Osterglocken im Sonnenlicht

In den hessischen Baumärkten geht es rund: Kaiserwetter plus Corona-Lockdown setzen ungeahnte Kräfte frei. Mex ist zum Saisonstart in Gärten und Baumärkten unterwegs: Wir wollen wissen, wie die Hessen ihre Auszeit nutzen.

Montagvormittag im Bauzentrum Maeusel in Bad Vilbel vor den Toren Frankfurts. Seit drei Wochen wird Geschäftsführer Roland Maeusel regelrecht überrannt. Was für die Spielwarenbranche das Weihnachtsgeschäft ist, das sind für die Baumärkte die Frühjahrsmonate. Ein Drittel ihrer Gesamtumsätze wird jetzt gemacht, vor allem mit Gartenartikeln. 

Und dieses Jahr kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Die Corona-Zwangspause fällt exakt in diese umsatzstarken Monate. Das gibt den Hessen viel Zeit, Haus und Garten auf Vordermann zu bringen. Der Umsatz vieler Baumärkte ist in diesem Frühjahr fast 30 Prozent höher als im vergangenen. 

Flucht aus der kleinen Stadtwohnung

Und welche Projekte verfolgen die Leute? Wir starten im Kleingartenverein Heilsberg in Frankfurt. Überall wird gehämmert, gebohrt und gesägt. Vorstandvorsitzende Andrea Seibert freut sich über den Tatendrang ihrer Mitglieder. Einer von ihnen: Salvatore Capucci. Als Gastronom hat er aktuell sehr viel Zeit: "Aktuell habe ich zwei Hochbeete angelegt, und werde die jetzt auch weiter ausbauen, und die Gartenlaube benötigt auch eine Aufbesserung, ja ich habe genug zu tun." Täglich werkelt er in seinem Garten und ist froh, seiner kleinen Frankfurter Stadtwohnung entfliehen zu können.

Wirtschaftlich gut geht es auch den Handwerkern. In einem Wohngebiet in Karben parkt vor nahezu jedem Haus ein Handwerker Auto. Wir treffen auf Landschaftsplaner Jan Zoi. Für seine Kundin legt er Garten und Terrasse komplett neu an. Kosten rund 30.000 Euro. Wer sich allerdings nicht schon im vergangenen um einen Landschaftsgärtner gekümmert hat, hat aktuell keine Chance, einen zu bekommen: "Aufgrund der Situation mit Corona ist es so, dass wir  mehr Anfragen haben, weil die Kunden halt einfach sagen, okay wir sind zuhause, wir haben Zeit und wollen es jetzt schön haben. Und dann am besten so schnell wie möglich, ja, aber da muss ich leider sagen, das funktioniert nicht."  Denn bis zum Herbst sind seine Auftragsbücher voll.

Auf alte Werte besinnen

Weiter geht unsere Gartentour in Niederdorfelden im Main Kinzig Kreis. Wir sind bei Familie Heine. Zusammen mit Tochter Paulina pflegt Bärbel Heine ihren Garten wie nie zuvor. Und drinnen renoviert ihr Mann, Christof Heine, das Badezimmer, nachdem er bereits Keller, Küche und die Kinderzimmer gestrichen hat: "Die zeitlichen Geschehnisse sind jetzt nun mal so, wie sie sind. Es ist mal, in Anführungsstrichen eine Abwechslung, lässt einen auch ein wenig rückbesinnen an die alten Werte, man ist wieder ein bisschen mehr bei der Familie, macht die Hausarbeit."

Autorin: Anke Heinhaus