfang 2017 befindet sich Bisphenol A deshalb auf der EU-Liste der gefährlichsten Chemikalien. Bisphenol A sei ein „hormonell wirksamer Stoff“ mit „möglicherweise gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit“. Er soll die „Fortpflanzung schädlich beeinflussen“. Die gesundheitlichen Folgen seien „dauerhaft und unumkehrbar“.

Trotzdem hat das EU-Parlament Bisphenol A bislang nicht grundsätzlich verboten. Stattdessen gibt es neue Grenzwerte. Die sind zwar härter als vorher, die Gefahr, die von dem Stoff ausgeht, ist damit aber nicht gebannt. Das kritisiert auch der grüne Abgeordnete Martin Häusling: „Eigentlich haben wir ja in Europa - und da halten wir auch große Stücke drauf - das Vorsorgeprinzip. Das heißt, wenn ein Stoff im Verdacht steht, gefährlich zu sein, Schäden auszulösen, dann müsste er eigentlich selbstverständlich vom Markt genommen werden.“ Doch für diese Einschätzung gab es keine Mehrheit.

Andere Länder sind weiter

Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick ins Ausland. In Japan werden in Konservendosen statt Bisphenol A bereits seit 20 Jahren unbedenkliche Ersatzstoffe verwendet. In Frankreich ist der Stoff in allen Lebensmittelverpackungen seit 2015 verboten. In Deutschland dagegen müssen nur Babyflaschen und nach der neuen Richtlinie auch Schnabeltassen für Kleinkinder ohne Bisphenol A produziert werden.

Aber selbst das bringt keine absolute Sicherheit, weiß Prof. Michels: „Bisphenol A-frei heißt ja nicht Bisphenol-frei es kann also durchaus, insbesondere bei Plastikflaschen, sehr häufig noch Bisphenol A durch Bisphenol S oder andere Bisphenole ersetzt sein. Leider hat sich gezeigt, dass auch diese anderen Bisphenole ähnliche Gesundheitsprobleme machen und damit haben wir eigentlich sehr wenig gewonnen. Eigentlich müsste man Bisphenol generell aus dem Verkehr ziehen.“ Die Politik lässt die Verbraucher alleine. Schützen kann man sich derzeit nur selbst.

Im Video erklärt der Verbraucherschützer Armin Valet, worauf wir achten müssen.