Arzt am Bett eines Corona-Patienten

Von der Vollbremsung hochfahren zum Regelbetrieb - doch von wegen zurück zur Normalität. Mex fragt, wie sich die Kliniken neu aufstellen? Was bedeutet das für die Patienten? Und bleibt ein Krankenhausbesuch ein Risiko?

Die Asklepios Klinik in Lich: Chirurg Thilo Schwandtner hat jede Menge Patienten auf seiner Warteliste. Seit gut einer Woche darf er wieder operieren. Eine seiner ersten Patientinnen ist Marita Fischbach. Ihr Magen war im März in den Brustkorb gerutscht. Das war sehr schmerzhaft. Nun im Mai endlich der Eingriff.

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Sujetbild: Ein Mann mit Schutzmaske schlendert durch die Gegend, im Hintergrund sind Menschen ohne Masken zu sehen.
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Die Belastung für die Patienten Schmerz und Ungewissheit auszuhalten, ist immens. Und trotzdem merkt Dr. Schwandter, das viele Patienten nur zögerlich kommen, obwohl sie dringend Hilfe brauchen: "Wir führen ja sehr viele Gespräche mit unseren Patienten und 30 bis 40 Prozent berichten tatsächlich, dass sie Angst haben sich vor allem in Krankenhäusern und Arztpraxen mit dem Coronavirus zu infizieren."

Berechtigte Angst? Immerhin sind Kliniken generell Brutstätten für Bakterien und Viren. Doch im Fall von Covid-19 ist bislang nicht nachgewiesen, dass im Krankenhaus eine höhere Ansteckungsgefahr besteht als beispielsweise im Supermarkt.

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Viel gefährlicher ist es für den, der nicht kommt - leider ein anhaltender Trend seit der Pandemie. Hinter einer Wand liegt ein junger Mann Ende 20. Schwandner erzählt: "Hier haben wir einen Patienten der hat sich elbst therapiert mit Schmerzmedikation, er hat es nicht mehr ausgehalten und ist mit dem Notarzt zu uns gekommen. Die Ursache war letztlich ein Magendurchbruch, sodass wir ihn in den frühen Morgenstunden operieren mussten."

"Ein langsames Anfahren"

Der Weg aus dem Corona-Krisenmodus ist nicht leicht, weder für Patienten noch Kliniken, erzählt uns Christian Höftberger. Er hat den Überblick über alle hessischen Krankenhäuser, er ist Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft: "Wir müssen Wartezimmer, soweit es die gibt, bei Sprechstunden-Bereichen entzerren und mit Terminen so organisieren, dass Patientenwege sich nicht kreuzen. Die neue Realität wird also so ausschauen, dass wir nicht kurzfristig wieder auf das alte Niveau an Behandlungskapazitäten kommen, sondern es ein langsames Anfahren ist."

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Eine Ärztin mit Schutzausrüstung und Abstrich.
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Und der Klinik Alltag heißt, nicht wie gewohnt hundertprozentige Auslastung, sondern nur 70 Prozent. Denn weiterhin müssen Betten für eventuelle Covid-19-Patienten vorgehalten werden. Und das bringt wieder ein Minus, zusätzlich zu dem was Geschäftsführer Uwe List, Geschäftsführer Asklepios Lich, schon jetzt ausgerechnet hat.

Schätzungsweise 15 Prozent weniger Erlöse, meint List: "Also wir hatten einerseits weniger, weil wir nur 50 Prozent der Patienten behandelt haben, in der Zeit hatten wir gleichzeitig natürlich wesentlich höhere Ausgaben einerseits für Geräte, andererseits für Material. Und die Bundesregierung hat die Kliniken unterstützt mit dem Rettungsschirm, das heißt, für jedes freigehaltene Bett gibt es 560 Euro Kompensation. Ich vermag aber im Moment nicht zu sagen, ob das ausreicht, den Erlösausfall einerseits und die hohen Kosten zu decken."

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Nur drei von sieben Operationssälen waren während des Lockdowns belegt. Runter ging es auch bei der Bettenauslastung. Mitte März waren es noch 100 Prozent. Einen Monat später stehen mehr als die Hälfte der Betten leer. Stand vor einer Woche: Immerhin 60 Prozent Auslastung.

Mehrkosten durch Corona-Test

Und jetzt kommen möglicherweise noch mehr Kosten hinzu. Alle Kliniken planen Patienten auf Corona zu testen, bevor sie stationär aufgenommen werden, weiß List: "Ein Test kostet zwischen 80 und 100 Euro etwa. Das bedeutet natürlich erhebliche Mehrkosten für die Klinik, wo nicht klar ist, wer die im Moment trägt. Also wir haben mal gerechnet. Das macht bei uns, wenn man sozusagen die Operation und auch die konservativen Patienten sich anschaut, etwa 5.000 Euro allein pro Tag für die Neuaufnahmen."

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Und die Patienten selbst müssen nach dem Test noch mal nach Hause. Höftberger erklärt: "Weil das Testergebnis sozusagen eine Zeitlang braucht, bis es vorliegt, müssen die Patienten sich bis zum Vorliegen des Testergebnisses in häuslicher Quarantäne befinden, und erst danach ins Krankenhaus gehen."

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Das Mex-Fazit:

Die Kliniken waren gut vorbereitet für die erste Welle der Pandemie. Das sorgte für eine Verschlechterung der Versorgung anderer Patienten. Damit ist jetzt Schluss. Es wird wieder operiert!

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Autorin: Barbara Berner