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zum Video Fusion - Verschwindet der Aldi-Äquator?

Die beiden Aldis wollen künftig stärker zusammenarbeiten. Noch gibt es den Äquator, den man in keinem Atlas findet: den Aldi-Äquator, der quer durch Hessen verläuft. MEX will wissen: Was bedeutet das für die Kunden?

Bahnt sich die größte Wiedervereinigung seit der Wende an: Zwischen Aldi Nord und Aldi Süd? Wir sind am Aldi-Äquator. Der verläuft quer durch Hessen. An dieser Grenze  liegen Sinn und Herborn. Von Aldi Süd bis zu Aldi Nord sind es hier gerade mal 4 Kilometer. In diesem „Zonenrandgebiet“ gibt es Aldi-Patrioten, aber auch Grenzgänger. Marlene Tillmann lebt in Herborn, das ist Aldi Nord Land. Für ihren Kartoffelsalat fährt sie aber über die Grenze: „Ich fahre extra zu Aldi Süd, um die Kartoffel Anabel zu kaufen, das ist die beste für Kartoffelsalat“

Ira Keil ist Aldi Südländerin und bevorzugt den heimischen Aldi: „Ich bilde mir ein, dass das Licht in Aldi Süd wärmer ist. Danach Urteile ich schon, ob ich da einkaufe oder nicht“ Ob Licht oder Kartoffeln - in der Werbung sind die beiden Aldis schon länger verbrüdert. Und diese Zusammenarbeit will Aldi  jetzt intensivieren.

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Warum gibt es eigentlich zwei Aldis?

Nach dem Krieg übernehmen die Brüder Karl und Theo Albrecht den Tante-Emma-Laden ihrer Mutter. 1961 kommt es wegen Zigaretten zum Streit. Der eine will sie verkaufen, der andre nicht. Die Albrechts können sich nicht einigen und erschaffen so den Aldi-Äquator.

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„Das Angebot wird sich vermischen“

Und was bedeutet das für die Aldi Marken? Können die Hessen beidseits des Äquators Nord und Süd auseinanderhalten? Wir haben jeweils 5 vergleichbare Produkte bei Aldi Nord und Aldi Süd gekauft. Die sollen die Verbraucher richtig zuordnen. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: 10 Personen haben insgesamt 100 Produkte zu Nord und Süd zugeordnet. Und sie haben das zu 73 Prozent richtig und nur zu 27 Prozent falsch gemacht.

Aldi Logo
Aldi Süd: Wärmeres Licht, andere Kartoffeln Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Aldi verkauft aber nicht nur Lebensmittel sondern zum Beispiel auch Kleidung. Da unterscheidet sich das Angebot von Nord und Süd am stärksten und hier erwartet Professor Bernhard Heidel von der Wiesbaden Business School auch die größte Annährung: „Das bedeute, dass im Nonfood-Bereich, in den Textilien, noch mehr gemeinsame Aktionen getätigt werden. Aber auch in den restlichen Sortimenten gibt es sicherlich Möglichkeiten, noch enger zusammen zu arbeiten. Das Angebot wird sich also sicherlich vermischen.

Neuer Preiskampf unter den Discountern?

Aber was ist mit den Preisen? Kann Aldi noch günstiger? Der Wettbewerb im Einzelhandel gilt als besonders hart. Aldi konkurriert hier mit Lidl, Netto und Penny.

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Die Milliardenumsätze der Discounter

Als Branchen Primus setzte Aldi im vergangen Jahr 28 Milliarden Euro um. Danach folgt Lidl mit 22,4 Milliarden. Netto ist dritter mit 12,7 Milliarden und Penny kommt auf  7,2 Milliarden Euro Umsatz.

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Durch die verstärke Zusammenarbeit will Aldi diesen Spitzenplatz verteidigen. Mehr Teamwork bei Aldi bedeutet Kostenreduzierung. Und doch wird der Discounter das wohl erst mal nicht an den Kunden weiterreichen, glaubt der Experte Heidel: „Ich kann mir nicht Vorstellen das Aldi freiwillig die Preise senken wird. Lediglich wenn die Konkurrenz, in erste Linie Lidl, die Preise senkt, wird Aldi nachziehen.“

Ein neuer Preiskampf unter den Discountern ist also nicht ausgeschlossen. Doch bis es soweit ist, wird es wohl noch einige Monate dauern. Und überhaupt, sagt Aldi:

„Eine Fusion ist weder aus der Kooperation folgend noch aus sonstigen Überlegungen geplant oder beabsichtigt.“

Das Max Fazit: Zu einer Verbrüderung, wie damals nach der Wende, wird es zwischen Nord und Süd Aldi erst mal nicht kommen, aber dafür wird das Angebot vielfältiger.

Autor: Peter Neumann